Ab April steht das neue Angebot für Patienten mit Tuberkulose zur Verfügung, ab Juli außerdem für Patienten mit gastrointestinalen Tumoren. Weitere Indikationen, auch andere Krebserkrankungen, sollen nach und nach folgen.

 

Ziel der ASV ist es, Patienten mit seltenen Erkrankungen oder schweren  Krankheitsverläufen durch eine enge Verzahnung von Spezialisten verschiedener Fachdisziplinen bestmöglich zu versorgen.

 

Die Behandlung übernimmt ein Team, dem je nach Indikation ganz bestimmte Fachärzte und auch Psychotherapeuten angehören. Diese stehen teilweise permanent zur Verfügung, weitere können bei Bedarf hinzugezogen werden, um den Patienten so individuell wie möglich zu versorgen. Je nach Krankheitsbild sieht die ASV Kooperationen mit Klinikärzten, aber auch sozialen oder palliativmedizinischen Diensten vor. Die Spezialärzte müssen hohe Qualitätsanforderungen erfüllen. Die Teilnahme ist für Patienten – und natürlich auch für Ärzte – freiwillig.

 

 

Im März 2013 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die ASV-Richtlinie beschlossen. Sie gibt vor, wie die ASV aufgebaut ist und arbeiten soll. In den Anlagen werden diese Vorgaben dann für jedes Krankheitsbild konkretisiert.

 

Wer kann teilnehmen

An der ASV teilnehmen können Fachärzte, Medizinische Versorgungszentren sowie gegebenenfalls ermächtigte Ärzte und Krankenhäuser, sofern sie die in der ASV-Richtlinie und den jeweiligen Anlagen definierten Anforderungen erfüllen. Dabei setzt die Teilnahme an der ASV die Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team voraus. Dieses Team besteht aus einem Teamleiter, einem Kernteam sowie weiteren Fachärzten, die bei Bedarf hinzugezogen werden:

 

  • Der Teamleiter übernimmt die fachliche und organisatorische Koordination.
  • Die Mitglieder des Kernteams sind Fachärzte, die aufgrund ihrer Kenntnisse und Erfahrungen bei der Behandlung der jeweiligen Erkrankung mitwirken. Es ist vorgesehen, dass die Mitglieder des Kernteams an mindestens einem Tag in der Woche eine Sprechstunde in der Praxis des Teamleiters anbieten. Die Mitglieder sollten in angemessener Nähe zum Teamleiter praktizieren.
  • Die dritte Ebene bilden die hinzuzuziehenden Fachärzte, deren Kenntnisse bei einem Teil der Patienten ergänzend benötigt werden. Ihr Tätigkeitsort muss ebenfalls in angemessener Entfernung von dem des Teamleiters liegen.

 

Im Einzelfall können auch Ärzte des hausärztlichen Versorgungsbereichs an der ASV teil-nehmen (z.B. bei der HIV-/Aids-Versorgung). Auch Psychologische Psychotherapeuten oder Zahnärzte können zur Behandlung hinzugezogen werden

 

Erweiterter Landesausschuss prüft Zugangsvoraussetzungen

Ärzte und Krankenhäuser, die an der ASV teilnehmen wollen, zeigen dies dem erweiterten Landesausschuss (eLA) als Team an. Um an der ASV teilnehmen zu können, muss das ASV-Team beim eLA nachweisen,

  • dass es alle Anforderungen und Qualifikationsvoraussetzungen der ASV-Richtlinie erfüllt.
  • Darüber hinaus sind schriftliche Kooperationsvereinbarungen zwischen den einzelnen Teammitgliedern erforderlich.

 

Der ASV-Teamleiter reicht die gesammelten Unterlagen seines Teams beim eLA ein. Der Teamleiter und die Mitglieder des Kernteams sind dabei namentlich zu benennen. Bei den hinzuzuziehenden Ärzten kann auch eine Institution genannt werden.

Der Ausschuss ist besetzt mit Vertretern der regionalen Kassenärztlichen Vereinigung, der Krankenkassen und der Landeskrankenhausgesellschaft. Er prüft, ob die Teams die Qualifikationsvoraussetzungen erfüllen und ob die organisatorischen und infrastrukturellen Anforderungen gegeben sind. Dafür hat der eLA mindestens zwei Monate Zeit. Trotz der Vorgabe zur Kooperation im Team erhält jeder Arzt eine individuelle ASV-Berechtigung.

 

Welche Leistungen gehören zur ASV

Welche Leistungen zur ASV gehören, wird in den Anlagen zur ASV-Richtlinie für jede Erkrankung beschrieben. In einem sogenannten Appendix sind alle Gebührenordnungspositionen aufgeführt, die im Rahmen der ASV abgerechnet werden können, und – das ist eine Besonderheit – ausgewählte Leistungen für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die nicht im EBM enthalten sind.

 

Abrechnung

Jeder Arzt rechnet seine ASV-Leistungen selbst ab. Die Abrechnung kann über die KV erfolgen, über eine private Verrechnungsstelle oder direkt mit den Krankenkassen. Bei der Ab-rechnung über die KV ändert sich für die Ärzte – bis auf die zusätzliche Angabe der ASV-Teamnummer – wenig.

 

Vergütung

Die Vergütung ist für Praxis- und Klinikärzte einheitlich. Alle Leistungen werden zu festen Preisen bezahlt, extrabudgetär und ohne Mengenbegrenzung. Der GKV-Spitzenverband, die KBV und die Deutsche Krankenhausgesellschaft haben die Aufgabe, eine eigene Vergütungssystematik für die ASV zu entwickeln. Bis dahin gelten die Preise des EBM. Leistungen, die nicht im EBM enthalten sind und abgerechnet werden dürfen, werden gesondert vergütet.

 

Überweisungen

Die Überweisung in den ASV-Bereich kann für ein oder für mehrere Quartale erfolgen. Zum Zeitpunkt der Überweisung muss eine gesicherte Diagnose, bei seltenen Erkrankungen reicht eine Verdachtsdiagnose. Der ASV-Arzt informiert seinen Kollegen über die Aufnahme und den Abschluss der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung.

Kein Überweisungserfordernis besteht, wenn Patienten von einem niedergelassenen Fach-arzt in den neuen Versorgungsbereich aufgenommen werden, der ASV-berechtigt ist, oder direkt aus dem stationären Bereich in die ASV wechseln. Auch zwischen den Mitgliedern des ASV-Kernteams (erste und zweite Ebene) sind keine Überweisungen erforderlich, nur, wenn ein ASV-Facharzt aus der dritten Ebene hinzugezogen wird.

 

Verordnungen

Die Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmittel unterliegt dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit. Anders als in der vertragsärztlichen Versorgung gibt es in der ASV jedoch keine Richt-größen, die einzuhalten sind. Die Verordnungen fallen nicht unter die Wirtschaftlichkeitsprüfungen des Kollektivvertrages.

 

Formulare

Ärzte nutzen in der ASV die Formulare, die sie auch in der vertragsärztlichen Versorgung verwenden. Es erfolgt lediglich eine Kennzeichnung, dass es sich um einen ASV-Fall handelt. Ein neues Formular gibt es nur für die Verschreibung von Arzneimitteln. Bei ASV-Rezepten ist in der Codierleiste die Pseudoziffer „222222222“ (neunmal die zwei) eingedruckt. Es ist wichtig, dass die Ärzte diese Rezepte verwenden, damit die Verordnungen für ASV-Patienten nicht ihr Richtgrößenvolumen belasten.