Coronavirus: Sonderregelungen in der Psychotherapie

Bis zum 31.12.2020  gilt weiterhin:

  • Psychotherapeutische Sprechstunden per Video: in Ausnahmefällen, z. B. wenn ein Aufsuchen der Praxis dem Patienten nicht zumutbar ist
  • Probatorische Sitzungen per Video: in Ausnahmefällen, z. B. wenn ein Aufsuchen der Praxis dem Patienten nicht zumutbar ist
  • Gruppentherapie kann unbürokratisch in Einzeltherapie umgewandelt werden: für je eine bewilligte Gruppensitzung (100 Min.) darf je eine Einzelsitzung durchgeführt werden (50 Min.), formlose Anzeige bei der Krankenkasse erforderlich
  • Neuropsychologische Therapie: Probatorische Sitzungen dürfen auch in der Neuropsychologischen Therapie per Video durchgeführt werden

Psychotherapeutische Sprechstunden und probatorische Sitzungen per Video
Die Psychotherapeutische Sprechstunde erfordert weiterhin grundsätzlich die Anwesenheit der Patientin oder des Patienten, da insbesondere für Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung der unmittelbare persönliche Kontakt im Regelfall notwendig ist. Gegebenenfalls muss die Sprechstunde auf ein Mindestmaß reduziert werden, um Infektionsrisiken zu minimieren. Vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie kann es im Einzelfall sinnvoll sein, Patientinnen und Patienten den Weg in die Praxis nicht  zuzumuten, wenn hierdurch andere Gefahren vermieden werden können. Die Durchführung von Psychotherapeutischen Sprechstunden und probatorischen Sitzungen werden daher für einen begrenzten Zeitraum auch im Rahmen der Videosprechstunde ermöglicht.


Dies erlaubt es, diagnostische Einschätzungen und eine Einleitung von Psychotherapie auch per Video vorzunehmen. Eine Psychotherapie kann somit auch ohne physischen Kontakt zwischen Patientin oder Patient und Therapeutin oder Therapeut beginnen. Dies sollte besonderen Einzelfällen vorbehalten bleiben. Therapeutinnen und Therapeuten müssen die Vorgaben ihrer Landeskammer zur Berufsordnung in Bezug auf die Gestaltung der Erstkontakte beachten. Diesbezüglich gehen wir davon aus, dass entsprechende Informationen durch die Kammern vorgehalten werden.

 

Hinweise zur Abrechnung

Zur Umsetzung der Sonderregelungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab haben sich die KBV und GKV-Spitzenverband darauf geeinigt, dass folgende Gebührenordnungspositionen (GOP) bis zum 31.12.2020 auch abgerechnet werden dürfen, wenn die Leistungen in einer Videosprechstunde durchgeführt wurden:

  • GOP 30931 (Probatorische Sitzung in der neuropsychologischen Therapie),
  • GOP 35150 (Probatorische Sitzung in der Richtlinien-Psychotherapie) und
  • GOP 35151 (Psychotherapeutische Sprechstunde).

Ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt gemäß 4.3.1 der Allgemeinen Bestimmungen muss nicht vorausgegangen sein. Ferner wird für die GOP 30931, 35150 und 35151 der Technikzuschlag (GOP 01450) gezahlt.


Des Weiteren sind die neuropsychologischen und psychotherapeutischen Leistungen der Abschnitte 30.11, 35.1 und 35.2, die bereits vorher per Videosprechstunde durchgeführt und abgerechnet werden konnten, auch ohne vorausgegangenen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt berechnungsfähig.

 

Umwandlung von Gruppentherapie

Genehmigte Leistungen einer Gruppenpsychotherapie können übergangsweise in Einzelpsychotherapie umgewandelt werden, ohne dass hierfür eine gesonderte Antragstellung bei der Krankenkasse oder Begutachtung erfolgen muss. Auch diese Regelung gilt bis Jahresende. Die Umwandlung erfolgt über die „Therapieeinheit“:

  • Für je eine Therapieeinheit genehmigte Gruppentherapie (entspricht einer Sitzung mit 100 Minuten) kann bei Bedarf max. je Patient der Gruppe eine Einzeltherapie (entspricht einer Sitzung mit 50 Minuten) durchgeführt und abgerechnet werden.
  • Psychotherapeuten müssen die Umwandlung lediglich formlos der Krankenkasse mitteilen (kein Formular notwendig).

Durch die Umwandlung von Gruppen- in Einzelsitzungen können im unmittelbaren persönlichen Kontakt Infektionsrisiken minimiert werden, wenn dies erforderlich ist. Darüber hinaus können diese Einzelsitzungen bei Bedarf – anders als Gruppensitzungen – per Video durchgeführt werden. Die Psychotherapie-Vereinbarung schließt die Durchführung von Gruppentherapie per Video aus. Vor dem Hintergrund datenschutzrechtlicher Vorgaben sind Gruppentherapien in Videokonferenzen außerdem derzeit technisch nur äußerst aufwendig in ausreichend sicherer Form umsetzbar und zudem fehleranfällig. Die Anlage 31b zum BMV-Ä sieht für Videosprechstunden Peer-to-Peer-Verbindungen ohne Nutzung eines zentralen Servers vor.


Hinweise zu Hygiene- und Schutzmaßnahmen in psychotherapeutischen Praxen
Psychotherapeutische Behandlungen sind auch im unmittelbaren persönlichen Kontakt weiterhin notwendig und sinnvoll. Zur notwendigen Versorgung der Bevölkerung müssen die Praxen daher, soweit es die äußeren Umstände erlauben, auch physisch für Patientinnen und Patienten erreichbar bleiben. Insbesondere in Akutfällen und gerade in Zeiten, die die psychische Belastbarkeit zunehmend herausfordern, ist eine therapeutische Konstante auch am Ort der Praxis besonders wichtig.


Die Durchführung von Gruppentherapien ist weiterhin zulässig, da es sich hierbei um medizinisch notwendige Maßnahmen handelt. Ob eine Durchführung weiterhin zumutbar ist, müssen Therapeutinnen und Therapeuten im Rahmen ihrer Verantwortung abwägen. Sie sollten kritisch prüfen, ob dies unter Beachtung des Infektionsschutzes möglich ist oder gegebenenfalls ein verstärktes Angebot von Einzelkontakten über einen begrenzten Zeitraum sinnvoller ist.


Um Infektionsrisiken in den Praxen zu reduzieren (z. B. durch Hygiene-Regeln) sind entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Hilfreiche Informationen sind auf den Informationsseiten der KBV, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Robert Koch-Institutes (RKI) zu finden:

10.11.2020