Diabetesbegleiterkrankungen im Fokus

Ab 1. Oktober 2018 neuer Vertrag für DAK-Versicherte

Die KVBB und die DAK-Gesundheit haben sich auf die Fahnen geschrieben, schwere Verläufe und Komplikationen bei Diabeteserkrankungen zu reduzieren. Durch frühes Erkennen von Begleit­erkrankungen soll das Auftreten schwerwiegender Krankheitsstadien verhindert – zumindest aber deutlich verzögert werden. Dazu wurden Module vereinbart, die regelmäßige Früherken­nungsuntersuchungen und, falls nötig, die Weiterbetreuung betroffener Patienten ermöglichen.

 

Dabei stehen diabetische Nerven- oder Gefäßschädigungen, Störungen der Harnblasenent­leerung, Schädigungen der Leber sowie die chronische Nierenkrankheit im Fokus:

 

Patienten mit gesicherter Diabetesdiagnose können sich in den Vertrag einschreiben und
– sofern die jeweilige Begleiterkrankung nicht bereits bekannt ist – jährlich eine entsprechende Untersuchung auf das Vorliegen dieser Begleiterkrankungen durchführen lassen. Im Falle eines positiven Untersuchungsbefundes erfolgt die Weiterbetreuung im Rahmen des Moduls.

 

Welche Ärzte können teilnehmen?

Einschreiben können sich Vertragsärzte mit

  • Zusatzbezeichnung Diabetologie
  • Berechtigung zum Führen der Schwerpunktbezeichnung „Endokrinologie und Diabetologie“ bzw. Facharztbezeichnung „Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie“
  • Anerkennung als Diabetologe DDG,

die die zur Durchführung der Untersuchung nötige apparative Ausstattung vorhalten.

 

Für Vertragsärzte, die bereits eine Genehmigung zum Führen einer diabetologischen Schwerpunktpraxis von der KVBB erhalten haben oder als koordinierender Vertragsarzt am
DMP Diabetes mellitus Typ 1 und / oder gemäß § 4 des DMP Diabetes mellitus Typ 2 im diabetologisch qualifizierten Versorgungssektor teilnehmen, gelten die Teilnahmevoraus­setzungen als erfüllt. Die Teilnahmeerklärung finden Sie auf der Homepage der KVBB.

Wir appellieren an alle Vertragsärzte, in Frage kommende Patienten an diese Ärzte zu überweisen.

 

Worum geht es in den Modulen?

Modul Diabetische Neuropathie im Bereich der distalen Extremitäten

Ausgehend von der Nationalen Versorgungsleitlinie soll spätestens fünf Jahre nach Diagnose­stellung eines Typ 1-Diabetes bzw. zum Zeitpunkt der Entdeckung eines Typ 2-Diabetes eine ausführliche körperliche Untersuchung mit definiertem Inhalt erfolgen. Außerdem erfolgt eine Früherkennungsuntersuchung auf eine Störung der Sudomotorik, welche häufig eine erste Manifestation einer autonomen diabetischen Neuropathie darstellt. Das dazu erforderliche Diagnosemittel wird über eine Sachmittelziffer abgerechnet (s. u.). Die Weiterbetreuung im Modul beinhaltet u. a. die Vereinbarung von Zielen zu Lebensstil und Therapietreue sowie deren Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung im Verlauf und die professionelle Anleitung zur gründlichen Fußinspektion.

 

Vergütung im Modul Diabetische Neuropathie:

Untersuchung ohne auffälligen Befund je Krankheitsfall

93550

20 Euro

Untersuchung mit erstmals festgestelltem auffälligen Befund (einmalig)

(G59.0, G63.2, G99.0)

93551

20 Euro

Weiterbetreuung bei auffälligem Untersuchungsbefund (s.o.),
je Behandlungsfall, maximal zweimal je Kalenderjahr

93552

20 Euro

Diagnosemittel zur Schweißsekretionsbestimmung

93553

17 Euro

 

Modul LUTS (lower urinary tract symptoms) bei Diabetes mellitus

Der Patient soll gezielt nach Miktionsstörungen befragt werden und bei Beschwerden ein Miktionstagebuch über zwei Tage führen. Im Rahmen der Weiterbetreuung von Patienten mit neurogener Reflexblase oder schlaffer neurogener Harnblase kommen definierte Verhaltens­strategien „timed voiding (Miktion nach der Uhr) oder „double voiding“ (zwei Blasenent­leerungen innerhalb kurzer Zeit) zum Einsatz.

 

Vergütung im Modul LUTS:

Untersuchung ohne auffälligen Befund je Krankheitsfall

93555

20 Euro

Untersuchung mit erstmals festgestelltem auffälligen Befund (einmalig)

(N31.1, N31.2)

93556

20 Euro

Weiterbetreuung bei auffälligem Untersuchungsbefund (s. o.),
je Behandlungsfall, maximal zweimal je Kalenderjahr

93557

20 Euro

 

Modul periphere arterielle Verschlusskrankheit - PAVK bei Diabetes mellitus

Ausgehend von der Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der PAVK soll bei Patienten ab voll­endetem 50. Lebensjahr eine ausführliche Untersuchung mit definierten Inhalten (u. a. Ratschow-Lagerungsprobe, Bildung des Knöchel-Arm-Index, dopplersonographische Messung der arteriellen Verschlussdrucke der A. dorsalis pedis und der A. tibialis posterior und gegebenenfalls der A. fibularis) erfolgen. Bei einem positiven Befund wird der Versicherte über seine Risikosituation – insbesondere hinsichtlich kardiovaskulärer Folgeerkrankungen – umfas­send aufgeklärt. In der Folge soll eine auf den individuellen Patienten und sein Komorbiditäts- und Risikoprofil angepasste Diabeteseinstellung erfolgen und Ziele bezüglich Lebensstil und Therapie­treue mit dem Patienten vereinbart werden. Im Rahmen der Weiterbetreuung soll auch die Einhaltung der vereinbarten Ziele nachgehalten werden.

 

Vergütung im Modul PAVK:

Untersuchung ohne auffälligen Befund je Krankheitsfall

93560

20 Euro

Untersuchung mit erstmals festgestelltem auffälligen Befund (einmalig)

(I70.2-, I79.2)

93561

20 Euro

Weiterbetreuung bei auffälligem Untersuchungsbefund (s.o.),
je Behandlungsfall, maximal zweimal je Kalenderjahr

93562

20 Euro

 

Modul Diabetische Fettleber

Das Vorliegen einer nichtalkoholischen Fettleber (NAFLD/NASH) soll im Rahmen des Programmes durch die Sonographie des Leberparenchyms und labormedizinische Untersuchungen gesichert werden.

 

Da eine zuverlässig wirksame Pharmakotherapie nicht zur Verfügung steht, soll sich bei einem auffälligen Befund die anschließende Behandlung an folgenden Eckpunkten orientieren:

  • Beeinflussung des metabolischen Syndroms
  • behutsame Gewichtsreduktion
  • optimale Einstellung des Blutzuckers.

Auch im Rahmen dieses Moduls werden Ziele hinsichtlich Lebensstil und Therapietreue mit dem Patienten vereinbart und deren Erfüllung regelmäßig überprüft.

 

Vergütung im Modul diabetische Fettleber:

Untersuchung ohne auffälligen Befund je Krankheitsfall

93565

20 Euro

Untersuchung mit erstmals festgestelltem auffälligen Befund (einmalig)

(K77.8*)

93566

20 Euro

Weiterbetreuung bei auffälligem Untersuchungsbefund,
je Behandlungsfall, maximal zweimal je Kalenderjahr

93567

20 Euro

 

Modul Chronische Nierenkrankheit bei Diabetes mellitus

Ausgehend von der Praxisempfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft „Nephropathie bei Diabetes“ soll eine Untersuchung mit definiertem Inhalt erfolgen (Anwendung eines Teststreifens, Berechnung der eGFR, Messung der Kreatinin-Clearance oder Abschätzung der glomerulären Funktion).

 

Der Betroffene soll bei auffälligem Befund umfassend über seine Situation aufgeklärt werden, und es sollen mit ihm gemeinsam Ziele bezüglich Lebensstil und Therapietreue vereinbart werden, insbesondere hinsichtlich der Blutglukoseeinstellung, des Blutdrucks, der Nikotinkarenz, der Eiweißaufnahme, deren Erfüllung im Rahmen der Weiterbetreuung überprüft wird.

 

Vergütung im Modul Chronische Nierenkrankheit:

Untersuchung ohne auffälligen Befund je Krankheitsfall

93570

20 Euro

Untersuchung mit erstmals festgestelltem auffälligen Befund (einmalig)
(N18.-)

93571

20 Euro

Weiterbetreuung bei auffälligem Untersuchungsbefund (s.o.),
je Behandlungsfall, maximal zweimal je Kalenderjahr

93572

20 Euro

Sachkosten Teststreifen

93573

2 Euro

 

Alle Module beinhalten Verlaufskontrollen im Rahmen der Weiterbetreuung und gegebenenfalls die Überweisung an die jeweils spezialisierten Fachgruppen zur Mitbehandlung.

 

Was ist bei der Abrechnung zu beachten?

Die Abrechnung der in den Modulen vereinbarten Vergütungen erfolgt jeweils nach den gleichen Regeln. Die Vergütungen für Untersuchungen mit und ohne auffälligen Befund sind jeweils nicht nebeneinander abrechnungsfähig; das gleiche gilt auch für diese beiden Untersuchungen und die Weiterbetreuung. Eine Weiterbetreuung kann nur abgerechnet werden, wenn in einem der vorhergehenden Quartale die jeweilige Ziffer für Untersuchungen mit auffälligem Befund abgerechnet wurde. Die Pauschalen für die Untersuchungen mit positivem Befund und für die Weiterbetreuung können jeweils nur abgerechnet werden, wenn die genannten Diagnosen gesichert und endstellig dokumentiert wurden sowie zuvor beim behandelnden Arzt noch nicht bekannt waren. Denken Sie bitte daran, auch die diabetesbezogenen Komorbiditäten zu dokumentieren.

 

Die zu den Modulen diabetische Neuropathie und chronische Nierenkrankheit vereinbarte Sachkostenvergütung kann nur im Zusammenhang mit den Untersuchungen zur Befunderhebung (auffällig/unauffällig) abgerechnet werden. Die Teststreifen zur Mikroalbuminurie und Kreatinin-Bestimmung sind im Rahmen dieses Vertrages nicht als Sprechstundenbedarf bezugsfähig.

 

Was ist bei der Einschreibung des Versicherten zu beachten?

Die Einschreibung des Versicherten erfolgt mittels einer Teilnahmeerklärung, die Sie nach Unterzeichnung bitte innerhalb von zehn Tagen an die DAK-Gesundheit senden. Dazu stellt die Krankenkasse Freiumschläge zur Verfügung.

 

Der Versicherte erhält:

  • eine Kopie der Teilnahmeerklärung
  • ein Datenschutzmerkblatt
  • eine Versicherteninformation.

Diese Formulare finden Sie hier.

 

Weitere Informationen

Details zu den jeweiligen Modulen und den krankheitsspezifischen Vertragsinhalten (z. B. die Leistungsinhalte und Aufgaben) entnehmen Sie bitte dem Vertrag, welchen Sie im DatenNerv der KVBB unter der Rubrik Verträge finden.

 

 

 

01.10.2018