Behandlung von Patienten, die im Ausland krankenversichert sind

Stand 4.2.2021

 

Aktuelles zum Brexit

Mit dem Brexit – also dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zum  1. Januar 2020 –ergeben sich einige neue Regelungen für die vertragsärztliche Behandlung von Personen, die im Vereinigten Königreich versichert sind. Die Verhandlungen zum Austrittsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich dauern derzeit teilweise noch an, somit basieren die nachfolgenden Informationen auf dem heutigen Stand – 4.2.2021. Es wird für Personen, die im Vereinigten Königreich versichert sind,  neue Europäische Krankenversicherungskarte ohne das EU-Logo geben - „Citizens‘ Rights“ (CRA) EHIC.


Diese CRA EHIC enthält oben rechts ein Hologramm und im obersten Kartenfeld einen „CRA“-Aufdruck. Desweiteren ist die Persönliche Identifikationsnummer im Feld 6 um den Zusatz „CRA“ ergänzt.


Studierende erhalten eine befristete CRA EHIC, wobei diese Karte zusätzlich hinter der Persönlichen Identifikationsnummer im Feld 6 das Kürzel „DE“ aufweisen muss und nur dann für die Behandlung in der vertragsärztlichen Praxis eingesetzt werden darf.

1. CRA EHIC                                                                 2. CRA EHIC für Studenten

 

Beide Karten dürfen nur im Zeitraum ihrer Gültigkeit, die auf der jeweiligen Karte angeben ist,  verwendet werden.

Wichtige Hinweise:

Nach dem jetzigen Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ist die Regelung getroffen worden, dass ab dem 01.01.2021 vorläufig alle Europäischen Krankenversicherungskarten (EHIC) und Provisorische Ersatzbescheinigungen (PEB) zu akzeptieren sind. Das gilt bei Vorlage von EHIC`s im alten Design mit EU-Logo, EHIC`s ohne EU-Logo sowie die neuen „Citizens Rights“ EHIC bzw. EHIC`s für Studierende.


Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Weiterhin gilt:
Bei planbaren Behandlungen und Operationen muss die zu behandelnde Person im Vorfeld eine Genehmigung des zuständigen Trägers im Vereinigten Königreich einholen. Die Genehmigung muss zusammen mit einem „Nationalen Anspruchsnachweis“ beziehungsweise mit einer Kostenübernahmeerklärung der gewählten deutschen Krankenkasse vor der Behandlung in der Praxis nachgewiesen werden.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website des BMG.

 

Grundsätzliche Regelungen:

Für Patienten, die im Ausland krankenversichert sind und während ihres Aufenthaltes in Deutschland erkranken, gelten je nach Aufenthaltszweck und Herkunftsland unterschiedliche Abrechnungsmodalitäten.

 

1. Behandlung und Abrechnung von Patienten aus den Staaten des europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und der Schweiz

Für Patienten aus dem Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz (EWR/EU) gilt ein Anspruch auf alle Leistungen, die sich als medizinisch notwendig erweisen im Falle einer Erkrankung während ihres Aufenthaltes in Deutschland. Dabei kann die unmittelbar erforderliche Versorgung sowohl einen akuten Infekt,  die fortlaufende Versorgung einer chronischen Erkrankung wie auch anstehende Früherkennungsuntersuchungen, die nicht aufgeschoben werden können, umfassen.

 

Länder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR/EU)

 

Schweiz, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn und Zypern

 

Als Anspruchsnachweis muss der Patient eine europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) oder eine provisorische Ersatzbescheinigung (PEP) vorlegen. Der Patient muss außerdem ein Identitätsnachweis (Ausweis oder Reisepass) vorlegen und für die Abwicklung der Abrechnung eine deutsche Krankenkasse auswählen und benennen.

 

Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) – Muster ohne Daten


 

Provisorische Ersatzbescheinigung (PEP) – Auszug des Formulars

Zum Vollbild

 

Der Patient füllt das Muster „Patientenerklärung Europäischen Krankenversicherung“ aus, die in 13 Sprachen in den Arztsoftwaren  hinterlegt ist. Der Versicherungsnachweis sowie der Identitätsnachweis werden in zweifacher Ausführung kopiert (beidseits).


Die Kosten für die Behandlung werden nach den entsprechenden Gebührenordnungspositionen (GOP) des Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) berechnet. In der Praxissoftware, wird nach den Regelungen des Ersatzverfahrens, ein Abrechnungsschein mit den Daten des Patienten angelegt.

 

Patientenerklärung Europäische Krankenversicherung – Auszug des Musters

 

 

Checkliste zum Ablauf  

1.

Vorlage einer gültigen Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) oder einer Ersatzbescheinigung (PEP) und dem Identitätsnachweis durch den Patienten

2.

Kopie von EHIC oder PEP sowie des Identitätsnachweises in zweifacher Ausführung

3.

Patient füllt das Formular „Patientenerklärung Europäische Krankenversicherung“ in der jeweiligen Sprache aus, wählt eine deutsche Krankenkasse und unterschreibt (Kopie für Verbleib in der Praxis)

4.

Kopien von EHIC bzw. PEP, das Original der unterzeichneten Patientenerklärung sowie eine Kopie des Identifikationsnachweises werden zeitnah an die von dem Patienten gewählte Krankenkasse geschickt – für das Versenden der Kopien kann die Kostenpauschale 40110 abgerechnet werden

5.

Anlegen eines Abrechnungsscheins nach den Regelungen des Ersatzverfahren, Angabe der persönlichen Daten des Patienten, Kostenträger ist die gewählte deutsche Krankenkasse, Angabe der Besonderen Personengruppe 7, Versichertenart 1

7.

Verordnungen von Heil- und Hilfsmittel erfolgen auf den in der GKV üblichen Formularen, auch hier Angabe der Besonderen Personengruppe 7 und der Versichertenart notwendig

8.

VO von Krankenhausbehandlung, Überweisungen zu anderen Ärzten und die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung können wie üblich erfolgen ebenfalls unter Angabe der Besonderen Personengruppe 7 und der Versichertenart 1, auf der Überweisung erfolgt außerdem die Angabe der Aufenthaltsdauer

 

Krankenversicherte Patienten aus einem anderen EWR-/EU-Staat oder der Schweiz, die explizit nach Deutschland reisen um geplante Gesundheitsleitungen o. Ä.  in Anspruch zu nehmen, benötigen vorab die Genehmigung ihrer Krankenkasse im Heimatland.

 

Diese Patienten erhalten  ein Formular (Vordruck E 112 oder S2) welches sie vor Beginn der Behandlung bei der von ihnen gewählten deutschen Krankenkasse gegen einen Nationalen Anspruchsnachweis  eintauschen – Einschränkungen des Behandlungsumfangs durch die Heimatkrankenkasse bleiben davon unberührt.

 

 

Muster Vordruck E 112 - Auszug

 

2. Behandlung und Abrechnung  von Patienten aus Staaten mit bilateralem Abkommen über soziale Sicherung

Patienten, aus den nachfolgend genannten Ländern, die während eines Aufenthaltes in Deutschland erkranken, haben ebenfalls Anspruch auf ärztliche Behandlung und Leistungen der Mutterschaftsvorsorgen.

 

Länder die dem bilateralen Abkommen über Soziale Sicherheit angehören

 

Bosnien, Herzegowina, Israel, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Türkei und Tunesien.

 

Patienten aus Staaten mit bilateralem Abkommen müssen sich, vor Inanspruchnahme eines Arztes,  mit dem Anspruchsnachweis ihrer heimischen Krankenkasse grundsätzlich erst an eine von ihnen gewählte deutsche Krankenkasse wenden. Die gewählte deutsche Krankenkasse stellt einen entsprechenden Nationalen Anspruchsnachweis aus, auf dem ggf. Einschränkungen des Leistungsspektrums vermerkt sind.

 

Muster Nationaler Anspruchsnachweis

 

 

Generell ist der Leistungsumfang, im Vergleich zu den Patienten aus EU-/EWR-Staaten und der Schweiz, deutlich eingeschränkter und beschränkt sich auf unaufschiebbare Behandlungen.

 

Checkliste zum Ablauf

1.

Vorlage eines Nationalen Anspruchsnachweises/Abrechnungsscheins einer deutschen Krankenkasse durch den Patienten

3.

Prüfung der Dringlichkeit der Behandlung, Beachtung der Behandlungseinschränkungen

3.

Anlage eines Abrechnungsscheins in der Praxissoftware mit den Daten des vorgelegten Nationalen Anspruchsnachweises/ Abrechnungsscheins der gewählten deutschen Krankenkasse, Angabe der Besonderen Personengruppe 7, Versichertenart 1

4.

VO von Krankenhausbehandlung, Überweisungen zu anderen Ärzten und die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung können wie üblich erfolgen ebenfalls unter Angabe der Besonderen Personengruppe 7 und der Versichertenart 1, bei dem Ausstellen von Überweisungen erfolgt außerdem die Angabe der Notwendigkeit der anderweitigen ärztlichen Behandlung auf einem Rezept (Muster 16), welches vorab der gewählten deutschen Krankenkasse vorgelegt werden muss

 

Hinweis:

Bei dem Ausstellen von Überweisungen muss außerdem die Angabe der Notwendigkeit der anderweitigen ärztlichen Behandlung auf einem Rezept (Muster 16) erfolgen, welches vor Inanspruchnahme der Überweisung der gewählten deutschen Krankenkasse vorgelegt werden muss.

 

 

3. Behandlung und Abrechnung von Patienten aus dem Ausland die kein Anspruchsnachweis vorlegen können

Bei Patienten, die keinen oder nicht den richtigen Anspruchsnachweis vorlegen können, sind Sie berechtigt und verpflichtet, nach GOÄ abzurechnen.

 

Checkliste zum Ablauf

1.

Keine Vorlage eines gültigen Anspruchsnachweises auf Versicherungsschutz

2.

Information des Patienten, dass das Arzthonorar vorerst auf Basis der GOÄ erhoben wird und von dem Patienten privat zu bezahlen ist;   kann er innerhalb von 10 Tagen einen Anspruchsnachweis nachreichen, wird ihm das bereits bezahlte Honorar rückerstattet

 

Hinweis zur Abrechnung von im Ausland versicherten Patienten im fahrenden Bereitschaftsdienst:

Im fahrenden Bereitschaftsdienst dürfen Ärzte  - sollte Ihnen keine geeignete Erfassungsmöglichkeit oder die Gelegenheit eine Kopie zu erstellen zur Verfügung stehen - die Daten der EHIC oder der Ersatzbescheinigung händisch erfassen. Zur händischen Erfassung der Daten können Ärzte im fahrenden Bereitschaftsdienst eine Vorlage verwenden.

 

Dokumentation des Behandlungsanspruchs von im Ausland Versicherten

Die Vorlage können Sie hier herunterladen.