Resolution der Vertreterversammlung der KVBB

Vorhandene Strukturen der Akut- und Notfallversorgung sinnvoll weiterentwickeln

Der Diskussionsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Reform der Notfallversorgung ist eine Gefahr für die im Land Brandenburg erfolgreich etablierten Strukturen der Akut- und Notfallversorgung.

 

Die zentralen Eckpunkte des Diskussionsentwurfes, wie etwa die Grundidee der Integrierten Notfallzentren (INZ) oder die gemeinsamen Notfallleitstellen, sind nicht notwendig. Denn durch gelebte Kooperationen mit Krankenhäusern und Leitstellen in der Akut-und Notfallversorgung und durch Koordinierung der medizinischen Versorgung über die 116117 gemäß Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) erfolgt bereits eine nachhaltige Verbesserung der Versorgung unserer Patienten. Die nach dem Entwurf beabsichtigte Übertragung des Sicherstellungsauftrages zur Versorgung der Patienten außerhalb der Sprechstundenzeiten auf die Länder konterkariert dagegen die bereits erfolgreich umgesetzten bzw. laufenden Maßnahmen zur (Neu-)Strukturierung. Diese bereits vorhandenen erfolgreichen Strukturen gilt es aber gerade weiter zu verzahnen und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln!  

 

Aktuell versorgen schon zwölf ärztliche Bereitschaftspraxen in Kooperation mit Krankenhäusern die Akut- und Notfallpatienten in Brandenburg außerhalb der Sprechstundenzeiten. Die flächendeckende Versorgung wird mit 19 Standorten 2020 erreicht. Patienten, die sich an die bekannte Bereitschaftsdienstnummer 116117 wenden, werden in der Koordinierungsstelle der KVBB individuell beraten. Medizinisch geschulte Mitarbeiter steuern die Patienten in die individuell richtige Versorgung.

 

Mit der im Entwurf angedachten Übertragung des Sicherstellungsauftrages für die sprechstundenfreien Zeiten auf die Länder hätten diese unter eigenem Regelungsregime einen „Dritten Sektor“ mit allen Folgerungen (Schnittstellenprobleme, Bürokratiekosten und Umsetzungsschwierigkeiten) aufzubauen. Zusätzlich hätten die Länder die Pflicht, gegenüber den Krankenkassen die Versorgung zu den sprechstundenfreien Zeiten sicherzustellen, wobei die Versorgung mit eigenen Ärzten – also gerade nicht mit Vertragsärzten – zu erbringen wäre. 

 

Auch ist in Brandenburg die Kooperation der Koordinierungsstelle (116117) mit drei von den fünf integrierten Leitstellen (112) bereits umgesetzt. Es erfolgt ein Abgleich des jeweils eingesetzten standardisierten Ersteinschätzungsverfahrens, und die Kommunikation erfolgt über eine digitale Schnittstelle.

 

Wir fordern daher die Politik auf, unseren erfolgreich eingeschlagenen, bedarfsgerechten und sinnvollen Weg zu unterstützen und nicht auf dem Reißbrett unnötig neue Modelle zu entwerfen.

 

 

20.09.2019