Ich bin enttäuscht und frustriert

Im Gespräch mit Dr. Peter Noack zum Scheitern der Vergütungsverhandlungen 2013

Intensiv verhandelt, trotzdem gescheitert. Woran lag es?

 

Obwohl die Kassen uns enorme Kompromissbereitschaft bescheinigt haben und infolge dessen die Positionen am Ende nur noch 2,1 Prozent auseinander lagen, ließen die Kassen die Verhandlungen platzen. Für mich enttäuschend, dass die Kassen sich ihrer Verantwortung für die Versorgung ihrer Versicherten letztlich nicht ernsthaft genug gestellt haben. Sie wollten nur die Beschlüsse der Bundesebene umsetzen und keinen Deut mehr.

 

Was heißt das konkret?

 

Wir wollen nach vier intensiven und mehrstündige Verhandlungsrunden- vor allem auch nach intensiver Vorbereitung - noch 7,7 Prozent Steigerung, obwohl wir durchaus gut begründet mehr hätten einfordern können. Doch selbst das war den Kassen zu viel. Sie waren lediglich bereit, das auf der Bundesebene Vorgegebene  zu gewähren und sich an dem unteren Niveau bisheriger anderer KV-Abschlüsse zu orientieren; in der Summe 5,5 Prozent. Das jedoch war und ist für uns inakzeptabel. Im Gegensatz zu den auf 30 Mrd. Euro sitzenden Kassen haben wir ein Finanzierungsdefizit und nicht mal 1 Cent zu verschenken!

 

Mehr Flexibilität, mehr Regionalisierung – so das Credo der Bundesvereinbarung. Offensichtlich ist das bei den Kassen nicht so angekommen.

 

Das ist schon so angekommen, aber sie sind nicht bereit, es auch umzusetzen. Damit wird die Tatsache, dass wir in Brandenburg weit mehr ältere, chronisch kranke und multimorbide Menschen zu versorgen haben, ignoriert. Uns fehlen damit auch die notwendigen Gelder, um z. B. Haus- und Heimbesuche besser vergüten sowie der fachärztlichen Grundversorgung gewährleisten zu können. Im Übrigen ist den Kassen auch signalisiert worden: „Wir wollen das Plus in der Gesamtvergütung nicht mit der Gießkanne ausschütten, sondern ganz gezielt strukturelle Probleme mit diesem frischem Geld lösen.“

 

Jetzt wird und muss das Landesschiedsamt beschließen.

 

Ja. Wir werden unsere berechtigten Forderungen detailliert vortragen und wir haben sehr gute Argumente. Wie dann entschieden wird, bleibt abzuwarten.

 

Neben inhaltlichen Fragen ist es auch ein Zeitfaktor …

 

Dieser Gang vors Landesschiedsamt hat zur Folge, dass frühestens zum 1. Juli dieses Jahres, sofern entsprechendes Geld zur Verfügung steht, die notwendige Anpassung der Honorarverteilung vorgenommen werden kann. Das ist ein ebenso enormer wie ärgerlicher Zeitverlust. Einer der nicht notwendig gewesen wäre, wenn wir uns mit den Kassen hätten einigen können.

 

Die Kassenseite hat der KV in der Presse vorgeworfen, weit überzogene Honorarforderungen zu stellen und die für die Verhandlungen notwendigen Daten nicht geliefert zu haben.

 

Beides ist nicht zutreffend und für mich ein perfides Spiel, um in der Öffentlichkeit von den wahren Problemen in der Verhandlung abzulenken. Aber die Kassen haben alle von Ihnen in den Honorarverhandlungen erbetenen  Daten und Zahlen von uns erhalten. Im Übrigen verfügen die Kassen über die gleichen und sogar mehr Daten und Datenquellen wie wir.  Und dass wir überzogene Forderungen gestellt haben, ist ebenso falsch. In Sachsen-Anhalt hat das Schiedsamt eine Steigerung der Gesamtvergütung von 9,46 Prozent beschlossen. Und wir sind in etwa mit Sachsen-Anhalt in der Struktur der Versicherten und jener der Vertragsärzte vergleichbar.

 

Herr Dr. Noack, vielen Dank für das Gespräch.

Video

Video: Dr. Noack zu den gescheiterten Honorarverhandlungen für 2013
13.03.2013