In den Praxen wird es kalt und dunkel

Resolution der KVBB-Vertreterversammlung vom 30. September 2022

Wir, die Mitglieder der Vertreterversammlung der KV Brandenburg, warnen vor einem Ausverkauf der ambulanten Versorgung durch Politik und Krankenkassen!

Sollten die Neupatientenregelung tatsächlich gestrichen sowie Ärzte und Psychotherapeuten auf den steigenden Betriebskosten für ihre Praxen sitzengelassen werden, sehen wir schwarz für die ambulante medizinische Versorgung in Brandenburg:

  • Die Streichung der Neupatientenregelung ist – anders als von Herrn Lauterbach immer wieder dargestellt – eine Leistungskürzung durch die Hintertür. Die Kolleginnen und Kollegen werden zwangsläufig die Annahme von neuen Patienten wieder zurückfahren, um auf die neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu reagieren.
  • Das bedeutet: weniger Termine und längere Wartezeiten auf notwendige fachärztliche Untersuchungen für die Patientinnen und Patienten.
  • Unsere Praxen müssen geheizt werden, medizinische Geräte verbrauchen Strom. Anders als Krankenhäuser sollen die ambulanten Praxen keinen finanziellen Ausgleich für immens steigende Energiekosten erhalten.
  • Das bedeutet: Um die Heizkosten im Zaum zu halten, wird es in Wartezimmern und Behandlungsräumen kühler werden. Energie-intensive Geräte müssen ganz oder teilweise abgeschaltet und Sprechzeiten verkürzt werden, um Strom zu sparen.
  • Die Krankenkassen werden den Orientierungspunktwert in 2023 lediglich um zwei Prozent steigern. Damit können wir die stark gestiegenen Personal- und Betriebskosten in unseren Praxen sowie die hohe Inflation nicht gegenfinanzieren. Ein wirtschaftlicher Betrieb ist so unmöglich.

Das bedeutet: Praxen geraten in wirtschaftliche Schieflage. Es drohen Praxisschließungen.

 

Wir fordern von den Bundes- und Landespolitikern: Fahren Sie die wohnortnahe ambulante Versorgung nicht gegen die Wand!

  • Die Neupatientenregelung muss erhalten bleiben!
  • Greifen Sie auch ambulanten Arzt- und Psychotherapiepraxen mit einem finanziellen Entlastungspaket für steigende Energiekosten unter die Arme – analog dem stationären Bereich.
  • Nehmen Sie die Krankenkassen in die Pflicht. Die gestiegenen Personal- und Betriebskosten in unseren Praxen sowie der Inflationsausgleich müssen in der Gesamtvergütung für das kommende Jahr berücksichtigt werden!
30.09.2022