Verbandmittel neu in der Arzneimittel-Richtlinie geregelt

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL) geändert: Abschnitt P und Anlage Va – Verbandmittel und sonstige Produkte zur Wundbehandlung. Dazu wurde die Definition des Verbandmittelbegriffs weiterentwickelt und der Leistungsanspruch konkretisiert. Der G-BA hat eine neue Anlage Va geschaffen, in der die verordnungsfähigen Produktgruppen gelistet sind. Nach einer Übergangsfrist von 12 Monaten sind nur noch die in der neuen Anlage Va Teil 1 und 2 gelisteten Verbandmittel zu Lasten der GKV verordnungsfähig. Diese sollen dann in der Verordnungssoftware des Arztes entsprechend gekennzeichnet sein. Bis dahin sind alle bisher verordnungsfähigen Verbandmittel zu Lasten der GKV weiter verordnungsfähig. Teil 3 der Anlage Va enthält künftig sonstige Produkte zur Wundbehandlung, welche nicht als Verbandmittel eingestuft werden. Diese sind nur dann verordnungsfähig, wenn sie als Medizinprodukte in Anlage V der AM-RL gelistet sind. Der Beschluss trat am 02. Dezember 2020 in Kraft.

 

Nach AM-RL sind Verbandmittel Gegenstände einschließlich Fixiermaterial, deren Hauptwirkung darin besteht, oberflächengeschädigte Körperteile zu bedecken, Körperflüssigkeiten von oberflächengeschädigten Körperteilen aufzusaugen oder beides zu erfüllen. Teil 1 der Anlage Va listet hier die eineindeutigen Verbandmittel wie z.B. Mullbinden, Kompressionsbinden, Gipsbinden, Mullkompressen oder Verbandwatte. Erfasst sind auch Gegenstände, die zur individuellen Erstellung von einmaligen Verbänden an Körperteilen, die nicht oberflächengeschädigt sind, gegebenenfalls mehrfach verwendet werden, um Körperteile zu stabilisieren, zu immobilisieren oder zu komprimieren.

 

Die Eigenschaft als Verbandmittel entfällt nicht, wenn ein Gegenstand ergänzend weitere Wirkungen entfaltet, die ohne pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkungsweise im menschlichen Körper der Wundheilung dienen, beispielsweise indem er eine Wunde feucht hält, reinigt, geruchsbindend, antimikrobiell oder metallbeschichtet ist. Diese Verbandmittel mit ergänzenden Eigenschaften sind in Teil 2 der Anlage Va gelistet. Hier finden sich unter anderem Alginatkompressen, Hydrogelkompressen, Salbenkompressen sowie silberhaltige und aktivkohlehaltige Wundauflagen.

 

Von den Verbandmitteln abgegrenzt werden die sonstigen Produkte zur Wundbehandlung, die durch eine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkungsweise aktiv Einfluss auf die Wundheilung nehmen können. Diese sind zunächst nicht verordnungsfähig und werden in Teil 3 der Anlage Va gelistet. Nach Prüfung des medizinischen Nutzens durch den G-BA können auch diese Produkte Kassenleistung werden, wenn sie als Medizinprodukt in Anlage V (Übersicht der verordnungsfähigen Medizinprodukte) der AM-RL aufgenommen werden.

 

Den genauen Wortlaut des Beschlusses und die neue Anlage Va der AM-RL finden Sie hier.


14.01.2021