Bundeseinheitlicher Medikationsplan (BMP) zum 01.10.2016

Ab 1. Oktober 2016 haben Patienten (nach E-Health-Gesetz)  Anspruch auf einen sogenannten bundeseinheitlichen Medikationsplan in Papierform, wenn sie mindestens drei verordnete systemisch wirkende Medikamente gleichzeitig einnehmen beziehungsweise anwenden. Die Anwendung muss dauerhaft – über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen – erfolgen.

 

Erstellung und Aktualisierung

Den Medikationsplan erstellt in der Regel der Hausarzt. Er ist zum Ausstellen und Aktualisieren  verpflichtet. Nur wenn Patienten keinen Hausarzt haben, sind auch behandelnde Fachärzte verpflichtet, einen Medikationsplan auszustellen und zu aktualisieren. Bei der Erstellung hat der Vertragsarzt grundsätzlich die Medikamente einzubeziehen, die er selbst verordnet hat. Andere Arzneimittel führt er auf, sofern er davon ausreichend Kenntnis hat. Dies können auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente sein. Die Verantwortung für die verschriebenen Arzneimittel liegt unverändert beim jeweils verschreibenden Arzt.

 

Aktualisieren können auch Fachärzte und Krankenhäuser

Auch andere Ärzte des Patienten sowie Ärzte in Krankenhäusern können den Plan aktualisieren. Die Verantwortung für die verschriebenen Arzneimittel liegt auch hier beim jeweils verschreibenden Arzt.

 

Aktualisierung durch die Apotheke

Auf Wunsch des Patienten können auch Apotheker den Plan aktualisieren. Dabei können zum Beispiel Änderungen aufgrund von Rabattverträgen oder Arzneimittel der Selbstmedikation eingetragen werden.

 

Praxisverwaltungssoftware:

Für die Erstellung des BMP greifen Sie insbesondere auf die Ihnen aus Ihrer Dokumentation zur Verfügung stehenden Informationen zur Medikation des Patienten zurück. Es erfolgt eine Implementierung des Medikationsplans in die Praxisverwaltungssysteme (PVS) über das bei der KBV etablierte Zertifizierungsverfahren. Sie können somit die in Ihrem PVS gespeicherten Daten zur Medikation in den Plan übernehmen. Falls die Verordnungssoftware noch keine Funktionen zur Erstellung des BMP enthält, können Sie übergangsweise bis zum 31. März 2017 auch noch andere Pläne nutzen. Spätestens ab dem 1. April 2017 muss dann jedoch der BMP verwendet werden.

 

Barcode:

Zusätzlich ist ein optional nutzbarer Barcode auf dem Medikationsplan, der über das PVS erstellt wird, aufgebracht. Er enthält die Informationen des Plans in digitaler Form und ermöglicht, dass dieser unabhängig von der jeweiligen Praxis- oder Apothekensoftware per Scanner eingelesen und aktualisiert werden kann.

 

Vergütung (extrabudgetär) - Neue Gebührenordnungspositionen (GOP) zum 01.10.2016 im EBM

 

Vertragsärzte der hausärztlichen Versorgung

Für die ggf. erforderliche Erstellung eines Medikationsplans und dessen Aktualisierung:

  • GOP 01630 (39 Punkte ca. 4 Euro) - Zuschlag zur Versichertenpauschale 03000 / 04000 für Patienten, die nicht chronisch krank sind.

Der Zuschlag kann je Patient einmal im Krankheitsfall (= einmal in vier Quartalen) abgerechnet werden.

  • GOP 03222/04222 (10 Punkte ca.1 Euro) - Zuschlag zur Chronikerpauschale für Patienten, die aufgrund einer lebensverändernden chronischen Erkrankung hausärztlich/ pädiatrisch behandelt werden unabhängig davon, ob Sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben.

Der Zuschlag wird von der Kassenärztlichen Vereinigung unter Beachtung der Abrechnungsausschlüsse automatisch zugesetzt. Er ist nicht berechnungsfähig, wenn im Krankheitsfall schon die GOP 01630 berechnet wurde.

 

Vertragsärzte der fachärztlichen Versorgung

Für die  ggf. erforderliche Erstellung eines Medikationsplans und dessen Aktualisierung:

  • GOP 01630 (39 Punkte ca. 4 Euro) - Zuschlag
    - zur Zusatzpauschale Onkologie der Fachgruppen Chirurgie, Gynäkologie, HNO, Dermatologie, Internisten mit Schwerpunkt (SP) Gastroenterologie und SP Pneumologie, MKG und Urologie
    -zur GOP 30700 in der Schmerztherapie
    -zur Zusatzpauschale für die Behandlung eines Transplantatträgers (GOP 13437, 13561, 13601 und 13677 EBM)

Der Zuschlag kann je Patient einmal im Krankheitsfall (= einmal in vier Quartalen) abgerechnet werden.

 

  • Zuschlag zur fachärztlichen Grundpauschale - einmal im Behandlungsfall (=einmal im Quartal),  unabhängig davon, ob Sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben. Die Höhe des Zuschlags ist je nach Fachgruppe unterschiedlich hoch: Fachgruppen, die viele Medikamente verordnen und deshalb öfter einen Plan aktualisieren oder ausstellen werden, erhalten einen höheren Zuschlag als Fachgruppen mit wenigen Verordnungen. (Fachgruppen, die keine oder sehr wenige Medikamente verordnen, erhalten aufgrund der anteilsmäßig geringen Verordnungen keinen Zuschlag).

Der Zuschlag wird von der Kassenärztlichen Vereinigung unter Beachtung der Abrechnungsausschlüsse automatisch zugesetzt. Er ist nicht berechnungsfähig, wenn im Krankheitsfall schon die GOP 01630 berechnet wurde.

 

Facharzt   

Grundpauschale

Zuschlag zur Grundpauschale

(einmal im Behandlungsfall)

 

GOP

Bewertung

Anästhesist

05210 bis 05212

05227

3 Punkte

Augenarzt

06210 bis 06212

06227

2 Punkte

Chirurg  

07210 bis 07212

07227

2 Punkte

Gynäkologe

08210 bis 08212

08227

2 Punkte

HNO

09210 bis 09212

09227

2 Punkte

Hautarzt

10210 bis 10212

10227

2 Punkte

Internist ohne Schwerpunkt (SP)     

13210 bis 13212

13227

9 Punkte

Internist mit SP Angiologie

13290 bis 13292

13297

2 Punkte

Internist mit SP Endokrinologie 

13340 bis 13342

13347

3 Punkte

Internist mit SP Gastroenterologie  

13390 bis 13392

13397

2 Punkte

Internist mit SP Hämatologie/Onkologie 

13490 bis 13492

13497

9 Punkte

Internist mit SP Kardiologie

13540 bis 13542

13547

2 Punkte

Internist mit SP Nephrologie 

13590 bis 13592

13597

9 Punkte

Internist mit SP Pneumologie 

13640 bis 13642

13647

6 Punkte

Internist mit SP Rheumatologie

13690 bis 13692

13697

6 Punkte

Kinder- und Jugendpsychiater 

14210 und 14211

14217

2 Punkte

Neurologe, Neurochirurg     

16210 bis 16212

16218

6 Punkte

Orthopäde 

18210 bis 18212

18227

2 Punkte

Phoniater, Pädaudiologen   

20210 bis 20212

20227

2 Punkte

Psychiater 

21210 bis 21212

21227

6 Punkte

Nervenheilkunde, Neurologie und  Psychiatrie  

21213 bis 21215

21228

6 Punkte

Psychosomatiker  

22210 bis 22212

22219

2 Punkte

Urologe    

26210 bis 26212

26227

2 Punkte

Physikalische und rehabilitative Medizin

27210 bis 27212

27227

2 Punkte

Schmerztherapeut

30700

30701

9 Punkte

 

Ergänzung Anhang 1 „Verzeichnis der nicht gesondert berechnungsfähigen Leistungen“ EBM

Die Erstellung, Aktualisierung, Erläuterung und Aushändigung von Medikationsplänen wurde als Bestandteilt der Versicherten- und Grundpauschalen sowie der sonstigen Gebührenordnungspositionen, die den Medikationsplan beinhalten festgelegt.

Damit ist die Erstellung auch bei Patienten und Fachgruppen abgegolten, die keine Einzelleistungen oder Zuschläge auf die Versicherten bzw. Grundpauschale berechnen können.

 

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

FAQ  zum bundeseinheitlichen Medikationsplan ab 01. Oktober 2016

 

Patienteninformation

 

Bei Fragen zum Inhalt des Medikationsplans erreichen Sie die beratenden Apotheker unter:

Telefon: 0331 982298 11

 

Bei Fragen zur Vergütung des Medikationsplans erreichen Sie die Abrechnungsberater unter:

Telefon: 0331 982298 03

Telefax: 0331 2309 543

E-Mail: ebmhotline@kvbb.de

28.09.2016