Qualitätszirkelarbeit in Brandenburg

Offener Brief

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,


wie bilden Sie sich fort? Haben Sie beim Punktesammeln für das Fortbildungszertifikat Aha-Erlebnisse und das Gefühl, das war richtig wichtig und der Aufwand hat sich gelohnt? Gehen Sie aus einer Fortbildung mit einem guten Gefühl, zufrieden, dass Sie diesen Beruf haben und im Bewusstsein, in Verbindung und in gegenseitiger Unterstützung mit Kollegen und Kolleginnen zu arbeiten?


Fast 40 Prozent der in Deutschland niedergelassenen Ärzte, Ärztinnen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sitzen regelmäßig in Qualitätszirkeln zusammen und bilden sich im Zirkel fort. Von KV zu KV etwas unterschiedlich liegt Brandenburg bei diesem Prozentsatz ziemlich genau im deutschen Mittel.


Was macht diese neue/alte Fortbildungsform so attraktiv? Neu ist der Name und das ausformulierte Konzept von Qualitätszirkeln. Uralt ist der Austausch mit Kollegen zu einem komplizierten Patientenfall, das Sich-Rat-Holen und das gemeinsame Beraten über einen schwierigen Patientenfall.


Qualitätszirkel arbeiten auch in den meisten Ländern Europas am häufigsten patientenfallbezogen, das heißt, es geht um einen konkreten Patientenfall mit all seinen Aspekten. Um einem Patientenfall, einem erkrankten Menschen, gerecht zu werden, bedarf es der gründlichen Kenntnisse über den Stand unserer Wissenschaft und der Kunst, dieses Wissen anzuwenden und gegebenenfalls an die Wirklichkeit eines Patientenfalls anzupassen.


Qualitätszirkel sind also zum einen der ständigen Wissensüberprüfung und dem fortlaufenden Erwerb von neuem Wissen bei ständig anwachsender Wissensfülle gewidmet – das haben sie mit anderen Fortbildungsformaten gemeinsam – zum anderen aber auch dem Wissenstransfer in die Patientenfallwirklichkeit und das macht sie so besonders. Besonders an Qualitätszirkeln ist auch:

  • dass sie den Rahmen für viele verschiedene Fortbildungsformate bilden können – von Referaten, Expertenvorträgen über interaktive Experteninterviews bis hin zu vielen anderen themenadäquaten Vorschlägen ein Thema zu bearbeiten, sogenannten Modulen (zum Beispiel dem Modul „Barrierearme Praxis“, bei dem die Praxen der Teilnehmer gemeinsam begangen werden und kreative, kostengünstige und pragmatische Lösungen für gemeinsam identifizierte Barrieren entwickelt werden),
  • ihre vollständige Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit
  • dass man in einem Qualitätszirkel einen wirklich schwierigen Patientenfall zu Nutzen des erkrankten Menschen vertraulich besprechen kann.

Erkennen Sie den Qualitätszirkel, in dem Sie regelmäßig sitzen, wieder, oder ist Ihr Qualitätszirkel ganz anders? Moderatorinnen und Moderatoren, die mehr über ganz verschiedene Möglichkeiten der Qualitätszirkelarbeit oder auch den Umgang mit anstrengenden oder schläfrigen Qualitätszirkeln erfahren möchten, sind herzlich eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Kolleginnen und Kollegen, die einen Qualitätszirkel für sich suchen oder sich vorstellen können, einen Qualitätszirkel zu gründen, ebenfalls.


Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Qualitätszirkel-Tutoren-Team
Dr. Friederike Bressel, FÄ für Allgemeinmedizin, bressel@praxis-bressel.de
Kang-Hyeb Lee, FA für Allgemeinmedizin, kh-lee@web.de

25.09.2019