Potsdam. Als ein Gesetz mit „sehr vielen und wirksamen Lösungsinstrumenten“, die endlich den Akteuren und Verantwortlichen für die Gestaltung der medizinischen Versorgung auch in Brandenburg die lange geforderten Handlungsmöglichkeiten eröffnen“, bezeichnete der Vorsitzende der KV Brandenburg, Dr. med. Hans-Joachim Helming, das heute im Bundesrat diskutierte Versorgungsstrukturgesetz und stellte sich damit ausdrücklich gegen die Pauschalkritik des brandenburgischen Gesundheits-Ministeriums.
Es sei in keiner Weise mehr nachvollziehbar, warum unablässig die gleichen Pauschalbewertungen und „Verrisse“ in der Öffentlichkeit thematisiert werden, statt endlich auf diejenigen zu hören, die in ihrer praktischen Verantwortung für die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung der Menschen die nunmehr im Gesetz bereitgestellten Instrumente mehr als begrüßen!
Natürlich könnten mit einer bloßen Gesetzesregelung nicht automatisch mehr Ärzte gewonnen werden, aber auch nicht, wenn man nur kritisiert, die nunmehr verfügbaren Chancen ignoriert und permanent auf eine „Moderatorenrolle und regelmäßige Spitzengespräche“ in Brandenburg verweist!
„Mehr Ärzte für die medizinische Versorgung der Brandenburger gewinnen wir Praktiker der Versorgung auch durch die Umsetzung von Projekten und Konzepten, die die KV Brandenburg mit interessierten, modern denkenden Krankenkassen, der Ärztekammer, Krankenhausgesellschaft und Kommunalpolitikern gemeinsam in Brandenburg umsetzen“, so der KVBB-Chef.
Dr. Helming: „Wir, die wir in den ländlichen Regionen die Patienten versorgen, wissen, wovon wir reden und welche politischen Rahmenbedingungen gebraucht werden. Die haben wir nun endlich mit dem Gesetz erhalten. Das Ministerium wird von allein diesen praktischen Gegebenheiten profitieren, denn ohne die Instrumente zur Umsetzung von Lösungsansätzen wären Spitzengespräche nette Plauderstunden ohne Nährwert!“
Mit Befremden reagierte Dr. Helming auch auf die Äußerungen des MUGV zur angeblichen Überversorgung mit Ärzten. Mehrfach habe die KVBB auf die Unhaltbarkeit dieser Aussagen hingewiesen. Es ist nicht mehr tolerabel, dass parteipolitisch intendierte, klischeehafte Kritiken abgespult würden, statt die Verantwortung für die Daseinsfürsorge wahrzunehmen und die Akteure zu unterstützen, die mit dem Versorgungsstrukturgesetz verfügbar gemachten Lösungsmöglichkeiten in Brandenburg schnell und flächendeckend anzuwenden!
Ebenso kritisierte er die permanent wiederholte Fixierung allein auf die hausärztliche Versorgung. Klagen über längere Wartezeiten und lange Wege gäbe es bei der fachärztliche Grundversorgung. Die Bevölkerung und die Kommunalpolitiker erwarten, dass es auch in Zukunft noch den Frauen- und Kinderarzt, den Orthopäden und Augenarzt in der Fläche gebe. Deshalb komme es darauf an, mit intelligenten neuen Strukturen genau dafür zu sorgen, so Dr. Helming. „Aber dazu ist es erforderlich, die Realität wahrzunehmen und eben keine parteitaktischen Spielchen zu spielen.“
Scharf kritisierte er das ständige Wehklagen darüber, dass die medizinische Versorgung sich verteuere und die Mehrkosten die Versicherten tragen müssten. Es sei aberwitzig zu glauben, dass moderne Medizin zum Nulltarif zu haben sei. Statt immer wieder dieses Klagelied anzustimmen, hätte die brandenburgische Landesregierung lieber für eine sachgerechte Finanzmittelbereitstellung im Bundesrat stimmen und sich dort nicht der Stimme enthalten sollen. Die Krankenkassen und der Gesundheitsfonds hätten zum Jahresende einen nahezu zweistelligen Milliardenüberschuss in ihren Kassen; für die Brandenburger Bevölkerung werde aber ein erheblich unter dem Bundesdurchschnitt liegendes Finanzmittelkontingent bereitgestellt. Dies sei der eigentliche Skandal! Dazu aber vom Ministerium kein Wort!
21.12.2011