Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg  |   Impressum  |   Sitemap  |   Kontakt  |   
  RSS-Newsfeed  

Aktuell im Gespräch mit Dr. Peter Noack

"Ich bin sehr froh, dass wir gemeinsame Lösungen bei der Finanzierung gefunden haben"

Die Verhandlungen mit den Krankenkassen zur Honorierung 2010 sind unter Dach und Fach, was gibt es Neues?

Wir werden die Honorarverteilungssystematik im Wesentlichen so weiterführen wie 2009. Das war uns wichtig, damit wir trotz der vielen Neuerungen in Details zumindest eine gewisse Kontinuität haben.

Im Wesentlichen heißt, es gibt auch Änderungen.

Ja. Das betrifft vor allem den Bereich der freien Leistungen, die ja wie die Leistungen im Regelleistungsvolumen innerhalb der Gesamtvergütung zu finanzieren sind. 2009 hatten wir einen teilweise rasanten Anstieg dieser freien Leistungen, was sich zum Teil dann negativ auf die Höhe der Fallwerte im Regelleistungsvolumen ausgewirkt hat.

Was doch viele Ärzte kritisiert haben.

Stimmt, und diese Kritik war auch nicht unberechtigt. Denn in der Konsequenz bedeutete dies ein Absenken der Honorierung für die Kernleistungen innerhalb der Fachgruppen. Doch genau diese Grundversorgung müssen wir aber absichern.

Wie werden nun die freien Leistungen begrenzt?

Wir nehmen als Basis die Menge der freienLeistungen im Jahr 2008 plus die mit den Kassen für 2010 vereinbarten Steigerungsraten. Dies zusammen ist praktisch jene Geldmenge, die insgesamt für freie Leistungen über alle Fachgruppen hinweg zur Verfügung steht. Also 100 Prozent. Werden diese 100 Prozent im Quartal überschritten, dann erfolgt eine Abstaffelung, das heißt, der Preis für diese Leistungen sinkt.

Das provoziert geradezu die Frage nach dem Unterschied zur Honorierung unter Budgetbedingungen

Sie haben recht es gibt praktisch keinen. Abgesehen von den extrabudgetären Bereichen wie Prävention oder Ambulantes Operieren. Hier gibt es keinerlei Mengenbegrenzung.

Die Auswertung der ersten drei Quartale 2009 hat gezeigt, dass es doch in fast allen Arztgruppen einen Anstieg der Fallzahlen gab. Wie ist das in 2010 berücksichtigt?

Wir haben versucht, diese Fallzahlsteigerung auszublenden, oder anders aus gedrückt, sie zu kompensieren.

Das geht doch aber nur mit mehr Geld.

Aus dem Grund haben wir die Rückstellungen, die in jedem Quartal zu bilden sind,um beispielsweise Widersprüche bedienen zu können, so knapp wienur irgend möglich kalkuliert. Und dann darf man auch nicht vergessen, dass wir in 2010 mit einem Anstieg der Gesamtvergütung von etwa 1,6 bis 2 Prozent rechnen.

Das heißt, wir haben kaum noch einen Sicherheitspuffer.

Ja, das ist richtig.

Dringend zu regeln waren die Finanzierung des Mehrbedarfs in der Psychotherapie und die Weiterbildung Allgemeinmedizin. Gibt es da neue Regelungen?

Ja, ich denke, hier haben wir letztlich einen guten Kompromiss gefunden.

Der wie aussieht?

Die Förderung Allgemeinmedizin wird über eine Sonderumlage finanziert. Und zwar von allen Ärzten und Psychotherapeuten. Wir mussten auch berücksichtigen, dass auf Bundesebene die Förderung von bislang 2.040 Euro auf nunmehr 3.500 Euro pro Weiterbildungsstelle und Monat angehoben wurde.

Und die Finanzierung des Mehrbedarfs Psychotherapie?

Auch die erfolgt durch alle. Das heißt, die Hausärzte zeigen sich hier solidarisch.

Wie schwierig war dieser Kompromiss?

Wir haben die Problematik innerärztlich ausgiebig und intensiv diskutiert, und ich bin sehr froh, dass letztlich der Solidaritätsgedanke die Oberhand gewonnen hat. Ich möchte hier allen Beteiligten insbesondere der VV danken, dass solche Kompromisse möglich sind, was mit Blick auf andere KVen durchaus nicht selbstverständlich ist.

Ein richtig heißes Eisen ist die Bereinigung der Gesamtvergütungen bei Selektivverträgen.

Kurz vor Jahresschluss ist auf Bundesebene eine Lösung gefunden worden. Aber sie ist sehr kompliziert und man muss erst einmal abwarten, wie sich dies insgesamt entwickelt. Im Grundsatz ist es so, dass zuerst ein mal eine arztindividuelle Bereinigung bei jenen Ärzten erfolgt, die an Selektivverträgen teilnehmen.

Das klingt aber nicht kompliziert.

Zuerst einmal nicht, aber es muss eine ganze Reihe sogenannter Nebeneffekte beachtet werden, die die Sache so kompliziert gestalten; beispielsweise Wanderungen von Patienten, neue Patienten usw.. Aus diesem Grund ist auf Bundesebene durch den Erweiterten Bewertungsausschuss vereinbart worden, dass eine Bereinigung für diese Nebeneffekte kollektiv auf die jeweilige Fach- oder Arztgruppe bis zu einer Höhe von plus / minus 2,5 Prozent umgelegt werden muss. Darüber hinaus gehende Bereinigungsbeiträge gehen wieder ausschließlich zu Lasten der Selektivvertrags Ärzte.

Sind solche Regelungen eigentlich noch vom Arzt in der Praxis nach zuvollziehen?

Genau das ist die Schwierigkeit. Es ist alles so komplex, so miteinander verbunden, dass bei nur einer Veränderung oder Neuerung sofort ein ganzer Rattenschwanz an weiteren folgt. Nein, ich denke, dass dies kaum noch jemand versteht, außer jenen, die sich auf Verhandlungsebene damit beschäftigen. Das kostet Unmengen an Zeit, bindet Personal undletztlich wird es doch wieder nur jede Menge Streit geben. Es ist eben der verzweifelte Versuch der gemeinsamen Selbstverwaltung, die Vorgaben des Gesetzgebers umzusetzen

Vielen Dank, Dr. Noack, für das Gespräch
Gefragt und notiert von Ralf Herre

26.01.10

zum Seitenanfang

MUDr./CS Peter Noack
Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der KV Brandenburg
MUDr./CS Peter Noack
Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der KV Brandenburg