Aktuell im Gespräch mit Dr. Peter Noack

"Wir mussten die Vorgaben der Bundesebene umsetzen und sind nicht glücklich!"

Die Zuweisungsbescheid über RLV-Fallwerte und RLV-Fallzahlen sowie die sogenannten QZV sind versandt, eine sehr informative Broschüre über die neuen Regelungen zur Honorarreform ab 1. Juli dieses Jahres ebenso, jetzt können Sie tief durchatmen …

Aber nur ein Mal, da wir es technisch geschafft haben, die Zuweisungsbescheide fristgerecht an die Kollegen zu senden. Ein enger Zeitplan mit fast täglichen Umsetzungsterminen, konstruktive Verhandlungen mit den Kassen und ein bis an die Grenze der Belastbarkeit funktionierendes Verwaltungsteam der KV waren dafür die Garanten. Das Thema „QZV“ wird die Kollegen aber weiter beschäftigen, trotz Abstimmung mit den Berufsverbänden und Broschüre wird es noch viele Fragen geben.

Von Anfang an war es Ziel der Honorarreform, die Fallwerte in den RLV zu stärken. Ist dieses Ziel aus brandenburgischer Sicht erreicht?

Im Prinzip ist dies durch weitere Mengenbegrenzungen innerhalb der Gesamtvergütung möglich gewesen. Da ab dem 3. Quartal alle freie Leistungen entweder „eingetopft“, über QZV mengenbegrenzt oder teilweise in die RLV integriert wurden, wirken diese Effekte stabilisierend auf die Regelleistungsvolumen.

Ehe wir bitte näher auf die QZV eingehen, noch einmal zu den RLV-Fallwerten. Im Vergleich zum Quartal III/2009 sind sie jedoch kaum gestiegen, und das, obwohl doch angeblich knapp zwei Prozent mehr Geld zur Verfügung stehen.

Diese konkret 1,66 Prozent mehr Gesamtvergütung werden durch sinkende Versichertenzahlen, einen veränderten Fremdkassenzahlungsausgleich und Fallzahlsteigerungen von etwa zwei Prozent praktisch „ aufgezehrt“. Trotzdem bleiben die hausärztlichen Fallwerte stabil. Allerdings sinken die fachärztlichen Fallwerte leicht ab. Die Trennung der Gesamtvergütung nach Vorgabe des Bewertungsausschusses hat wieder einmal allein positive Auswirkungen auf den Hausarzttopf.

Das heißt, eigentlich steht nicht mehr Geld innerhalb der Gesamtvergütung zur Verteilung bereit.

Das ist leider so. Es muss jedoch neu – so wie es auf Bundesebene im Erweiterten Bewertungsausschuss beschlossen wurde - verteilt werden. Dabei hatten wir als Landes-KV leider nur einen engen Gestaltungsspielraum. Aus unserer Sicht wären nämlich diese Regelungen nicht notwendig gewesen. Immerhin führen sie zu neuen Umverteilungen. Eine längerfristige Honorarverteilungssystematik, wie unser damaliger HVM, wären für die Kollegen besser gewesen.

Viele Diskussionen gab es zu den QZV und Sie haben schon angedeutet, Sie rechnen nicht damit, dass sie auch schnell verstummen. Woran liegt das?

Zwei Beispiele: QZV Sonographie in der Orthopädie pro Fall 0,18 Cent, oder Fallwertzuschlag Teilradiologie in der Chirurgie im II. Quartal 6,10 €. Jetzt 3,61 € pro Fall! Das versteht trotz Broschüre und vielen Informationen kein Kollege mehr!

Die detaillierten Informationen sind zum Zeitpunkt unseres Gesprächs etwa eine Woche in den Praxen. Noch hält sich die Anzahl der Anrufer in relativen Grenzen …

Da bin ich allerdings auch überrascht. Ich glaube aber, dass die Fragen noch zunehmen werden. Deshalb auch unsere Broschüre und vor allem unsere Hotline.

Bei Neuerungen in der Honorarverteilung haben wir in Brandenburg immer sehr genau analysiert, welche Auswirkungen das auf einzelne Arztgruppen oder innerhalb einzelner Arztgruppen hat. Was erwarten Sie?

Nach unserer, zugegeben, diesmal sehr statischen Modellrechnung, wird es kaum Umverteilungen zwischen den Arztgruppen geben. Die Umverteilung wird jedoch auf Praxisebene etwa zehn Prozent der Ärzte mit einer Honorarminderung größer als zehn Prozent betreffen. Alle anderen bleiben weitestgehend stabil. Wobei ich den Ärger meiner Kollegen teile, wenn bei gleicher Arbeit und gleichem Praxismanagement am Ende dann trotzdem beispielsweise fünf Prozent weniger Honorar stehen, nur weil eine Systematik sich ändert, die wir in Brandenburg noch nicht einmal gewollt haben.

Kaum ist die neue Honorarreform in Kraft, munkelt man bereits über Veränderungen, die auf Bundesebene vorbereitet werden. Ziehen da dunkle Wolken auf? Es würde keiner verstehen, wenn nach noch nicht einmal einem Quartal schon wieder umgeschichtet werden sollte.

Vielleicht sogar rückwirkend zum 1.7.10, da bei der Berechnungsvorschrift des Trennungsfaktors in den Vorgaben des Bewertungsausschusses wohl ein Fehler steckt. Dessen Korrektur wirkt sich in einer sogenannten Zahler-KV – diese Formulierung bezieht sich auf den Fremdkassenzahlungsausgleich - wie die KV Brandenburg positiv für die Hausärzte aus, während in Berlin – eine Empfänger-KV - die Hausärzte weinen und die Fachärzte lachen. Wenn wir diese Korrektur in Brandenburg umsetzen müssen, werden die Fallwerte im fachärztlichen Bereich vermutlich um weitere zwei Prozent sinken. Das allerdings ist dann aus meiner Sicht nicht einmal mehr zum Weinen ...

Dr. Noack, vielen Dank für das Gespräch
Gefragt und notiert von Ralf Herre

08.07.2010