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Mit neuen Strukturen in die nächsten Jahre

Vertreterversammlung diskutierte aktuelle und zukünftige Aufgaben – KV Brandenburg auf einem guten Weg

Wie sind wir auf die Herausforderungen der kommenden Jahre vorbereitet? Wie ein roter Faden zog sich diese Frage durch die jüngste Vertreterversammlung der KVBB am 16. September. Und es gab Antworten. Sie zeigten, dass sich das KV-System, zumindest hier in Brandenburg, auf der Höhe der Zeit befindet und mit interessanten Ideen und bereits ersten praktischen Umsetzungen diesen Herausforderungen gewachsen zeigt.

Die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft mit der AOK Brandenburg (siehe auch das Interview mit Dr. Helming ) sei dafür ebenso ein Beleg wie die Arbeit der KV COMM und die Umgestaltung der Führungsebene der KV-Verwaltung, so der KV-Vorsitzende in seinem Bericht zur Lage. „Heute müssen wir mit neuen Ansätzen beginnen. Nicht mehr konfliktiv, sondern konstruktiv gemeinsam mit Partnern aus der Kassenlandschaft nach innovativen Lösungen suchen“, forderte Dr. Helming und stellte das Modell der fachübergreifenden ärztlichen Kooperationszentren vor.

Konstruktiv, nicht konfliktiv
Verstärkte Teamorientierung, ein Aufbrechen der Sektorengrenzen, Einbinden sogenannter supportiver Dienste wie Apotheken, nichtärztlicher Heilhilfsberufe (z.B. Pflegedienste), nichtärztlicher Praxisassistentinnen, um nur einige Beispiele zu nennen. Sonst sei es nicht möglich, auch in zwanzig Jahren noch eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

Dabei sei es Ziel, die exorbitante bürokratische Belastung in den Arztpraxen zu verringern. Das sei, so Dr. Helming, einer der zentralen Ansatzpunkte in der Arbeitsgemeinschaft mit der AOK. Ein weiterer die Versorgungsforschung. Wie gelingt es uns, jungen Ärzten solche Bedingungen in Brandenburg zu bieten, dass sie eine Perspektive für die kommenden 30 Jahre ihrer beruflichen Tätigkeit sehen?

Dazu stellte der Stellvertretende Vorsitzende Dipl.-Med. Andreas Schwark das Konzept „Ärzte nach Brandenburg“ vor. Kernstück sind Weiterbildungsnetzwerke, die jungen Ärzten eine möglichst lückenlose Weiterbildung zum Facharzt gewährleisten sollen. Darüber hinaus gelte es, bereits während des Medizinstudiums über eine ambulante ärztliche Tätigkeit in Brandenburg zu informieren.

Investitionen in die Zukunft
Das gehe, so der Allgemeinmediziner Schwark, nicht ohne finanzielle Anreize. Vor allem auch für jene Kolleginnen und Kollegen, die junge Ärzte in ihrer Praxis weiterbildeten. Er stellte dazu den VV-Mitgliedern ein im Vorstand abgestimmtes Konzept vor, das eine Gesamtsumme von knapp 200.000 Euro für dieses Projekt vorsieht. Es beinhaltet neben finanziellen Zuwendungen bei Famulaturen, Praktika und Praxistagen von Medizinstudenten konkrete Summen für die weiterbildenden Ärzte und die Weiterbildungsassistenten sowie die Finanzierung einer speziellen Stelle dafür in der Verwaltung.

In der Diskussion wies Frau Dr. Susanne Bartz darauf hin, dass bei diesem Projekt vor allem auch die Situation junger Ärztinnen berücksichtigt werden sollte. Prof. Koch argumentierte aus seinen Erfahrungen heraus, dass sich die KVBB nicht nur auf die Universitäten in Berlin, sondern vor allem auch in Greifswald und Rostock stützen sollte. Und Dr. Johannes Becker ergänzte, es sei wichtig, dass sich dieses Projekt nicht nur auf die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin stütze, sondern auch andere Fachdisziplinen einschließe.

Umdenken benötigt Zeit
Frau Dipl.-Med Gisela Polzin warnte in der Diskussion mit Blick auf die Arbeitsgemeinschaft mit der AOK vor einem „Kuschelkurs“ gegenüber dieser Kasse. „Was ich beispielsweise im Prüfungsausschuss erlebe, wie dort Vertreter der Kassen auftreten und welche Ansichte sie vertreten – da ist nichts von gemeinsam und miteinander zu spüren. Und ich will auch nicht, dass eine Kasse mein Bestellsystem bestimmt“

Dr. Helming erwiderte, dass „wir hier noch ganz am Anfang stehen. Eine jahrelang praktizierte Mißtrauenskultur lässt sich nicht von heute auf morgen abstellen.“ Dieser notwendige Umdenkungsprozess sei noch längst nicht bei allen angekommen. Die jahrelange Arbeit am „Feindbild Arzt“ hat Spuren hinterlassen.

Auswertung des Abrechnungsquartals I/2009
Intensiv und umfassend wertete der Stellvertretende Vorsitzende Dr. Peter Noack das abgeschlossene I. Quartal 2009 aus. Insgesamt 19 Millionen Euro, rund 10 Prozent der Gesamtvergütung, standen in I/2009 mehr zur Verteilung zur Verfügung als I/2008. Allerdings hätten nicht alle Ärzte davon profitiert. 240 der rund 3.700 ambulant tätigen Ärzte hätten Verluste von mehr als 5 Prozent erlitten. Ob dies speziell die leistungsstarken Praxen gewesen seien, wie in der Diskussion geäußert wurde, dafür fehlten noch exaktere, detailliertere Analysen, sagte Dr. Noack und kündigte an, dass diese folgen würden.

Insgesamt verbesserte sich die Honorarsituation bei den Fachärzten um rund 9 Prozent und bei den Hausärzten um 13 Prozent. Bei den Hausärzten kamen 73,8, Prozent auf Mehreinnahmen größer 5 Prozent, bei den Fachärzten waren es 65,6 Prozent. Ungeachtet dieser insgesamt positiven Entwicklung seien rund 800 Widersprüche zum Honorarbescheid I/2009 bei der KVBB eingegangen.

Was bringt das Jahr 2010?
Mit großer Sicherheit lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass wohl keine relevante Fallwertanhebung im kommenden Jahr zu erwarten ist. Schuld daran sind die auf der Bundesebene im erweiterten Bewertungsausschuss getroffenen grundsätzlichen Regelungen. So ersetzen im nächsten Jahr und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch 2011 bundeseinheitliche Regelungen bei der Morbidität und der Demographie die gesetzliche Vorgabe der Morbiditätsadjustierung der Honorarentwicklung.

Bundeseinheitlich heißt, dass die besonderen Bedingungen insbesondere in den neuen Bundesländern – wesentlich höhere Morbidität und höherer Altersdurchschnitt der Versicherten – in den nBL keine Berücksichtigung finden sondern den Durchschnitt für Baden-Württemberg, Bremen, Bayern und Berlin anheben. Hier hätten sich, so Dr. Helming in seinem Bericht zur Lage, die großen Altbundesländer stark gemacht. Sie profitieren eindeutig von bundeseinheitlichen Regelungen. Der KBV-Vorsitzende Köhler habe dies als „Solidarbeitrag der neuen Bundesländer“ bezeichnet. Kommentar überflüssig.
„Jeden Tag fährt ein Bus ohne Rück-Ticket mit jungen, gesunden Versicherten von Brandenburg nach Baden-Württemberg“, stellte Dr. Helming fest. Zurück blieben die älteren, meist multimorbiden Menschen, die einer wesentlich intensiveren medizinischen Betreuung bedürften.

Vor diesem Hintergrund sei es nicht nachvollziehbar, dass nach einer Simulationsrechnung des InBA (Institut des Bewertungsausschusses) für 2010, für einen brandenburgischen Versicherten insgesamt im Jahr 322,14 Euro zur Verfügung ständen, in Rheinland-Pfalz hingegen 395,40 Euro, Berlin 379,93 Euro oder Baden-Württemberg 375,16 Euro. „Die Schere Ost-West wird auch in den kommenden Jahren nicht geschlossen, im Gegenteil!“, kommentierte Dr. Helming.

R.H.

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