Einheitliche europäische Bereitschaftsdienstnummer

Seit dem 16. April 2012 gilt bundesweit eine einheitliche Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst: die 116117. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) hat an der Entstehung und Umsetzung dieses in dieser Form bislang einmaligen Projektes maßgeblichen Anteil, stammen doch die Grundidee und das Konzept aus Potsdam.


Die leidige Tatsache, dass es in Deutschland knapp 1.000 unterschiedliche Rufnummern gab, über die der ärztliche Bereitschaftsdienst kontaktiert werden musste, war letztlich der Anstoß zu dieser Idee, die auch einen historischen Vorläufer hat: die 115, die einheitliche Notrufnummer in der DDR, unter der auch der sogenannte „Dringliche Hausbesuchsdienst“, kurz DHD, erreichbar war.


Warum nicht wieder so etwas, fragte sich der Vorstand der KVBB vor nunmehr über sechs Jahren? Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Egal wo man sich befindet, überall in Deutschland wäre ärztliche Hilfe dann unter eine einheitlichen Rufnummer zu erhalten.


Intensive Vorarbeiten und Recherchen begannen und führten 2006 dazu, dass die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) auf Antrag der KVBB einstimmig die Einführung einer bundeseinheitlichen Bereitschaftsdienstnummer beschloss.


Noch im gleichen Jahr stellte sich heraus, dass die Verwirklichung einer bundeseinheitlichen Rufnummer so nicht ohne weiteres möglich war. Der Grund: Die Zuordnung derartiger zweckgebundener Kurzwahlrufnummern – und kurz und prägnant sollte die neue Nummer sein – unterlag seit kurzem der EU-Kompetenz. In einem immer mehr zusammenwachsenden Europa sollten solche Rufnummern, die eigens für soziale Dienste vergeben werden, in jedem Land möglichst gleich sein.


Ein durchaus richtiges und sinnhaftes Anliegen, allerdings mit einem „organisatorischen Pferdefuß“: Die Dimensionen für die Vergabe einer solchen Nummer erforderte nicht nur einen ungleich größeren organisatorischen und bürokratischen Aufwand, sondern ebenso erheblich mehr Zeit. Rund drei Jahre intensiver Lobbyarbeit in Brüssel, deutschen Ministerien und zahlreichen Organisationen waren notwendig, bevor es im November 2009 dann soweit war:


Die 116117 wurde europaweit reserviert; kostenfrei und als nichtkommerzieller Dienst. Im April 2010 erhielten dann die KBV und die KVen im Ergebnis einer deutschlandweiten Ausschreibung von der Bundesnetzagentur den Zuschlag. Seitdem läuft in der KBV die technische und organisatorische Umsetzung auf Hochtouren. Europaweite Ausschreibungen, die Bewertung und Auswahl der Angebote, unzählige Beratungen, Gespräche und Vereinbarungen über technische Lösungen und den eminent wichtigen Datenschutz  prägen seitdem den Alltag dieses Projektes.


Die Vorteile dieser einheitlichen Rufnummer liegen auf der Hand: Kurze und prägnante Rufnummer, bundes- und zukünftig europaweit einheitlich, kostenlos für den Nutzer. Damit sind überall die gleichen Voraussetzungen für einen leichten Zugang zum ärztlichen Bereitschaftsdienst geschaffen.


Für Brandenburg bedeutet dies, dass die bislang 14-stellige Rufnummer durch die neue 116117 abgelöst wird.