Nicht erst im Ernstfall an den Notfall denken

Axel Nöding, MVZ-Leiter und Referent beim diesjährigen Märkischen Praxistag, erläutert wie ein gutes Qualitätsmanagement hilft, den Notfall planbar zu machen.

 

Herr Nöding, was ist ein Notfall in der Arztpraxis?
Den Notfall in der Arztpraxis gibt es nicht. Im Gegenteil, sie können in ganz verschiedenen Facetten auftreten. Es kann ein Patient sein, der plötzlich bewusstlos im Wartezimmer zusammenbricht. Oder die Praxis-IT, die zu Sprechstundenbeginn komplett den Dienst verweigert. Oder aber auch der Praxischef, der schwer erkrankt und deshalb für längere Zeit ausfällt.

 

„Für den Notfall Rahmenbedingungen schaffen und das Unerwartete managen“, so der Titel des Seminars, bei dem Sie zu den Referenten gehören. Was erwartet die Teilnehmer?
Die Teilnehmer sollen für einen risikobasierten Prozessansatz sensibilisiert werden. Hierbei ist es wichtig, dass die klassischen Betrachtungsweisen eines Prozesses hinterfragt werden: Entspricht das, was ich meine zu beobachten, den tatsächlichen Gegebenheiten? Muss ich wirklich für jedes Risiko die maximale Reaktion planen? Dazu werden einige klassische Werkzeuge des Risikomanagements besprochen und in Praxisbeispielen angewandt. Ebenso werden die Grundzüge der Vermeidung von Fehlern und der Abwehr von unerwünschten Ereignissen besprochen.

 

Niemand denkt gerne an Notfall-Szenarien. Warum ist es dennoch wichtig, sich damit zu beschäftigen?
Der Eintritt eines Notfall-Szenarios ist sicherlich eine der unangenehmsten Vorstellungen bei der Planung einer Prozesslandschaft. Dennoch muss bereits die Planung von Prozessen Maßnahmen bei Abweichungen beinhalten. Diese müssen dann allerdings auch im Team besprochen und geübt werden. Ein Notfall-Szenario unvorbereitet im Ernstfall zu erleben, ist mit Sicherheit die denkbar ungünstigste Variante.

 

Wie kann ein erfolgreich implementiertes Qualitätsmanagement in Vorbereitung auf Notfall-Situationen helfen?
Idealerweise sollte ein Qualitätsmanagement-System nicht von einem Risikomanagement-System getrennt gesehen werden. Denn Risikomanagement ist immer ein integraler Bestandteil des Qualitätsmanagements. Bei einer konsequenten Anwendung des risikobasierten Ansatzes kann ein gut strukturiertes Qualitätsmanagement-System demnach helfen, Notfallsituationen planbar zu machen. Das gilt nicht nur für medizinische Notfallsituationen, sondern gleichsam für Notfallsituationen technischer, organisatorischer oder auch persönlicher Art.

 

Herr Nöding, vielen Dank für das Gespräch.

 

Axel Nöding ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und leitet das MVZ Luisenplatz in Potsdam. Er ist zudem zertifizierter Risikomanager (DKI) und EFQM Assessor. Beim diesjährigen Märkischen Praxistag gehört er bei dem Seminar „Für den Notfall Rahmenbedingungen schaffen und das Unerwartete managen“ zu den Referenten. Die weiteren Referenten bei diesem Seminar sind: Rechtsanwältin Elke Best, Holger Rostek, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVBB, und Dr. med. Matthias Wienold, Beratender Arzt der KVBB. Sie werden unter anderem zu den Themen Ausfall des Praxisinhabers, IT-Notfälle, Notfallkoffer, Hygieneprobleme oder medizinische Notfälle sprechen.

Der 2. Märkische Praxistag findet am 12. und 13. Mai 2017 im Haus der Brandenburgischen Ärzteschaft in Potsdam statt. Es erwartet Sie ein interessantes und umfangreiches Angebot an Workshops und Seminaren, diesmal unter dem Motto „Im Notfall sicher“. Unter www.maerkischer-praxistag.de erhalten Sie alle Informationen zum Programm und zur Anmeldung.

 

Ansprechpartner:
Gert-Günter Krenkel 0331/23 09 198
Wenke Marquardt 0331/23 09 372

 

 

 

 

 

 

28.03.2017