Ärztliche Tätigkeiten durch Pflegekräfte ausgeschlossen!

Scharfe Kritik von KV Brandenburg und Landesärztekammer am geplanten Modellvorhaben zur „Substitution“ ärztlicher Leistungen

Gemeinsame Pressemitteilung
KV Brandenburg und Landesärztekammer Brandenburg

 

Potsdam, 29. November 2011. Als „unverantwortlich“ und einen „Schritt hin zur Schmalspurmedizin“ kritisieren Landesärztekammer und KV Brandenburg die jüngsten Überlegungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), ärztliche Tätigkeiten im Rahmen von Modellversuchen an Berufsangehörige der Alten- und Krankenpflege zur selbständigen Ausübung von Heilkunde übertragen zu wollen.

 

Es sei in keiner Weise nachvollziehbar und tolerierbar, dass die Ausübung ärztlicher Tätigkeiten, die ein sechsjähriges Medizinstudium sowie eine weiterführende fünfjährige Facharztausbildung voraussetzten, nun durch weitergebildete Pflegekräfte eigenverantwortlich durchgeführt werden sollen. Dann würde es ja ausreichen, in Zukunft nur noch Pfleger und Schwestern aus- und danach weiterzubilden, was die Kosten enorm verringern würde.

 

Aber: „Die medizinische Versorgung kranker Menschen ist keine Spielwiese für Experimente, die allein dem Zweck dienen, Geld einzusparen“, so unisono der Präsident der Landesärztekammer Brandenburg, Dr. Udo Wolter, und der brandenburgische 
KV-Vorsitzende, Dr. Hans-Joachim Helming.

 

Vielmehr gelte es, solche Strukturen zu entwickeln, die den Arzt von vielen unsinnigen bürokratischen und administrativen Tätigkeiten entlasten. Dafür gebe es gerade in Brandenburg mit AGnES und „agnes zwei“, als auch mit neuen regionalen Versorgungsmodellen wie „KV RegioMed“ sehr interessante Lösungsansätze, so 
Dr. Helming. 

 

„Wir benötigen keine neue selbständige Struktur, die wieder jede Menge neuer Schnittstellenprobleme verursacht“, kritisierte Dr. Wolter. Es sei geradezu grotesk, dass alle sich bemühten, die bestehenden Mauern im Gesundheitswesen zwischen ambulant und stationär einzureißen, zugleich aber würden durch solche Konstrukte neue wieder aufgebaut. Wichtiger sei vielmehr, die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegediensten zu verbessern.

 

„Ärztliche Tätigkeiten können und dürfen nur von Ärzten oder im Delegationsverfahren durch speziell dafür ausgebildete Fachkräfte, die direkt beim Arzt angestellt sind, ausgeführt werden“ stellte Dr. Helming unmissverständlich klar. Dazu gehöre die Diagnose ebenso wie die Therapie und die Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln.

 

Ein Vermischen all dieser bislang ärztlichen Tätigkeiten mit anderen Professionen führe zu einem Qualitätsverlust in der medizinischen Versorgung der Patienten. „und das ist ja wohl das Letzte, was wir uns leisten wollen“, so Dr. Helming. „Ganz abgesehen davon, dass sich die Frage stellt, wer dann die Patienten wäscht, füttert und den Schieber wechselt; die akademisierte Frau Bachelor wohl kaum!“

29.11.2011