Honorarverteilung im I. Quartal 2011

Im I. Quartal 2011 kommt erstmals die für das Jahr 2011 vom Landesschiedsamt festgesetzte Vereinbarung zur Gesamtvergütung (M-GV) und zu arzt- und praxisbezogenen Regelleistungsvolumina (A-RLV-Vertrag 2011) zur Anwendung.


Das Landesschiedsamt hat dabei gegen die Stimmen der KVBB die ambulante ärztliche Versorgung in zwei Punkten in nicht angemessener Weise wesentlich negativ beeinträchtigt.

Dies betrifft zum einen den Wegfall der Zusatzpunktwerte für förderungswürdige Leistungen (u.a. ambulante Operationen und Hautkrebsscreening), obwohl der Gesetzgeber gerade deren Fortgeltung intendiert hat; zum anderen die Einführung eines höchstzulässigen Gesamtausgabevolumens, ohne dass die Behandlungsnotwendigkeit aufgrund der gestiegenen Morbidität für die folgenden extrabudgetären Leistungsbereiche berücksichtigt wird:

  • Belegärztliche Leistungen und Sachkosten gem. EBM sowie die SNR 97200,
  • Leistungen des ambulanten Operierens,
  • Leistungen bei der Durchführung von kurativen Vakuumstanzbiopsien (GOP 34274) sowie die dazugehörigen Kostenpauschalen für interventionelle Eingriffe nach Abschnitt 40.8,
  • Leistungen der Strahlentherapie des Kapitels 25 EBM sowie die zugehörigen Kostenpauschalen nach GOP 40580 EBM und dem EBM-Abschnitt 40.15,
  • Leistungen der künstlichen Befruchtung,
  • Leistungen der Substitutionsbehandlung (GOP 01950 – 01952) sowie
  • Wegepauschalen.

Die Folge dieser Schiedsamtsentscheidung: Beide ausgabenbegrenzenden Regelungen lassen den Preis für ärztliche Leistungen ohne Berücksichtigung der Versorgungssituation und der betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen verfallen. Deshalb hat die KVBB bereits Anfang des Jahres gegen den Beschluss des Landesschiedsamtes geklagt.

Wie wirkt sich dies nun auf die Honorarverteilung im I. Quartal 2011 aus?
Die gute Nachricht voraus: Für die oben aufgeführten Leistungen wird der „volle“ Orientierungspunktwert in Höhe von 3,5048 ct ausgezahlt. Ein Blick ins Detail lohnt allerdings, denn der Leistungsbedarf (medizinisch erforderlich) ist um ca. 4 Prozent gestiegen. Das Problem: Das Landesschiedsamt „bewilligte“ nur 0,9 Prozent, abzüglich des Versichertenrückgangs. Aktuell beträgt dieser etwa -0,8 Prozent, womit allein schon fast die zugebilligte „Steigerungsrate“ aufgebraucht ist.

Allerdings fließen die in 2010 über Zusatzpunktwerte erfolgten Stützungen für das ambulante Operieren und die belegärztlichen Leistungen entlastend in den „Topf“ ein, so dass dieser scheinbar ausreicht.

Der Leistungsanstieg bei den Strahlentherapien von ca. 5,5 Prozent wird innerhalb des gemeinsamen Topfes folglich aus den ehemaligen Honorarmitteln der ambulanten Operateure finanziert. Übrigens: Eine Erklärung, wie ein Anstieg der Strahlentherapie medizinisch nicht begründbar sein könnte, sind Gesetzgeber und Landesschiedsamtsvorsitzender bis heute schuldig geblieben.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal sind vor allem für Operateure und Hautärzte mehr Honorarrückgänge als Zugewinne zu verzeichnen. Eine Verteilung der prozentualen Honorarentwicklung I/2011 zu I/2010 zeigt die folgende Abbildung.



Insgesamt wurden im Land Brandenburg Leistungen außerhalb der M-GV in Höhe von 56 Mio. Euro erbracht. Für die Vergütung innerhalb der M-GV standen circa 185 Mio. Euro zur Ver-fügung. Da sich die M-GV aus dem Behandlungsbedarf je Versicherten gemäß M-GV-/A-RLV-Vertrag 2011 und der Anzahl der Versicherten im I. Quartal 2011 ergibt, wirkt sich die Versichertenentwicklung auch hier aus.

Diese Entwicklung im Vergleich zum Vorjahresquartal zeigt die folgende Grafik.





Von der M-GV werden die zentralen Honorarfonds Psychotherapie, Bereitschaftsdienst und Laboratoriumsmedizin sowie die weiteren Vorwegabzüge inklusive des Fremdkassenzahlungssaldos abgezogen. Hiernach ergeben sich die beiden Honorarfonds „Hausärzte“ und „Fachärzte“.

Honorarfonds Hausärzte
Quartal I/2011
77,3 Mio. Euro
darunter:  
Rückstellungen/Einstellungen 0,1 Mio. Euro
FKZ-Saldo 2,9 Mio. Euro
Leistungsbezogene Honorarfonds 0,2 Mio. Euro
    Honorarfonds zur Vergütung der Kostenpauschalen des Kapitels 40 EBM
0,2 Mio. Euro
    Honorarfonds zur Vergütung der Leistungen der Empfängnisregelung, Sterilisation und Schwangerschaftsabbrüche (Sonstige Hilfen) Abschnitt 1.7.5 bis 1.7.7
0,003 Mio. Euro
 
    Honorarfonds zur Vergütung der als Auftragsleistung durchgeführten Langzeit-EKG-Auswertungen GOP 03241, 04241, 13253, 27323
0,003 Mio. Euro
RLV-/QZV-Leistungen zzgl. Vergütung für
Überschreitungsleistungen
74,1 Mio. Euro



Honorarfonds Fachärzte
Quartal I/2011
78,8 Mio. Euro
darunter:  
Rückstellungen/Einstellungen 0,8 Mio. Euro
FKZ-Saldo 13,0 Mio. Euro
Leistungsbezogene Honorarfonds 7,1 Mio. Euro
    Honorarfonds zur Vergütung der Kostenpauschalen des Kapitels 40 EBM
1,8 Mio. Euro
    Honorarfonds zur Vergütung der Leistungen des Kapitels 19 sowie der übrigen Leistungen der Fachärzte für Pathologie und Neuropathologie (im fachärztlichen Versorgungsbereich)
1,2 Mio. Euro
 
    Honorarfonds zur Vergütung der Leistungen der Empfängnisregelung, Sterilisation und Schwangerschaftsabbrüche (Sonstige Hilfen)
    Abschnitt 1.7.5 bis 1.7.7
1,9 Mio. Euro
 
    Honorarfonds zur Vergütung der als Auftragsleistung durchgeführten Langzeit-EKG-Auswertungen
    GOP 03241, 04241, 13253, 27323
0,02 Mio. Euro
 
    Honorarfonds zur Vergütung der Notfallbehandlungen durch nicht an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende Ärzte, Institute und Krankenhäuser außerhalb der Zeiten des ärztlichen Bereitschaftsdienstes
0,5 Mio. Euro
 
    Nicht antrags- und genehmigungspflichtige Leistungen von Psychotherapeuten
1,6 Mio. Euro
Arztgruppenbezogene Honorarfonds 0,6 Mio. Euro
RLV-/QZV-Leistungen zzgl. Vergütung für
Überschreitungsleistungen
57,3 Mio. Euro


Eine Unterdeckung bestand im I. Quartal 2011 bei drei arztgruppenbezogenen Honorarfonds. Hier konnten die folgenden Quoten zur Auszahlung gelangen:

  • Honorarfonds Strahlentherapie für übrige Leistungen von Fachärzten für Strahlentherapie 80,883 Prozent

  • Laboratoriumsmedizin für übrige Leistungen von Fachärzten für Laboratoriumsmedizin und von Fachwissenschaftlern der Medizin 89,639 Prozent

  • Honorarfonds Sonstige Vertragsärzte für Leistungen von Fachärzten für Humangenetik,Biochemie oder Klinische Pharmakologie und Toxikologie und der Vertragsärzte, für die kein A-RLV gem. § 15 gebildet wird 81,588 Prozent

Darüber hinaus musste in dem Honorarfonds zur Vergütung der Leistungen des Kapitels 19 sowie der übrigen Leistungen der Fachärzte für Pathologie und Neuropathologie im fachärztlichen Versorgungsbereich eine Quotierung in Höhe von 91,584 Prozent und in dem Honorarfonds zur Vergütung der als Auftragsleistung durchgeführten Langzeit-EKG-Auswertungen im hausärztlichen Versorgungsbereich in Höhe von 99,877 Prozent vorgenommen werden.

Die durchschnittliche Überschreitung des Regelleistungsvolumens betrug bei den Hausärzten ca. 9 Prozent und bei den Fachärzten ca. 26 Prozent. Die das A-RLV überschreitenden Leistungsanteile wurden im Honorarfonds der Hausärzte auf Basis eines Punktwertes von 1,7524 ct bzw. im Honorarfonds Fachärzte in Höhe von 0,6711 ct vergütet.

In dem Honorarfonds Psychotherapie reichten die finanziellen Mittel nicht aus, so dass für jene, die zeitbezogene Kapazitätsgrenze überschreitenden Leistungsanteile, kein Restpunktwert ausgeschüttet werden konnte.

23.8.2011

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23.08.2011