Vertreterversammlung: Corona und vieles, vieles mehr

Ein Jahr nachdem das Corona-Virus nachgewiesen das Land Brandenburg erreichte, war der Umgang der Vertragsärzte mit der Pandemie das zentrale Thema der Vertreterversammlung (VV) der KVBB. Aber nicht nur, die gewählten Vertreter diskutierten auch intensiv über Aspekte der Ambulantisierung, des Bereitschaftsdienstes und der Digitalisierung.

 

Die VV fand wieder als Videokonferenz statt. Jedoch mit einer Ausnahme: Dr. Johannes Becker war aus Ruhland nach Potsdam angereist, denn nach 25 Jahren Engagement in der KVBB war es seine letzte VV. Er scheidet aus dem Kreis der Vertragsärzteschaft aus und somit endet auch sein VV-Mandat. Sowohl Dr. Torsten Braunsdorf, Präsident der VV, als auch der KVBB-Vorstand dankten dem „Urgestein“ ganz herzlich für seine VV-Arbeit. Dank seiner gut durchdachten Argumente und seiner ruhigen Art seien viele Meinungsverschiedenheiten überwunden worden, so Dr. Braunsdorf.

 

Über das Thema Corona wurde dann rund vier Stunden intensiv diskutiert. Es gab schließlich viele Teilaspekte zu beleuchten. Der KVBB-Vorstand hatte dazu einen gemeinsamen Vortrag vorbereitet. KVBB-Chef MUDr./ČS Peter Noack ging vor allem auf die aktuelle Gesetzgebung und das Vertragsgeschehen ein. Unter anderem erläuterte er, dass ein Praxis-Impfteam, bestehend aus einem Arzt und zwei MFA, in den Brandenburger Impfzentren einen Aufwandsersatz von 270 Euro pro Stunde erhält. Im bundesweiten Vergleich wird damit im Land Brandenburg die höchste Vergütung für die Arbeit in einem Impfzentrum gezahlt. Diese umfasst den Praxisausfall sowie alle notwendigen Vor- und Nachbereitungen.

 

In seinem Fazit zur aktuellen pandemischen Lage erläuterte MUDr./ČS Noack die Dynamik und Unwägbarkeiten der aktuellen Situation. Die KVBB sei gut aufgestellt: Ein Pilotprojekt zum Impfen in den Praxen könne starten, Verträge dafür und für dieImpfzentren seien erfolgreich mit dem Land vereinbart, das anfangs holprige Terminmanagement sei mittlerweile geordnet, und, und, und. „Möglich wird dies nur durch das unglaublich hohe Engagement der Mitarbeiter in der Verwaltung, die zum Teil im Schichtbetrieb arbeiten und auch kein Wochenende kennen. Dafür herzlichen Dank!“, so der KVBB-Vorsitzende. Doch auch die besten Vorbereitungen nützten nichts, wenn die Bundesebene ihre Zusagen nicht halte und es beispielsweise zu überraschenden Lieferausfällen bei Impfstoffen komme. Nur deshalb hätten auch Dienste in den Impfzentren kurzfristig abgesagt werden müssen.

 

Impfen in der Arztpraxis
Dipl.-Med. Andreas Schwark, Vorstand der KVBB, erklärte der VV die Auswahl der Praxen für das Modellprojekt „Impfen in der Arztpraxis“. Rund 600 Praxen hätten ihre Bereitschaft zur Teilnahme am Pilotprojekt signalisiert. Um von diesen 50 für den Start auszuwählen, seien unter anderem Kriterien wie das Nichtvorhandensein eines Impfzentrums im Mittelbereich, die Impfung von mehr als 150 Patienten pro Woche sowie die Bereitschaft zum Impfen „fremder“ Patienten herangezogen worden, so der KVBB-Vize. Aus politischen Gründen seien außerdem Interessenbekundungen der kommunalen Familie, der Landräte und Oberbürgermeister, beachtet worden. Um das Impfen regelhaft in alle Praxen zu bringen, müsse jedoch die Bundes-Impfverordnung erweitert werden. Eine entsprechende Resolution aus der VV wurde einstimmig angenommen.

 

Personalintensive Arbeit
Im Anschluss erklärte Holger Rostek, Vorstand der KVBB, die Projektstruktur der landesweiten Impfkampagne und die Aufgaben der KVBB. Das Land habe die KVBB mit zwei Teilprojekten beauftragt: dem Aufbau und Betrieb der Impfzentren sowie der Terminvergabe. Wie komplex diese Aufgaben sind, zeigt die Zahl der mit dem Impfprojekt beschäftigten Personen: 140 KVBB-Mitarbeiter, 650 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, 60 Bundeswehrsoldaten, 300 Personen von externen Firmen. Hinzu kämen die Praxis-Teams für täglich bis zu 72 Impfstraßen, so Herr Rostek. Damit seien insgesamt über 1.500 Personen in den Teilprojekten der KVBB aktiv.

 

Schutzschirm
So ganz konnte MUDr./ČS Peter Noack in seinem dann folgenden Bericht zur Lage das Thema aber doch nicht wechseln. Unter anderem erläuterte er der VV die aktuelle Gesetzgebung zum Corona-Schutzschirm für Praxen, der sich zukünftig nur noch auf die Morbiditätsbedingte Gesamtvergütung und nicht mehr auf extrabudgetäre Leistungen beziehen soll. Die vom Vorstand dazu eingebrachte Resolution wurde einstimmig verabschiedet.

 

Ambulantisierung
Ein weiteres Thema war die Ambulantisierung. Nachdem die VV in einer Klausursitzung im vergangenen Herbst dem Vorstand der KVBB ein positives Votum erteilt hatte, das Thema Ambulantisierung und Überführung des Innovationsfondsprojektes Templin in die Regelversorgung mit finanziellen Mitteln aus dem Strukturfonds weiter zu verfolgen, musste hierzu die Diskussion nochmals stattfinden. Die Fachausschüsse für die hausärztliche und fachärztliche Versorgung hatten zwischenzeitlich Vorbehalte geäußert. Nach intensiver Diskussion mit zahlreichen Pro- und Kontrameldungen wurde jedoch mit großer Mehrheit die Freigabe beider Projekte beschlossen.

 

Bereitschaftsdienst
Ein positives Zwischenfazit zum weiterentwickelten Bereitschaftsdienst und der Planungssoftware BD-Online zog Dipl.-Med. Andreas Schwark. Start der Planung war der 1. September des vergangenen Jahres. „Zu dem Zeitpunkt waren alle Bereitschaftsdienste für das 1. Quartal 2021 selbständig online buchbar. Die Dienstplanungen für das erste und zweite Quartal sind bereits abgeschlossen.“ Aufgrund der positiven Erfahrungen laufe die Dienstplanung für die elf Impfzentren im Land auch über die Online-Lösung.

 

Dipl.-Med. Andreas Schwark freute sich vor allem darüber, dass die freiwillige Dienstübernahme so gut laufe. Für das 1. Quartal 2021 wurden 5,2 Prozent der Dienste nicht freiwillig übernommen. Im zweiten Quartal seien es lediglich noch 2,2 Prozent.

 

Digitalisierung
KVBB-Vorstand Holger Rostek widmete sich in seinem Bericht seinem Lieblingsthema, der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Er erläuterte den Delegierten den aktuellen Umsetzungsstand zu Stichworten wie elektronischer Heilberufeausweis, elektronische Patientenakte, KIM-Dienste, E-Medikationsplan oder Notfalldatenmanagement. Vieles werde vorbereitet, vieles werde umgesetzt, aber es hake auch weiterhin an verschiedenen Stellen, so sein Fazit. Herr Rostek bot den Vertretern an, für alle interessierten Mitglieder ein Webinar zum Stand der Digitalisierung auszurichten.


Einig war sich die Vertreterversammlung darin, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens weiter an Fahrt aufnehme. „Immer mehr Patienten nutzen die telemedizinischen Lösungen. Dabei darf unsere Arbeit nicht zur Fernwartung der Patienten werden“, so das Statement des Cottbuser Orthopäden Dipl.-Med. Michael Kirsch. Sein hausärztlicher Kollege Dr. Stefan Roßbach-Kurschat ergänzte: „Wir brauchen unbedingt gute Controlling- Instrumente, damit die Telemedizin nicht missbraucht wird.“ Darüber wird sicher auf den kommenden Vertreterversammlungen in diesem Jahr diskutiert werden.

 

 

23.03.2021