Bewertungskriterien ärztlicher Fortbildung und das GKV-Modernisierungsgesetz (GMG)

Von Dr. med. Manfred Kalz, Vorsitzender der Akademie für ärztliche Fortbildung Brandenburg

Das GMG hat - wie im Brandenburgischen Ärzteblatt 4/2004 dargelegt - Zeitraum und Umfang der ärztlichen Pflichtfortbildung festgelegt.
Der Deutsche Senat für ärztliche Fortbildung und die Bundesärztekammer gehen davon aus, dass die Einheitlichen Bewertungskriterien, die für das "Freiwillige Fortbildungszertifikat der Ärztekammern" erarbeitet wurden, übernommen werden. Die Einheitlichen Bewertungskriterien legten dem Erwerb des Freiwilligen Fortbildungszertifikats der Ärztekammern eine differenzierte Fortbildung mit Obergrenzen für verschiedene Fortbildungsaktivitäten zugrunde.
So können durch Kongressbesuche maximal 20 Punkte pro Jahr erworben werden, auch dann, wenn die tatsächlich aufgewandte Fortbildungszeit wesentlich höher ist; ebenso wurden die Fortbildungspunkte für strukturierte interaktive Fortbildung via Printmedien, Online-Medien, audiovisuelle Medien und für Hospitationen auf je 20 Punkte pro Jahr begrenzt.
In der letzten Fassung der Einheitlichen Bewertungskriterien vom 15. 11. 2002 gelten die Obergrenzen über den gesamten Fortbildungszeitraum, also z. B. 60 Punkte für Kongressbesuche in drei Jahren. Der Grundgedanke dieser Vorgaben war, eine einseitige undifferenzierte Fortbildung zu vermeiden.
Im Deutschen Senat für ärztliche Fortbildung soll dieses relativ stringente Regelwerk noch einmal zur Diskussion gestellt werden. Die Akademie für ärztliche Fortbildung der Landesärztekammer Brandenburg wird sich für eine Liberalisierung der Bewertungskriterien einsetzen.
Unabhängig von der Gestaltung der Bewertung sollte jeder Arzt, der der Fortbildungspflicht unterliegt, seine Fortbildung planen und optimieren.
Regelmäßige Aktivitäten, wie die Qualitätszirkelarbeit der niedergelassenen Fachärzte oder Fortbildungsreihen im Krankenhaus, ergeben zusammen mit dem Selbststudium einen Basiswert, der dann durch zusätzliche Aktivitäten ergänzt werden muss.

Beispiel Dr. Mustermann - Zeitraum 2004 - 2009

MaßnahmePunkte
Selbststudium 50
Qualitätszirkel (10mal im Jahr, jeweils 135 Minuten = 3 Fortbildungsstunden/Sitzung + 1 Zusatzpunkt/Sitzung) 200
2 Kongressbesuche je drei Tage 36
1 Kongressbesuch 2 ½ Tag 15
Fortbildung Zeitschrift (DMW-CME mit Evaluationsnachweis) 100
10 Vorträge jeweils ½ Tag 40
3 Hospitationen jeweils 2 ½ Tage 60
Gesamt 501


Geschafft! - und es war gar nicht so einfach.
Sie können natürlich ein anderes, Ihr individuelles Fortbildungsprogramm wählen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen - so sehr wir das bedauern mögen - eine spontane, nur den speziellen Interessen folgende Fortbildung wird sehr problematisch, selbst für routinierte Kongressbesucher. Sie müssen sich über die Struktur Ihrer Fortbildung Gedanken machen und die eigenen Vorstellungen optimal umsetzen, sonst kann es im letzten Jahr knapp werden, und dann droht der Gesetzgeber mit finanziellen Strafen - so sehr wir auch das bedauern. Solange das GMG in Kraft bleibt, gelten diese Regeln!
Als Anhang finden Sie den vollständigen Text der Einheitlichen Bewertungskriterien in der Fassung vom 15. 11. 2002.

Einheitliche Bewertungskriterien

Die Grundeinheit der Fortbildungsaktivitäten ist der Fortbildungspunkt. Dieser entspricht in der Regel einer akademischen Stunde (45 Minuten).

Kategorie A:
Vortrag und Diskussion
1 Punkt pro Fortbildungsstunde, maximal 8 Punkte pro Tag

Kategorie B:
mehrtägige Kongresse im In- und Ausland:
wenn kein Einzelnachweis entsprechend der Kategorie A bzw. C erfolgt, 3 Punkte pro 1/2 Tag bzw. 6 Punkte pro Tag innerhalb der Kategorie B werden maximal 60 Punkte in drei Jahren anerkannt

Kategorie C:
Fortbildung mit konzeptionell vorgesehener Beteiligung jedes einzelnen Teilnehmers (z. B. Workshop, Arbeitsgruppen, Qualitätszirkel, Balintgruppen, Kleingruppenarbeit, Supervision, Fallkonferenzen, Literaturkonferenzen, praktische Übungen): 1 Punkt pro Fortbildungsstunde
1 Zusatzpunkt pro Veranstaltung bis zu 4 Stunden, max. 2 Zusatzpunkte pro Tag

Kategorie D:
strukturierte interaktive Fortbildung via Printmedien, online-Medien und audiovisuelle Medien mit nachgewiesener Qualifizierung und Auswertung des Lernerfolgs in Schriftform. Die hierfür anrechenbaren Medien und Inhalte müssen zuvor von einer Landesärztekammer anerkannt werden:
1 Punkt pro Übungseinheit (entspricht in der Regel einer akademischen Stunde) innerhalb der Kategorie D werden maximal 60 Punkte in drei Jahren anerkannt

Kategorie E:
Selbststudium durch Fachliteratur und -bücher sowie Lehrmittel: innerhalb der Kategorie E werden 30 Punkte für drei Jahre anerkannt.

Kategorie F:
Autoren erhalten 1 Punkt pro Beitrag
Referenten/Qualitätszirkelmoderatoren erhalten 1 Punkt pro Beitrag/Poster/Vortrag zusätzlich zu den Punkten der Teilnehmer innerhalb der Kategorie F werden maximal 30 Punkte in drei Jahren anerkannt

Kategorie G:
Hospitationen: 1 Punkt pro Stunde, maximal 8 Punkte pro Tag
innerhalb der Kategorie G werden maximal 60 Punkte in drei Jahren anerkannt

Lernerfolgskontrolle: 1 Zusatzpunkt bei den Kategorien A bis C

18.06.2004