"Anreize setzen - das gilt für Niederlassung und Nachbesetzung von Praxen!"

Richtige Wahl des Praxisortes und der Praxisform entscheidend

Viele an einer Niederlassung in Brandenburg interessierte, aber auch in Brandenburg niedergelassene Ärzte, die aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen ihre Praxis abgeben wollen, haben sich in den vergangenen Jahren dazu intensiv in der KV Brandenburg beraten lassen. Ansprechpartner dafür sind in der KV Brandenburg Frau Karin Rettkowski, Niederlassungsberaterin, und Frau Jeannette Klasse, Betriebswirtschaftliche Beraterin.

Freie Arztsitze und viele ältere Ärzte, die einen Nachfolger suchen - in Brandenburg könnten gewissermaßen auf einen Schlag weit über 200 Ärzte und Psychotherapeuten im ambulanten Bereich tätig werden ...

Karin Rettkowski: Theoretisch ja. Besonderen Schwerpunkt hierbei möchte ich aber ganz bewusst auf die vielen Ärzte legen, die einen Nachfolger suchen, insbesondere im hausärztlichen Bereich. Die Zahl der Interessenten reicht bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Man kann durchaus davon ausgehen, dass auf drei bis vier hausärztliche Praxisabgebende nur ein potentieller Bewerber kommt. Wesentlich ungünstiger gestaltet sich diese Verhältnis noch in den ländlichen Regionen.

Was empfehlen Sie abgabewilligen Ärzten bzw. wie können Sie Unterstützung geben?

Karin Rettkowski: Voraussetzung für eine Unterstützung ist, dass wir so früh wie möglich von der Abgabeabsicht und dem Abgabezeitpunkt in Kenntnis gesetzt werden.

Das scheint nicht immer der Fall zu sein ...

Karin Rettkowski: Es ist ja auch kein Muss. Aber es ist für den Arzt eine zusätzliche Chance. Denn je eher wir davon Kenntnis haben, um so eher und damit besser können wir das Interesse möglicher Nachfolger auf diese Praxen lenken.

Wie wäre denn der Idealfall?

Karin Rettkowski: Ideal wäre, wenn der Arzt seine Absichten so konkret wie möglich formuliert. Dazu gehört insbesondere, dass er die Praxisübergabe zielgerichtet plant und alle damit verbundenen Aspekte wie Praxiswert, Praxisübernahmevertrag usw. vorbereitet. Nur so ist es möglich, Interessenten zielgerichtet zu vermitteln.

Jeannette Klasse: Dazu gehört auch ein offener Umgang mit den betriebswirtschaftlichen Daten der Praxis. Jeder Arzt, der einen Nachfolger sucht, muss beachten, dass er sich aufgrund der Marktbedingungen im Wettbewerb mit anderen Ärzten um den raren Nachwuchs befindet. Und dabei ist immer jener im Vorteil, der ein konkretes Angebot unterbreiten kann, untersetzt mit aussagekräftigem Zahlenmaterial und klaren Zeitschienen.

Was heißt das?

Jeannette Klasse: Der potentielle Interessent muss in die Lage versetzt werden, auf Basis der zur Verfügung gestellten Informationen eine persönliche Investitions-, Finanz- und Liquiditätsplanung tätigen zu können.
Lückenhafte bzw. verzögerte Bereitstellung dieser Daten seitens des Abgebers führt erfahrungsgemäß dazu, dass der Interessent nicht hinreichend beurteilen kann, ob sich für iIhn mit dieser Praxis-übernahme eine entsprechende berufliche Perspektive und stabile Existenzgrundlage bietet. Unter diesen Umständen wird es schwierig sein, den Interessenten für sich zu gewinnen.

Ein sensibles Thema bei der Praxisübergabe ist der Praxiswert.

Jeannette Klasse: Leider gibt es aufgrund der aufgezeigten Rahmenbedingungen oftmals eine Diskrepanz zwischen dem theoretisch ermittelbaren Praxiswert und dem am Markt derzeit erzielbaren Preis. Das Problem der Praxisbewertung liegt im wesentlichen darin begründet, dass es eine Vielzahl von betriebswirtschaftlichen Methoden gibt, eine Arztpraxis zu bewerten. Dies führt dazu, dass je nach Wahl der Methode sehr unterschiedliche (theoretische) Werte für eine Praxis ausgewiesen werden können.

Was sind sie dann wert?

Jeannette Klasse: Das muss die Praxis zeigen. Letztlich gilt es, einen Verkaufspreis zu definieren, der eine erfolgreiche Praxisabgabe verspricht. Im Rahmen einer Praxisabgabeberatung biete ich interessierten Ärzten auch zum Thema Praxiswert gern Unterstützung an, den "Methodendschungel" zu durchdringen. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um die Erstellung eines Wertgutachtens, sondern um eine Orientierungshilfe zur Praxiswerteinschätzung.

Nun ist es sicher nicht möglich, dass jeder abgabewillige Arzt bei Ihnen persönlich Rat sucht. Was können Sie empfehlen?

Jeannette Klasse: Die KV Brandenburg bietet in jedem Jahr in den Bereichen Frankfurt, Potsdam und Cottbus je zwei Praxisabgabeseminare an. Hier können sich alle Interessierten zu den Themen-schwerpunkten Praxiswertermittlung, inhaltliche Gestaltung des Praxisübernahmevertrag und formale Aspekte der Praxisabgabe informieren.
Darauf aufbauend ist es dann möglich, bei Bedarf individuell zu beraten.

Karin Rettkowski: Darüber hinaus sollte jeder Arzt, der einen Nachfolger sucht, parallel zu unseren Beratungsangeboten und Vermittlungsbemühungen auch selbst aktiv werden. Er sollte Kollegen im Krankenhaus ansprechen, mit seiner Hausbank reden, sich beispielsweise auch um einen Weiterbildungsassistenten bemühen, der als möglicher Nachfolger auf diese Weise schon konkret einzuarbeiten ist.

Mit Blick auf die Honorarsituation hat Brandenburg leider eher schlechte Karten. Wie können Anreize gesetzt werden, um Ärzte für den ambulanten Bereich zu gewinnen?

Karin Rettkowski: Die KV Brandenburg hat mit den in ihrem Sicherstellungsstatut enthaltenen Optionen eine gute Grundlage, solche Anreize für interessierte Ärzte zu setzen. Natürlich sind in dem Zusammenhang auch die Kassen gefordert, den Sicherstellungstopf mit außerbudgetären Mitteln mit zu füllen. Darüber hinaus ist es der KV gelungen, insbesondere kommunalpolitisch Verantwortung Tragende, wie Bürgermeister oder Landräte, als Unterstützende zu gewinnen, die dann vor Ort aktiv werden.

Inwiefern?

Karin Rettkowski: Diese bieten konkrete Unterstützung an; bei der Suche nach geeigneten kostenkünstigen Praxis- und Wohnräumen, beim Um- und Ausbau dieser oder bei der Vermittlung von Kindergartenplätzen, Schulen etc.

Gibt es dafür konkrete Beispiele?

Karin Rettkowski: Natürlich, die Städte Elsterwerda, Luckenwalde oder Guben sind hier zu nennen. Ebenso aber auch kleinere Gemeinden, beispielsweise Welsebruch oder Gartz in der Uckermark. Dieses An-einem-Strang-Ziehen von KV, kommunalen Verantwortungsträgern und möglichst auch den Kassen ist für die Zukunft besonders wichtig.

18.06.2004