Fortbildungspflicht – auch ein für die Außendarstellung wichtiges Element

Aktuell im Gespräch mit Dipl.-Med. Andreas Schwark, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der KV Brandenburg

Herr Schwark, die KV hat Ende Februar, Anfang März an über 2.400 Vertragsärzte Briefe gesandt mit der Erinnerung, dass die Frist der Nachweiserbringung für die erworbenen Fortbildungspunkte zum 30.6.2009 abläuft. Heißt das, über zwei Drittel der Ärzte haben Probleme mit der Fortbildungszertifizierung?

Nein, das kann man nicht daraus ableiten; sie haben nur noch keinen Nachweis bei der KV eingereicht. Deshalb haben wir sie mit diesem Schreiben erinnert, es zu tun, denn der Gesetzgeber hat schmerzliche Konsequenzen beschlossen, wenn die vorgeschriebene Fortbildung nicht nachgewiesen wird.

Dann wird das Honorar gekürzt.

Richtig. So sehen es die Vorschriften vor. Viele Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen zeigen mir jedoch, dass die vorgegebene Mindestpunktzahl von 250 Fortbildungspunkten von sehr vielen bereits erreicht ist. Sie haben nur noch keine Zertifizierung bei der Kammer beantragt.

Nun ist ja der Zeitraum von fünf Jahren groß. Das heißt, jene Ärzte, Psychotherapeuten und auch Fachwissenschaftler der Medizin, die zum 1.7.2004 niedergelassen waren, unterliegen dieser Regelung.

Ja, alle niedergelassenen, alle zu diesem Zeitpunkt in Niederlassung, in den sogenannten 311er Einrichtungen und MVZ angestellte sowie durchgehend ermächtigte Ärzte, Psychotherapeuten und auch Fachwissenschaftler der Medizin, sind von dieser Regelung betroffen.

Und jene, die erst später ins System gekommen sind?

Für Kollegen, die nach dem 30.6.2004 ins System kamen, gilt ab Aufnahme ihrer Praxistätigkeit ihr ganz individueller Fünf-Jahres-Zeitraum. Also, wer zum 1.4.2009 begann, bei dem wäre der 31.3.2014 der Stichtag.

An vielen Stammtischen wird auch diskutiert, dass jene, die mehr als 250 Punkte haben, diese sich quasi anrechnen lassen können auf den kommenden Fünfjahreszeitraum.

Ich weiß, dass es solche Ansichten gibt, aber sie sind falsch. 250 Punkte sind die Mindestmenge, mehr ist immer möglich. Der Punktestand wird mit der Erteilung des Zertifikats durch die Landesärztekammer auf Null gesetzt. Somit gibt es kein „Ansparen“ von Fortbildungspunkten.

Wenn mir als Arzt jetzt noch 20 Punkte fehlen – wo und wie kann ich in der restlichen Zeit dieses Defizit tilgen?

Ich verweise hier auf das Fortbildungsportal der Bundesärztekammer unter www.bundesaerztekammer.de im Internet. Dort sind bundesweit noch alle offenen zertifizierten Fortbildungsangebote aufgelistet. Auf diese Weise können schnell und relativ problemlos diese Defizite ausgeglichen werden. Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch Angebote hier in Brandenburg. Da sollte einfach im Fortbildungskalender, der jedem Kollegen zugesandt wurde, nachgeschaut werden. Auch die Teilnahme an Qualitätszirkeln bringt ja noch Punkte.

Oder natürlich auf unserer Hompage. Zurück noch einmal zu den möglichen Honorarkürzungen …

Ich appelliere noch einmal an alle Kolleginnen und Kollegen: Nehmen Sie dies bitte nicht auf die leichte Schulter! Es gibt klare gesetzliche Regelungen und eindeutige Fristen, an die die KV gebunden ist. Der 30.6.2009 ist ein solcher Stichtag.

Da müssen die Zertifizierungsanträge – der Poststempel entscheidet – bei der Kammer in Cottbus vorliegen?

So ist es. Wenn nicht, dann sind wir als KV verpflichtet, den betroffenen Kolleginnen und Kollegen per Bescheid die Honorarkürzung ab dem III. Quartal 2009 anzukündigen.

In welcher Höhe?

Für das 1. bis 4. Folgequartal 10 Prozent, im 5. bis 8. Folgequartal um jeweils 25 Prozent.

Warum tun sich ganz offensichtlich viele Vertragsärzte so schwer mit dieser Zertifizierung?

Das kann ich so nicht einschätzen. Ich bin auch – wie bereits gesagt – überzeugt davon, dass viele die Punkte längst im Kasten haben. Andererseits – es ist eminent wichtig, dass wir auch nach außen den Fortbildungswillen und die Fortbildungsaktivitäten demonstrieren und dokumentieren. Die Diskussion um Qualität muss immer auch eine öffentliche sein. Nicht zuletzt mit Blick auf die Verhandlungen mit den Kassen zu den Honorarabschlüssen.

Herr Schwark, ich danke Ihnen für das Gespräch
Gefragt und notiert von Ralf Herre

30.04.2009