Ausweitung und Etablierung der Videosprechstunde

Nach der Einigung des Bewertungsausschusses wird die Videosprechstunde rückwirkend zum 1. Oktober 2019 in verschiedenen Bereichen des EBM ausgeweitet und etabliert.

 

Eine entsprechende Abrechnung ist unter Beachtung der berufsrechtlichen Regelungen möglich. Die ausschließliche Fernbehandlung ist in Brandenburg berufsrechtlich nicht erlaubt. Nähere Auskünfte erteilt die Landesärztekammer Brandenburg.

 

Integration in die Vergütungssysteme der Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschalen

Der EBM sieht nun vor, dass die fachgruppenspezifischen Versichertenund Grundpauschalen und die Konsiliarpauschale (GOP 25214 der Strahlentherapie) auch beim ersten Arzt- Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde berechnet werden kann. Jedoch wird die GOP 01439, die ausschließlich einen Arzt-Patienten- Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde vorsieht, aus dem Abschnitt 1.4 des EBM gestrichen.

 

Findet für die Abrechnung einer Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschale ausschließlich der Arzt- Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde statt, so muss diese mit der Symbolnummer 88220 gekennzeichnet werden. Diese Behandlungsfälle dürfen jedoch nur 20 Prozent aller Behandlungsfälle des Vertragsarztes umfassen.

 

Bei Behandlungsfällen, in denen es nur zu einem Kontakt im Rahmen der Videosprechstunde kommt, wird durch die KVBB ein prozentualer Abschlag auf die Versicherten-, Grundoder Konsiliarpauschale, den berechnungsfähigen Zuschlägen und Zusatzpauschalen vorgenommen. Wenn im selben Behandlungsfall jedoch ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt stattfindet, entfällt dieser Abschlag. Die Höhe der Abschläge wird fachgruppenspezifisch unterschieden:

 

 

Abschlag von 20 Prozent:

Abschlag von 25 Prozent:

Abschlag von 30 Prozent:

 
  • Hausärzte
  • Kinder- und Jugendmedizin
  • Neurologie/Neurochirurgie
  • Innere Medizin
  • Kinder- und Jugend-
    -psychiatrie/ -psychotherapie
  • Psychosomatik/ Psychotherapie/
    Psychiatrie
  • Schmerztherapie
  • Strahlentherapie
    (nur GOP 25214)
  • Ermächtigte Ärzte
 
 
  • Gynäkologie
  • Chirurgie
  • Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
  • Humangenetik
  • Dermatologie
  • Orthopädie
  • Urologie
  • Physikalische und
    Rehabilitative Medizin
 
 
  • Anästhesie
  • Augenheilkunde
  • Hals-Nasen-Ohrenheil-kunde/Phoniatrie
 

 

 

Die strahlentherapeutischen Konsiliarpauschalen (GOP 25210 und 25211)  bleiben weiterhin nur mit einem persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt berechnungsfähig, da zur Erfüllung des obligaten Leistungsinhalts die Überprüfung der vorliegenden Indikation erforderlich ist. Die Konsiliarpauschalen für die Fachgruppen Labor, Nuklearmedizin, Pathologie und Radiologie benötigen ebenfalls weiterhin einen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt.

 

Mit der Anpassung der Vergütungssystematik können Videosprechstunden nun auch von der Fachgruppe Humangenetik sowie von ermächtigten Ärzten durchgeführt werden.

 

Chronikerpauschalen: Regelungen zur Berechnungsfähigkeit angepasst
Hausärzte bzw. Kinder- und Jugendärzte können nun einen der zwei persönlichen Arzt-Patienten-Kontakte im Zeitraum der letzten vier Quartale als Abrechnungsvoraussetzung im Rahmen der Videosprechstunde durchführen. In dem Quartal, in dem die Chronikerpauschale (GOP 03220/04220) berechnet wird, muss jedoch weiterhin ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt stattgefunden haben. Für die Abrechnung der zweiten Chronikerpauschale (GOP 03221/04221) müssen weiterhin zwei persönliche Arzt-Patienten-Kontakte stattgefunden haben.

 

Videosprechstunde in der Psychotherapie und bei weiteren Gesprächsleistungen
Die Abrechnung bestimmter Gebührenordnungspositionen des Kapitels 35 und des Abschnitts 30.11 EBM, die nach dem psychotherapeutischen Berufsrecht und der Psychotherapie- Vereinbarung nicht nur im persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt durchgeführt werden können, wird im Rahmen einer Videosprechstunde ermöglicht. Vorrausetzung hierfür ist ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt für die Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Abklärung.

 

Für Gesprächsleistungen nach den GOP 03230, 04230, 04355, 04430, 14220, 14222, 16220, 21216, 21220, 22220, 22221 und 23220 ist die Videosprechstunde ebenso zugelassen.

 

Die Durchführung der genannten psychotherapeutischen GOP und weiteren Gesprächsleistungen unterliegt allerdings einer Obergrenze. Sie beträgt 20 Prozent der berechneten GOP je Vertragsarzt und Quartal.

 

Neue Möglichkeiten einer Videofallkonferenz
Für eine Videofallkonferenz zwischen der Pflegekraft eines chronisch pflegebedürftigen Patienten und den für ihn koordinierenden Arzt wurde die GOP 01442 mit 64 Punkten in den EBM aufgenommen.

 

Fallkonferenzen und Fallbesprechungen zu den GOP 30210 (Hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom), 30706 (Schmerztherapie), 30948 (MRSA-Fall- und/oder regionale Netzwerkkonferenz) und 37400 (Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase) sind nun auch als Videokonferenz durchführbar.

 

Den Technikzuschlag nach GOP 01450 berechnet der Arzt, der die Videokonferenz initiiert. Dabei besteht ein Höchstwert von 40 Punkten je Arzt und Fallkonferenz.

 

Authentifizierung

Die neue GOP 01444 (10 Punkte, 1,08 Euro) als Zuschlag zu den Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschalen berücksichtigt den zusätzlichen Aufwand, den das Praxispersonal hat, um unbekannte Patienten im Rahmen der Videosprechstunde zu authentifizieren – da in diesem Fall die erforderlichen Stammdaten nicht über die elektronische Gesundheitskarte automatisiert erfasst werden können.

 

Die Details werden in einer neuen Anlage 4b zum Bundesmantelvertrag ausgestaltet, die zeitgleich zum 1. Oktober 2019 in Kraft tritt.

 

Als unbekannter Patient zählt ein Patient, der nicht im laufenden Quartal oder im Vorquartal in der Praxis behandelt wurde.

 

 

 

24.10.2019