Die Digitalisierung ist längst da

KVBB-Vertreterversammlung diskutierte Auswirkungen der neuen Technologien/AG Digitalisierung gegründet

„Wenn ein Populist und ein Ideologe mit Fliege gemeinsam Gesundheitspolitik machen, dann entsteht ein Gesetz wie das TSVG!“ MUDr./ČS Peter Noack, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), machte auf der Vertreterversammlung der KVBB am 23. November keinen Hehl aus seiner Ablehnung des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG). Das von Gesundheitsminister Jens Spahn und dem SPDGesundheitspolitiker Karl Lauterbach geplante TSVG soll spätestens im Sommer 2019 in Kraft treten.

 

Zu verhindern sei das Gesetz nicht mehr – es biete aber auch Chancen, die die Ärzteschaft nun nutzen müsse: „Das TSVG ist Zuckerbrot und Peitsche. Der Zucker ist, dass es für bestimmte Leistungen zukünftig eine höhere Vergütung und eine Teil-Entbudgetierung geben soll“, erläuterte der KVBB-Chef.

 

Mit Blick auf die Digitalisierung des Gesundheitswesens sagte er, dass Smartphones und Computer in der sich so schnell verändernden Welt längst Normalität seien. „Die Patienten nutzen die Geräte und die Technologien. Damit müssen wir umgehen. Unser Ziel muss es sein, dass die Patienten weiterhin in unsere Praxen kommen, denn der Kontakt zwischen Patient und Arzt ist der Goldstandard einer medizinischen Behandlung. In einer digitalisierten Welt müssen wir jedoch unsere eigenen Plattformangebote, wie die 116117, aufbauen, um beispielsweise die Gesundheitskompetenz unserer Patienten zu fördern oder eine medizinisch sinnvolle Koordination der Inanspruchnahme unserer Praxen zu erreichen. Denn das bedeutet Zukunftssicherung für uns und den ärztlichen Nachwuchs.“

 

Patientenkoordination
Dipl.-Med. Andreas Schwark, stellvertretender Vorsitzender und niedergelassener Hausarzt, berichtete aus seiner Praxis: „Die Patienten nutzen Sprachassistenten wie Alexa und Siri oder Diagnose-Apps wie Ada. Ich erlebe selbst, dass der 90-jährige Patient genauso im Internet nach Sprechstundenzeiten schaut, wie die junge Frau, die ihre Symptome googelt.“

 

Die ambulant tätigen Kolleginnen und Kollegen müssten die Patienten, ihre Zielgruppe, wieder stärker in den Fokus nehmen. „Wichtig ist, dass wir die Patienten koordinieren. Das gelingt über die 116117 immer besser“, so der KVBB-Vize weiter. „Unsere bestehenden Angebote wie die einheitliche Bereitschaftsdienstnummer und die Online-Arztsuche müssen wir zukunftssicher weiter ausbauen. Denn nur das Praxisschild ist nicht mehr der letzte Schrei.“

 

In einem entsprechenden Beschluss bekannten sich die VV-Mitglieder einstimmig zu einer besseren Patientenkoordination. Dafür forderten sie unter anderem die Krankenkassen auf, flächendeckend Überweisungssteuerungsverträge zu vereinbaren.

 

Telematikinfrastruktur

Auch der stellvertretende Vorsitzende Holger Rostek stellte die Digitalisierung und neue Technologien in den Mittelpunkt seiner Rede. Zur Einführung der Telematikinfrastruktur (TI) in Brandenburg berichtete er, dass mittlerweile 52 Prozent der Praxen im Land Brandenburg an die TI angeschlossen seien oder den Anschluss beantragt hätten. Die übrigen 48 Prozent seien noch nicht angeschlossen, da zum Beispiel die notwendigen Konnektoren fehlten. Es bestehe aber trotzdem die Pflicht zum Anschluss an die TI bis zum 1. Januar 2019, und es drohe weiterhin ein Honorarabzug von einem Prozent, falls kein Versichertenstammdatenabgleich durchgeführt werde. „Wenn Sie noch nicht an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sind, wird diese Kürzung bis zum 30. Juni 2019 ausgesetzt. Voraussetzung hierzu ist, dass Sie vor dem 1. April 2019 eine verbindliche Vereinbarung zur Installation abgeschlossen haben und uns diese nachweisen, “ so Herr Rostek.

 

Im kommenden Jahr sollen unter anderem der Notfalldatensatz (NFDM) und der elektronische Medikationsplan (eMP) als verpflichtende Anwendungen in der TI eingeführt und auf den elektronischen Gesundheitskarten der Patienten gespeichert werden. „Das müssen Ärzte machen und nicht das Praxisteam. Dafür werden Sie sicherlich weitere Kartenlesegeräte in Ihrer Praxis benötigen“, erläuterte Herr Rostek. Zur Refinanzierung würde es eine einmalige Praxispauschale von 530 Euro sowie eine quartalsweise Betriebskostenpauschale von 4,50 Euro geben.

 

Die Digitalisierung ist da
Viel diskutiert wurden Herr Rosteks Ausführungen zu technologischen Trends und Entwicklungen, die aktuell Einzug in die Gesundheitsversorgung halten. Der IT-Vorstand berichtete von Milliardensummen, welche die großen Konzerne Google, Microsoft und Co. in die Digital-Health-Projekte stecken, Krankenkassen, die mit elektronischen Patientenakten auf den Markt drängen und Gesundheits-Apps wie Ada, die mittels Künstlicher Intelligenz Diagnose-Wahrscheinlichkeiten stellen.

 

„Die Technologien und Anbieter sind längst da, und sie werden das Arzt-Patienten-Verhältnis grundlegend verändern. Die Akteure und Systeme versuchen, sich zwischen Arzt und Patienten zu platzieren. Und das darf nicht ungeregelt passieren. Den Platz müssen wir besetzen und uns aktiv einbringen“, forderte der KVBB-Vorstand.

 

Vor diesem Hintergrund gründete sich aus der VV heraus eine neue AG Digitalisierung. 13 VV-Mitglieder wollen sich zukünftig gemeinsam mit Herrn Rostek intensiv mit den Risiken und Chancen, die die Digitalisierung für die ambulante Versorgung und die niedergelassenen Ärzte bringt, beschäftigen.

 

 

 

 

17.12.2018