Patient zum Arzt statt rollender Arztpraxis

KVBB-VV: Haushalt im Mittelpunkt / Diskussion um Akutversorgung und TI-Anschluss

Die letzte Vertreterversammlung (VV) eines Jahres steht traditionell im Zeichen des Haushalts. Und so standen auch auf der Sitzung am 24. November der Bericht zum Geschäftsjahr 2016 und die Haushaltsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) für 2018 auf der Tagesordnung. Zudem informierte der KVBB-Vorstand die Vertreter über aktuelle berufspolitische Entwicklungen sowie über Arbeitsschwerpunkte aus ihren jeweiligen Ressorts.

 

Zwar hängt die Gesundheitspolitik auf Bundesebene nach wie vor zwischen Baum und Borke, auf Landesebene hingegen treibe die KVBB aktiv den Aufund Ausbau ihres politischen Netzwerks voran, berichtete der Vorstandsvorsitzende, MUDr./ČS Peter Noack. So habe sich der Vorstand Anfang November mit Gesundheitsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt getroffen. Dabei hätten seine Vorstandskollegen und er Frau Hartwig-Tiedt verdeutlicht, dass die Gewinnung von Ärztenachwuchs ganz oben auf der Agenda der KVBB stehe. Eine finanzielle Beteiligung des Landes wurde eingefordert Gemeinsam wolle man neue Lösungen suchen, um junge Mediziner nach Brandenburg zu holen. Weitere Themen waren die Honorarverhandlungen sowie die Gebühren für öffentliche Leistungen.

 

Die Brandenburger Sozialdemokraten haben sich auf ihrem Landesparteitag am 18. November in einem ihrer Leitanträge unter anderem dafür ausgesprochen „(…) gemeinsam mit der Deutschen Bahn und der Kassenärztlichen Vereinigung ein Brandenburger Modellprojekt ‚Gesundheitsbus‘ auf den Weg zu bringen. Die vollausgestatteten mobilen Arztpraxen, welche zum Beispiel ab Januar 2018 in unterversorgten Regionen Nordhessens zum Einsatz kommen werden, sollen auch in ländlichen Regionen Brandenburgs testweise bei der Entlastung bei der medizinischen Versorgung helfen. (…)“

 

Bereits im Vorfeld des Parteitages hatte die KVBB in einem Schreiben an das Gesundheitsministerium sowie die Fraktionsvorsitzenden im Landtag alternative Ansätze zum „Gesundheitsbus“ aufgezeigt, berichtete Dr. Noack. „Wir präferieren nicht Lösungen nach dem Prinzip ‚Arzt zum Patient‘, sondern solche, die dem Patienten die Möglichkeit geben, auch in ländlichen Regionen zum Arzt zu gelangen“, sagte der KVBB-Chef. Ein solcher Lösungsansatz sei das Pilotprojekt KV RegioMed Patientenbus in Müncheberg gewesen, das inzwischen in den Regelbetrieb des öffentlichen Nahverkehrs in der Region überführt wurde. Und auch in Templin bringe seit vier Jahren ein Kleinbus Geriatrie-Patienten zur Behandlung ins dortige KV RegioMed Zentrum.

 

Eine „rollende Arztpraxis“ hingegen könne höchstens im Einzelfall Abhilfe schaffen, um ganz akute Versorgungsengpässe temporär zu überbrücken. Für den flächendeckenden Einsatz sei sie jedoch weder sinnvoll noch wirtschaftlich, betonte Dr. Noack.

 

Antrag zum HVM
Am Ende seines Berichts stellte er den Vertretern noch einen Antrag zu Änderungen im Honorarverteilungsmaßstab (HVM) ab 2018 vor. Diese betreffen die förderungswürdigen Leistungen, die Einbudgetierung der Leistungen der Nichtärztlichen Praxisassistenten sowie die Bereinigung der Palliativmedizin wegen der Ausbudgetierung. Aufgrund bestehender Vereinbarungen zur Überweisungssteuerung wurde die Vergütung zur „Klebchenüberweisung“ für die Termintervicestelle aufgehoben. Die VV stimmte dem Antrag mehrheitlich zu.

 

Aktuelle Zahlen und Fakten rund um die ambulante medizinische Versorgung präsentierte Dipl.-Med. Andreas Schwark in seinem Bericht. Die Niederlassung sei – entgegen aller Unkenrufe – attraktiv, so der Tenor des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der KVBB. Die Zahl der Ärzte in Brandenburg sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: in 2016 auf 1.544 Hausärzte (plus 2,6 Prozent gegenüber 2010) und 1.841 Fachärzte (plus 6,8 Prozent gegenüber 2010). Zuwächse verzeichneten auch die Psychotherapeuten. Deren Zahl kletterte  im vergangenen Jahr auf 437(plus 41 Prozent gegenüber 2010).

 

Neues gab es auch zum Projekt Bereitschaftsdienst 4.0. Es werde geprüft, dieses schon in 2020 abzuschließen, sagte Herr Schwark. Im ersten Halbjahr 2018 solle die Patientensteuerung für die fachgebietsbezogenen Bereitschaftsdienste (Kinder, Augen, HNO sowie Chirurgie) ebenfalls über die Koordinierungsstelle der KVBB anlaufen. Die Dienste werden dann auch über die 116117 erreichbar sein. Über weitere Änderungen der fachgebietsbezogenen Bereitschaftsdienste werden mit den jeweiligen Arztgruppen beraten, so Dipl.-Med. Schwark.

 

Die ambulante Akutversorgung und die Patientensteuerung prägten die anschließende Diskussion. Warum sei die ambulante Behandlung in der Rettungsstelle überhaupt eine Kassenleistung, fragte Dr. med. Karin Harre. Und schob die Antwort gleich selbst nach: Es sei weder zweckmäßig noch wirtschaftlich und sollte deshalb über die GOÄ abgerechnet und vergütet werden. Nur wenn es an ihren Geldbeutel gehe, werde man Patienten mit Bagatellfällen vielleicht von der Rettungsstelle fernhalten können, meinte auch Dipl.-Med. Ulrich Piatkowiak. Rettungsstellen könnten, entgegen landläufiger Behauptungen, Patienten sehr wohl wegschicken, sagte Dr. med. Hanjo Pohle. Sie täten es nur nicht, weil sie als „Staubsauger“ für die Kliniken fungierten. Er sprach sich für verstärkte Prüfungen gegenüber Rettungsstellen und Krankenhäuser aus.

 

TI: Unbürokratisch zur Kostenerstattung
Die Einführung der Telematikinfrastruktur (TI) stand im Mittelpunkt des Berichts des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Holger Rostek. Er kündigte eine unbürokratische Online- Lösung an für Ärzte, die die TI in ihrer Praxis installiert haben und die Erstattung dieser Kosten beantragen wollen. Im DatenNerv werde es im geschützten Bereich dafür ein Formular geben, in das nur noch das Datum der Inbetriebnahme der TI eingetragen werden müsse. Dann könne es mit einem weiteren Klick an die KVBB geschickt werden. So sollen die Ärzte und Psychotherapeuten unkompliziert und schnell an ihre Rückerstattungen kommen, unterstrich Herr Rostek.

 

Um die TI in der Praxis zu installieren, brauche es neben den zertifizierten Komponenten der IT-Anbieter auch noch den elektronischen Praxisausweis. Diesen können Ärzte und Psychotherapeuten bei der Bundesdruckerei beantragen. Erst wenn auch der elektronische Praxisausweis vorliege, könne die Installation erfolgen, so Herr Rostek. Neues zum elektronischen Praxisausweis lesen Sie hier)

 

Ein Ausstieg aus der TI sei nicht mehr möglich, antwortete der KVBB-Vize auf Nachfrage aus der VV. Zwar bringe die Struktur bisher noch keinen Mehrwert für die Praxen. Im Gegenteil, es sei noch ein weiter Weg bis zu ergänzenden Lösungen. Das Projekt sei ein rein politisches, was auch keine Regierung stoppen werde.

 

 

14.12.2017