Wie wirkt Bereitschaftsdienst 4.0 vor Ort?

Drei Fragen an Dr. Benjamin Möpert, Hausarzt in Halbe und ärztlicher Koordinator der Bereitschaftspraxis in Königs Wusterhausen

In Ihrer Region werden Anrufe für die 116117 bereits seit zwei Jahren durch die KVBB-Koordinierungsstelle in Potsdam angenommen und disponiert. Wie macht sich das für Sie und Ihre Kollegen im Bereitschaftsdienst bemerkbar?

Die Disposition der Anrufe durch die Koordinierungsstelle hat im Wesentlichen zwei Effekte. Zunächst entsteht eine Art Filterfunktion: Anfragen von Patienten, die keine ärztliche Beratung benötigen, werden durch die Mitarbeiter der Koordinierungsstelle direkt beantwortet. Für Anliegen, die einen Arztkontakt benötigen, übernimmt die Koordinierungsstelle die Patientensteuerung. Mobile Patienten werden der zuständigen ärztlichen Bereitschaftspraxis oder dem Vertragsarzt am nächsten Tag zugewiesen. Können Patienten aus medizinischen Gründen nicht in die Bereitschaftspraxis gehen, geben die Mitarbeiter der Koordinierungsstelle ihr Anliegen an den mobilen Einsatzarzt weiter. Dieser kann nach der Kontaktaufnahme mit dem Patienten über das weitere Vorgehen entscheiden. Auf diese Weise haben sowohl die Anzahl der zu leistenden Besuche als auch die zu beantwortenden Anrufe für den mobilen Einsatzarzt deutlich abgenommen. Die Zahl der Anrufe für den diensthabenden Arzt ging beispielsweise um zwei Drittel zurück.

 

Was schätzen Sie am Dienst in der ärztlichen Bereitschaftspraxis?

Seit Eröffnung der Praxis hat sich diese sehr gut entwickelt. Die nichtärztlichen Kolleginnen sind gut eingearbeitet, die Praxis ist unter Patienten zunehmend bekannt geworden und wird entsprechend gut angenommen. Die Zusammenarbeit mit der Notaufnahme, an die die Praxis angegliedert ist, funktioniert sehr gut. Und man hilft sich gegenseitig. Die Patienten werden nach individuellem Versorgungsbedarf zeitnah behandelt, und die Notaufnahme wird entlastet. Die Wege sind kurz, denn sollte sich ein Fall doch als Notfall herausstellen oder zu einem Notfall entwickeln, dann ist der Patient ja praktisch bereits in der Notaufnahme. Im Unterschied zu früher verbringt der Diensthabende seine Zeit nicht vornehmlich auf der Straße auf dem Weg zum Patienten, sondern in der Patientenversorgung. Die Dienstzeit ist definiert und endet so, dass man auch am Folgetag die Sprechstunde in der eigenen Praxis ohne durchwachte Nacht durchführen kann. Und die Vergütung ist (endlich) angemessen.

 

Warum finden Sie die Weiterentwicklung des Bereitschaftsdienstes nötig und sinnvoll?

Die Weiterentwicklung des Bereitschaftsdienstes ist nicht nur nötig und sinnvoll – sie ist unumgänglich, nicht nur im Zuge des TSVG. Die Inanspruchnahme medizinischer Dienste durch Patienten unterliegt einer Wandlung, und es gilt, Patientenströme zu steuern und Ressourcen zu konzentrieren. Die Installation von Bereitschaftsdienstpraxen ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Das DEMAND-Projekt mit der Entwicklung eines standardisierten softwaregestützten Ersteinschätzungssystems für Bereitschaftsdienstpraxen und die 116117 ist der nächste Schritt, an dem die KV Brandenburg aktiv und gestaltend teilnimmt.

 

 

20.03.2019