Mehr Tempo gewünscht

Hauptstadtkongress dieses Mal digital/KVBB mit Stand undPodiumsdiskussion dabei

Die neue Technik hat dieses Jahr auch auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit Einzug gehalten. Das jährliche Stelldichein von Fachleuten und Entscheidern aus dem Gesundheitswesen und der Politik tagte unter dem Motto „Digitalisierung und vernetzte Gesundheit“ vom 6. bis 8. Juni im Berliner CityCube. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) präsentierte sich dabei wieder mit einem Info-Stand und diskutierte mit knapp 80 Besuchern bei einer Podiumsveranstaltung.

 

Mehr Tempo bei der Digitalisierung wünschte sich nicht nur Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Und nahm dabei nicht nur die anderen, sondern auch seine Politikerkollegen und sich selbst in die Pflicht. „Wir müssen die Ansprüche wieder höher schrauben, anstatt uns im Klein-Klein zu verlieren. Dazu muss die Politik den Anspruch des Gestaltens wieder deutlicher formulieren", sagte er zur Eröffnung des Kongresses.

 

Um die Digitalisierung voranzutreiben, sei es jetzt rasch notwendig, die Telematikinfrastruktur (TI) als sichere Datenautobahn aufzubauen. Herr Spahn appellierte an die Ärzte, in die Konnektoren zu investieren. An der TI werde nicht gerüttelt, stellte er nachdrücklich klar. „Es bleibt dabei.“ Sie werde als sicheres Verbindungsnetz für die digitalen Anwendungen gebraucht.

 

Lob gab es für die Ärzteschaft, dass sie mit den Beschlüssen des Ärztetags zur Fernbehandlung ihren Willen zur Gestaltung des Digitalisierungsprozesses gezeigt habe. Die Frage sei doch die: „Gestalten wir das oder kommt das von außen?“

 

Herr Spahn kündigte für die nächsten Monate ein Datengesetz an. Dieses solle regeln, welche Gesundheitsdaten unter welchen Bedingungen für die Verbesserung der Versorgung und die Forschung genutzt werden können. Zudem werde in seinem Ministerium geprüft, wie digitale Angebote in die Erstattungsfähigkeit der Krankenkassen kommen können.

 

Unterstützung, kein Ersatz
Bereits zwei Schritte weiter – zumindest thematisch – war die KVBB mit ihrer Podiumsdiskussion „iDoc: Löst der Computer den Arzt ab?“ Nein, so der grundlegende Tenor der fünf Diskutanten.

 

Ein wesentlicher Baustein für die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen sei eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung, unterstrich der Vorstandsvorsitzende der KVBB, MU/Dr. ČS Peter Noack. „Dafür braucht es Empathie, Herz und Verstand. Das kann der Computer nicht leisten.“ Künstliche Intelligenz könne den Arzt beispielsweise bei der Diagnose oder Therapiekontrolle unterstützen, aber nicht ersetzen.

 

In fünf Jahren werde es normal sein, dass Ärzte neue Technologien nutzen, um Entscheidungen zu treffen, sagte Jesko Bartelt vom DrED-Betreiber Health Bridge Limited. Doch ersetzt würden sie dadurch nicht. Allerdings würden die Aufgaben des Arztes in der Versorgungskette dann später einsetzen, als jetzt. Der Grund: Die Bereitschaft der Patienten, Telemedizin und andere digitale Angebote zu nutzen, werde steigen.

 

Der Arztberuf werde sich ändern, sagte Dr. Jens Härtel von der VILUA-Arvato CRM Healthcare GmbH. Digitale Lösungen und Technologien würden Bestandteil des ärztlichen Alltags. Dies müsse auch bei der Ausbildung von Medizinern berücksichtigt werden. Nicht dass sich am Ende die Frage stelle „Wer beherrscht wen?“

 

Technische Innovationen würden oft kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt, warnte Dr. Johannes Schenkel von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschlands. Deswegen sei es wichtig im Auge zu behalten, ob und wie neue Technologien zum Beispiel das Arzt- Patienten-Verhältnis verändern. Zudem sehe er etwa bei der Teleradiologie schon Tendenzen, den Radiologen vor Ort zu ersetzen. Auch dies gelte es zu beobachten.

 

Ungewöhnliche Töne kamen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Der Computer könne den Arzt schon ein stückweit ersetzen, zumindest was Routinetätigkeiten betreffe, so Dr. Thomas Kriedel, KBV-Vorstandsmitglied. „Der Computer wird nicht müde, der Arzt schon.“ Algorithmen könnten Arztzeit sparen, und Unterstützung könnten Ärzte auch gut brauchen. Trotzdem: „Mediziner werden weiter gebraucht. Also studieren Sie ruhig und werden sie Arzt.“

 

 

 

18.06.2018