Dank ambulantem Engagement gut durch die Krise

Corona-Bilanz in der KVBB-Vertreterversammlung gezogen / Diskussion über Tests und App

Ohne die ambulant tätigen Ärzte wäre Brandenburg bisher nicht so vergleichsweise gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Davon zeigte sich der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Dr. Peter Noack, auf der jüngsten Vertreterversammlung am 19. Juni in Potsdam überzeugt. Und sparte nicht mit Dank an die Kollegen. Gleichzeitig machte er seinem Ärger über die fehlende Wertschätzung seitens der Politik Luft.

 

Die Entwicklung der vergangenen Pandemie-Wochen hätte gezeigt, was die ambulant tätigen Ärzte schaffen können, sagte Dr. Noack. Auf dem Höhepunkt der Infektionswelle gab es in Brandenburg ein landesweites Netz von 51 Corona-Abklärungsstellen – zwei Drittel davon in ambulanter Hand. Sechs von sieben COVID-19-Patienten wurden ambulant behandelt und mussten nicht ins Krankenhaus. „Damit waren unsere Praxen – und hier vor allem unsere hausärztlichen Kollegen – der Schutzwall vor den Kliniktoren.“ Ihnen gebühre besonderer Dank.

 

„Das haben wir geschafft im Vertrauen auf die Initiative unserer Kollegen vor Ort und die eigene Gestaltungskraft“, betonte der KVBB-Chef. Ohne ministerielle Aufrufe oder zusätzliches Geld, so sein Seitenhieb auf die finanzielle Unterstützung von über 165 Mio. Euro für die Brandenburger Krankenhäuser.

 

Anerkennung für das Geleistete habe es nur sehr wenig gegeben. Die Gesundheitsministerin habe sich erst spät zu einem Dankesschreiben durchgerungen. Und auch im geplanten Konjunkturpaket der Bundesregierung sei zwar Platz für den Öffentlichen Gesundheitsdienst und die Krankenhäuser, nicht jedoch für die ambulante Versorgung. „Ich habe das kritisiert und zumindest hätte ich mir für unsere aktiven Kollegen mehr Anerkennung gewünscht“, resümierte Dr. Noack.

 

Corona-Versorgungskonzept wird überarbeitet
Kritik, insbesondere vom Hausärzteverband Brandenburg, hatte der Vorstand für das von ihm entwickelte Konzept zur Patientenversorgung während der Corona-Krise einstecken müssen. Dr. Noack verteidigte das Papier vor der Vertreterversammlung als notwendig. Viele Kollegen erwarteten eine „Richtschnur“ der KV in Krisen-Zeiten. Zudem sei das Konzept keine starre, unumstößliche Vorgabe, sondern lasse Raum für regionale Anpassungen und Lösungen. An die Adresse der Politik sollte es ein „Wirkönnen-Krise-Statement“ sein, um etwaigen Bestrebungen nach staatlichen Eingriffen wie in Bayern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

 

Das Versorgungskonzept möge für den Vorstand notwendig und sinnvoll gewesen sein, entgegnete Dr. Johannes Becker. Die Kollegen an der Basis schränke es hingegen ein, und sie fühlten sich davon bevormundet. Regionale Gegebenheiten würden eben nicht ausreichend berücksichtigt. Gemeinsam mit Hausärzteverbandschefin Dr. Karin Harre hatte der Hausarzt aus Ruhland deshalb einen Antrag eingebracht, der die Weiterentwicklung des Konzepts durch eine ärztliche Arbeitsgruppe vorsieht.

 

Das Papier könne in den Sommermonaten überarbeitet und die Ergebnisse in der Klausurtagung der Vertreterversammlung am 28. und 29. August vorgestellt werden, erläuterte Dr. Harre. Auch für die Diskussion mit den Kollegen vor Ort bleibe dann noch Zeit, um rechtzeitig für eine mögliche zweite Infektionswelle im Herbst gewappnet zu sein. Ziel müsse es sein, ergänzte Dipl.-Med Astrid Tributh, das Konzept auf den gemeinsamen Nenner zu bringen, dass es für die Kollegen vor Ort akzeptabel und anwendbar ist.

 

Die Mitglieder der Vertreterversammlung folgten dieser Argumentation und stimmten dem Antrag mehrheitlich zu.

 

Neue Teststrategie und Corona-App

Intensiv diskutiert wurden zudem die Ausweitung der Corona-Tests auf Menschen ohne Symptome sowie die Corona-Warn-App. Vor allem die Hausärzte in der Vertreterversammlung warnten vor einem möglichen leichtfertigen Umgang mit diesen neuen Möglichkeiten und einem Ansturm auf die Praxen.

 

Dr. Stephanie Lenke, Hausärztin in Senftenberg, betonte, dass Menschen trotz roter Corona-App nicht einfach in die Praxen kommen könnten. Selbst wer keine Symptome habe, müsse sich vorher telefonisch melden. Mit Blick auf steigende Test-Nachfragen in den Praxen regte Dr. Hanjo Pohle an, die Abstriche wieder in zentralen Abklärungsstellen vorzunehmen. Dies sei epidemiologisch sinnvoller und halte die Corona-Gefahr aus den Praxen heraus, so der Hausarzt aus Rathenow.

 

Auch das Land Brandenburg möchte mehr Tests für Kitas und Schulen ermöglichen. Lehrer und Erzieher können sich freiwillig, zunächst insgesamt sechsmal, alle zwei Wochen testen lassen. Und auch ein Prozent aller Schüler und Kita-Kinder soll in Stichproben untersucht werden. Dafür stellt das Land 14 Mio. Euro bereit.

 

Dr. Noack informierte, dass die KVBB dem Gesundheitsministerium einen Vorschlag gemacht habe, zu welchen Bedingungen die ambulant tätigen Ärzte in die Test-Strategie des Landes eingebunden werden können. „Wir wollen, dass die Abstriche und Tests auch durch niedergelassene Kollegen erfolgen können.“ Die KVBB fordert vom Ministerium für die Entnahme eines Abstrichs 25 Euro sowie 59 Euro für den PCR-Test in den Laboren.

 

 

 

17.07.2020