Folgen schwierig abschätzbar

KVBB-Vertreterversammlung diskutierte TSVG und Bereitschaftsdienstordnung

Änderungsanträge ohne Ende. Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) stand auch bei der jüngsten Vertreterversammlung (VV) der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) am 8. März wieder auf dem Programm.

 

Dr. Noack stellte in seinem Bericht an die VV einige der zahlreichen TSVG-Änderungsantrage vor. Beispielsweise sollen die Behandlung von Neupatienten sowie das Angebot offener Sprechstunden extrabudgetär vergütet werden, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der KVBB. Bisher sah der Gesetzesentwurf dafür Zuschläge vor. Weitere Änderungen betreffen die Terminservicestelle. Die soll künftig auch Termine für die U-Untersuchungen von Kindern vermitteln sowie über die Barrierefreiheit von Arztpraxen informieren. Zudem soll der Starttermin für die 24/7-Terminservicestelle auf spätestens 1. Januar 2020 verschoben werden.

 

Noch sei es schwierig, die Folgen des Gesetzes für Brandenburg einzuschätzen, räumte Dr. Noack ein. Die KVBB sei jedoch gut aufgestellt, um die Umsetzung des TSVG in gute Bahnen für die Brandenburger Ärzte und Psychotherapeuten zu lenken, gab er sich zuversichtlich. Auf der VV-Klausur im Juni soll die Umsetzung des dann beschlossenen TSVG diskutiert werden.

 

Den Optimismus des KVBB-Chefs wollten die VV-Mitglieder nicht recht teilen. Er habe Zweifel, dass es gelingt, das TSVG mit ruhiger Hand umzusetzen, sagt Dr. Johannes Becker. Der Hausarzt aus Ruhland forderte zudem, dass nicht die Terminservicestelle die Patienten durch die ambulante Versorgung steuern soll, sondern die qualifizierte Überweisung des Arztes.

 

Haus- und fachärztliche Versorgerpraxen, insbesondere auf dem Land, werden durch das TSVG benachteiligt, kritisierte Dr. Karin Harre. Diese arbeiteten bereits am Limit, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Neue Patienten oder zusätzliche Sprechzeiten seien für sie nicht möglich. Von dem zusätzlichen Geld, das es dafür geben soll, würde dort kaum etwas ankommen, monierte die Allgemeinmedizinerin aus Walsleben.

 

Mehr Geld für Investitionen in den Praxen forderte Dr. Stephanie Lenke. „Uns geht das Personal aus“, warnte die Senftenberger Allgemeinmedizinerin. Krankenhäuser und Pflegeheime würden derzeit massiv versuchen, über Vergütungsanreize das medizinische Fachpersonal aus den ambulanten Praxen abzuwerben. Hier müsse man gegensteuern. Mit den steigenden Personalkosten würden die Niedergelassenen jedoch allein gelassen.

 

Leider könnten die Personalkosten auf Landesebene mit den Krankenkassen nicht verhandelt werden, da diese bereits in den bundesweiten Orientierungspunktwert eingepreist seien, erläuterte Dr. Noack. Er kündigte jedoch an, dass gemeinsam mit der Landesärztekammer demnächst eine Kampagne zur Nachwuchsgewinnung für medizinisches Fachpersonal starten werde.

 

Dipl.-Med. Andreas Schwark präsentierte der Vertreterversammlung aktuelle Zahlen aus der Terminservicestelle (TSS). So seien die berechtigten Patientenanrufe zwischen Oktober 2018 und Januar 2019 um 26 Prozent gestiegen, sagte der stellvertretende KVBB-Vorstandsvorsitzende. Die Terminmeldungen der Ärzte seien in der gleichen Zeit um 21 Prozent gesunken, die der Psychotherapeuten sogar um 49 Prozent. Im Januar habe es erstmals mehr Patientenanrufe als gemeldete Termine gegeben. „Wir haben ein Problem.“

 

Er warb deshalb auch, den elektronischen Terminservice (eTS) zu nutzen, über den die Ärzte und Psychotherapeuten jetzt auch schnell und einfach Termine an die KVBB melden können. (Siehe auch Termine per Mausklick melden)

 

Allerdings sei auch die Termintreue seitens der Patienten ein Problem, sagte Dr. Harre. Sie wisse von vielen fachärztlichen Kollegen, dass diese keine Termine mehr meldeten, weil Patienten zu Terminen, die über die TSS vermittelt wurden, immer häufiger nicht erschienen.

 

Herr Schwark diskutierte mit den Vertretern zudem Änderungen an der gemeinsamen Bereitschaftsdienstordnung von KVBB und Landesärztekammer. Diese werden mit der Umsetzung von Bereitschaftsdienst 4.0 notwendig. Anpassungsbedarf gibt es unter anderem in punckto Koordinierungsstelle, ärztliche Bereitschaftspraxen sowie Fahrdienstunterstützung.

 

Nach Beratung der neu gefassten Bereitschaftsdienstordnung in der Vertreterversammlung und der Kammerversammlung sollen beide Gremien noch in diesem Jahr darüber beschließen.

 

Holger Rostek, stellvertretender Vorsitzender der KVBB, stellte die Themen Digitalisierung und Verwaltung der KVBB in den Mittelpunkt seines Vortrags an die Vertreterversammlung. Die Digitalisierung der ambulanten Versorgung und der Medizin sei in vollem Gange, so der KVBB-Vize. „Die Digitalisierung lässt sich aber nicht stoppen. Daher ist es so wichtig, dass wir unsere Pflöcke einschlagen und eigene Lösungen anbieten. So können wir den Prozess im Sinne der ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten mitgestalten. Ansonsten werden wir gestaltet.“

 

Ein aktuelles IT-Großprojekt, an dem die KVBB derzeit gemeinsam mit sechs weiteren KVen arbeitet, ist KVAI Pro. „Wir modernisieren gemeinsam unser zentrales Abrechnungssystem KVAI Pro. Das ist ein aufwendiges und komplexes Projekt. Dank der Kooperation mit den Kollegen aus den anderen KVen fließen viele unterschiedliche Expertisen in das Projekt ein, und auch die Kosten laufen nicht aus dem Ruder“, erläuterte Herr Rostek. Die KVBB ist mit Mitarbeitern in der Projektleitung sowie den Arbeitsgruppen aktiv an der Projektarbeit beteiligt.

 

Aus der Verwaltung der KVBB berichtete Herr Rostek, dass viele der geplanten und angekündigten Struktur- und Prozessveränderungen entweder schon abgeschlossen seien oder sich aktuell in der Umsetzung befänden. So wurden unter anderem eine zentrale Beschaffungs- und Vergabeabteilung gegründet, die Bereiche Kommunikation/Presse und Marketing zur neuen Stabsstelle Unternehmenskommunikation zusammengelegt und die Personalabteilung neu organisiert. Darüber hinaus wird gegenwärtig ein Informationssicherheits-Management-System eingeführt. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, aber eine Verwaltung lässt sich nicht von heute auf morgen modernisieren und zukunftsfähig aufstellen.“

 

 

 

19.03.2019