Zehn Euro für Erstbefüllung der elektronischen Patientenakte (ePA)

Vertragsärzte können die sektorenübergreifende Erstbefüllung einer ePA ab sofort und auch rückwirkend bis zum 1. Januar 2021 abrechnen.

 

Vertragsärzte setzen bei einer auf Wunsch des Versicherten vorgenommenen sektorenübergreifenden Erstbefüllung der ePA die Pseudo-Gebührenordnungsposition (GOP) 88270 an, die mit 10 Euro bewertet ist.

 

Die sektorenübergreifende Erstbefüllung darf je Patient nur einmal abgerechnet werden.

 

Die GOP 88270 ist im Behandlungsfall nicht neben der GOP 01647 „Zusatzpauschale ePA-Unterstützungsleistung“ sowie der GOP 01431 „Zusatzpauschale ePA zu den GOP 01430, 01435 und 01820“ (siehe KV Intern 03/2021) berechnungsfähig.

 

Mit der Erstbefüllung sind keine vertragsärztlichen Beratungspflichten zur Funktionalität oder Nutzung der ePA verbunden.

 

Wie kann eine Erstbefüllung der ePA erkannt werden?

Eine Erstbefüllung liegt vor, wenn noch keine Inhalte von einem Vertragsarzt, einem Psychotherapeuten, einem im Krankenhaus tätigen Arzt oder einem Zahnarzt in die ePA eingestellt worden sind. Eine Erstbefüllung kann auch dann noch vorliegen, wenn der Versicherte selbst bereits eigene Inhalte in die ePA eingestellt hat.

 

Das erkennbare Fehlen von Inhalten im Leistungserbringerbereich der ePA ist ein Indiz für den Vertragsarzt, dass er die ePA als Erster befüllt.

 

Der Versicherte hat bei der patientengeführten ePA jedoch die volle Souveränität und kann eingestellte Daten löschen. Deshalb können aus einem Leistungserbringerbereich der ePA, in dem zum Zeitpunkt der Einsichtnahme keine Inhalte abgelegt sind, im Einzelfall bereits eingestellte Inhalte durch den Versicherten gelöscht worden sein. In diesem Fall hat der Vertragsarzt keinen Anspruch auf Berechnung der Erstbefüllungspauschale.

 

Somit besteht momentan das Problem, dass Vertragsärzte nicht sicher erkennen können, ob sie im Einzelfall eine Erstbefüllung vornehmen.

 

Prüfung durch die Krankenkassen

Die Krankenkasse prüft, ob im Einzelfall für einen Versicherten eine Erstbefüllung mehr als einmal abgerechnet worden ist. Hat ein Vertragsarzt aufgrund einer vorherigen Erstbefüllung keinen Anspruch auf die Erstbefüllungspauschale von 10Euro, erhält die Kassenärztliche Vereinigung eine Rückforderung der Krankenkasse.

 

Die Vertragspartner setzen sich bei der gematik GmbH dafür ein, dass die Transparenz über vorgenommene Erstbefüllungen durch technische Lösungen in der ePA verbessert wird und bürokratischer Prüfungsaufwand entfällt.

 

 

17.09.2021