„Der Arzt muss sich treu bleiben“

Karin Rettkowski ist seit 30 Jahren bei der KVBB, 20 davon als Niederlassungsberaterin.Ende Januar 2021 geht sie in den (Un-)Ruhestand.Im Interview mit „KV-Intern“ blickt sie zurück und nach vorn.

Karin Rettkowski, Niederlassungsberaterin der KVBB Verlassen Sie die KVBB mit einem lachenden oder weinenden Auge?
Mit beidem. Nach 30 Jahren KV freue ich mich natürlich darauf, die nächsten 30 Jahre zu planen. Es gibt so viele Dinge, die im Arbeitsalltag auf der Strecke geblieben sind oder vernachlässigt wurden – Familie, der Garten, Hobbys – die dann endlich wieder die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Ich habe viele Ideen und bin gespannt auf neue Erlebnisse. Aber ich werde meine Arbeit vermissen, den Kontakt mit den Ärzten und Psychotherapeuten, den Austausch mit den Kollegen.

 

Sie haben Gesundheitsminister kommen und gehen sehen. Mit ihnen kamen und blieben zahlreiche Änderungen in Zulassungsrecht und Bedarfsplanung. Wie hat das Ihre Arbeit beeinflusst?
Ich musste ständig am Ball bleiben. Waren die Niederlassungsmöglichkeiten anfangs nur auf die volle Zulassung beschränkt, eröffneten sich später den Ärzten mit halben Sitzen, Anstellungen oder Kooperationsformen wie Berufsausübungsgemeinschaften völlig neue Facetten. Darauf musste ich mich in meinen Beratungen immer wieder aufs Neue einstellen, wenn es galt die beste Lösung für die individuelle Situation zu finden.

 

Ob Klinik, Praxis oder Öffentlicher Gesundheitsdienst – der Ärztenachwuchs ist heiß umworben. Wie schwierig ist es, für die Niederlassung in Brandenburg zu überzeugen?
Mir war es immer ganz wichtig, dass ein Mensch sich treu bleibt. Kein Arzt soll sich für eine Niederlassung verbiegen. Ich habe immer die Vorteile der Niederlassung nach vorne gestellt, aber natürlich auch auf die Verpflichtungen etwa als Unternehmer hingewiesen. Der Schritt in die Niederlassung ist eine große Sache und natürlich auch mit Angst verbunden. Da Angst jedoch ein schlechter Ratgeber ist, habe ich in Gesprächen stets versucht, diese in einen gesunden Respekt vor der Entscheidung zu kanalisieren.

 

Und wie haben Sie die Lanze für Brandenburg gebrochen?
Ich bin ein Brandenburger Kind und Landei aus Überzeugung. Unsere Region ist wunderschön. Es fiel mir nie schwer, meine Leidenschaft für Brandenburg in Gesprächen zu vermitteln.

 

Sie haben zwei Jahrzehnte lang Ärzte und Psychotherapeuten auf dem Weg in die Niederlassung begleitet. Woran erinnern Sie sich besonders gern?
An die Vertrautheit und die Offenheit, mit der mir die Ärzte begegnet sind. Wie oft habe ich gesessen und erstmal zugehört, weil sich mein Gesprächspartner persönlichen Kummer von der Seele geredet hat. Ich wusste von familiären Problemen und kannte die Namen von Haustieren. Für diese Nähe und dieses Vertrauen, das diese Menschen mir gegeben und in mich gesetzt haben, bin ich sehr dankbar.

 

Und gab es Momente, in denen Sie alles hinschmeißen wollten?
Na klar. Immer dann, wenn nach zahlreichen Gesprächen und Vermittlungsbemühungen mit einem potentiellen Praxisnachfolger und zum Teil auch mit den jeweiligen Kommunen der Nachfolge-Kandidat plötzlich doch noch kalte Füße bekam und die Übernahme im letzten Moment platzen ließ.

 

Wer wird Ihre Nachfolge antreten?
Meine Kollegin Frau Lesche. Sie ist seit etlichen Jahren in der KV für die Nachwuchsförderung zuständig und Ansprechpartnerin für Ärzte in Weiterbildung und Medizinstudierende. Wir haben gemeinsam auf zahlreichen Veranstaltungen und Messen für die ambulante Tätigkeit ‚getrommelt‘. Und etliche Male schon fand sich einer ‚ihrer‘ Ärzte in Weiterbildung später bei mir in der Niederlassungsberatung ein.

 

Was geben Sie Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg?
Ratschläge erteilen möchte ich gar nicht. Ich weiß, dass Frau Lesche ihre neuen Aufgaben mit großer Leidenschaft angehen und mit den Herausforderungen wachsen wird. Sie wird ihren individuellen Weg finden, um Ärzten und Psychotherapeuten eine verlässliche Begleitung in die Niederlassung zu sein.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Gefragt und notiert von Ute Menzel

 

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27.10.2020