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Eine Idee wird Wirklichkeit – 116 117

Aktuell im Gespräch mit Dr. med. Hans-Joachim Helming

Brüssel hat zugestimmt - haben Sie schon die Sektkorken knallen lassen?

Kann mich noch nicht entscheiden, aus welchem europäischen Mitgliedsland ich den Sekt nehmen soll: spanischen Cava, italienischen Spumante; französischen Champagner oder deutschen Sekt.

Nach dieser optimistischen Zäsur ist es angebracht, erst einmal kurz den Blick zurück zu werfen. Sie hatten eine Idee …

Ich fand es unsinnig, dass wir beispielsweise Brandenburg jeden Tag hunderte Telefonnummern in Tageszeitungen veröffentlichen ließen, die jeweils auf die Kolleginnen und Kollegen verwiesen, die an diesem Tag Dienst hatten. Und in den anderen Bundesländern sah beziehungsweise sieht das ja nicht anders aus, von den Ballungszentren einmal abgesehen. Und da fiel mir die 115 ein, über die schon zu DDR-Zeiten der Dringliche Hausbesuchs-Dienst zu erreichen war. Ja, und dann nahm das Projekt seinen Lauf.

Gab es zwischendurch einmal Momente, wo Sie gedacht haben, das wird nie etwas?

Gewiss, aber so ein Gefühl spornt an, ein drohender Mißerfolg setzt ungeahnte Motivationsschübe frei. Zudem: Als ich in Brüssel startete, wurde von Lobbyisten ein Zeitraum von bis zu 6-8 Jahren für ein solches Projekt in Aussicht gestellt, da sind die nunmehr etwas mehr als drei Jahre nahezu eine Sensation! Von daher konnte eine momentane Durststrecke niemals wirklich das Gefühl der Enttäuschung aufkommen lassen – eigentlich lief immer irgendeine Aktivität und bereitete den nächsten Schritt vor

Nun ist ein solches Riesenprojekt nicht allein zu stemmen. Die KBV ist der starke Partner an der Seite. Wie geht es jetzt weiter?

Nachdem wir die einheitliche europäische Bereitschaftsdienst-Nummer in Brüssel durchgeboxt haben, kommt es jetzt auf die bundesweite Umsetzung an. Da ist die KBV unverzichtbar und der Vorsitzende, Kollege Köhler, beweist sich auch wirklich als ein überaus motivierter Partner. Ich bin froh, hier nicht mehr Überzeugungsarbeit leisten zu müssen

Mit anderen Worten, jetzt folgen 12 Monate intensiver Arbeit, auch Überzeugungsarbeit?

Überzeugungsarbeit auf Länderebene! Einige KVen erkundigen sich bereits nach den konkreten Umsetzungsschritten, wollen aktiv werden. Andere sind da etwas „zurückhaltend“; vermutlich weil sie sich noch nicht wirklich mit der Materie auseinandergesetzt haben und glauben, sie müssten ihre etablierte Durchführungslogistik ändern.

Eine ganz praktische Frage. Was hat Otto-Normalverbraucher von dieser neuen Nummer? Und was die Ärzteschaft?

Der von Ihnen so betitelte Otto-Normalverbraucher braucht sich zukünftig nur noch diese eine Nummer zu merken.

Wie mit der 110 bzw. 112 von überall aus immer die Polizei oder Feuerwehr.

Genau. Egal ob er auf der Hallig urlaubt oder auf der Alm die Kühe hütet: Wenn ihm die „Galle piept“, kann er mit der 116 117 den regional zuständigen Bereitschaftsdienstarzt anrufen. Und wenn er im europäischen Ausland ist, muss er auch nicht erst erkunden, wie man dort einen Arzt außerhalb der Sprechstundenzeiten zum Setzen eines Spasmolytikums erreicht, sondern auch dort gilt die 116 117!

Vorausgesetzt, diese Länder schließen sich unserer Initiative an …

… Natürlich ist dies eine Entscheidung, die die Länder treffen müssen. Aber alle Voraussetzungen dafür sind nunmehr gegeben. Jetzt stehe ich übrigens gerade mit Österreich in Kontakt, und so wollen wir nach und nach die europäischen Länder überzeugen.

Apropos: Dass die Ärzteschaft sich dieses Themas annimmt, ist zumindest nicht alltäglich.

Wir machen damit sehr deutlich, wie ernst wir den Sicherstellungsauftrag nehmen, und dass wir uns wirklich um die Interessen der Patienten kümmern. Meine Erfahrung zeigt auch, dass viele politische Entscheidungsträger, aber auch journalistische Meinungsbildner, nahezu erstaunt sind, dass wir Ärzte einmal ein Thema besetzen, welches nicht mit der Forderung nach mehr Geld verknüpft ist.

Ein gutes Stichwort. Bei einem solchen Projekt kommt man nicht umhin, nach den Kosten zu fragen. Wer finanziert dies und in welcher Höhe?

Die Logistik des Bereitschaftsdienstes war schon immer als ein Teil des Sicherstellungsauftrages anerkannt. Die dazu erforderlichen Aufwendungen haben wir Ärzte schon immer getragen (entweder die Inserat-Kosten in den Tagesmedien oder ein Dienstleistungsentgelt für die Inanspruchnahme von Rettungsleitstellen oder die Kosten für ein Call-Center.
In den meisten Fällen wird sich der finanzielle Aufwand für die computergestützte Anrufvermittlung sehr in Grenzen halten und nicht gravierend von den jetzigen finanziellen Belastungen abweichen. Im Übrigen: In Brandenburg praktizieren wir dieses Verfahren ja mit unserer Bereitschaftsdienst-Nummer schon länger.

Herr Dr. Helming, vielen Dank
Gefragt und notiert von Ralf Herre



12.02.10

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Vorsitzender des Vorstandes
Dr. med. Hans-Joachim Helming
Vorsitzender des Vorstandes
Dr. med. Hans-Joachim Helming


 Weitere Informationen 

116117- Einheitliche Bereitschaftsdienstnummer