Psychiatrische häusliche Krankenpflege (pHKP)

Erweiterte Verordnung und höhere Vergütung

Neue Indikationen zur Verordnung
Mit einer Ausweitung der Diagnosen, die als Indikation für eine häusliche Krankenpflege in Frage kommen, soll der Zugang zur psychiatrischen Pflege zu Hause bei allen psychischen und Verhaltensstörungen (ICD-10 GM Kapitel V FDiagnosen) gesichert werden. Die pHKP soll dazu beitragen, dass Versicherte mit einer schweren psychischen Störung im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der gewohnten häuslichen Umgebung leben können.

 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat Bedingungen an die Anwendung dieser „Öffnungsklausel“ geknüpft. So muss bei allen Patienten der GAF-Wert 40 oder weniger Punkte betragen, damit eine Verordnung erfolgen kann. Der GAF-Wert gibt die Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen) und deren Ausmaß entsprechend der Global Assessment of Functioning Scale (GAF-Skala) an. Die GAF-Skala ist eine international wissenschaftlich anerkannte Klassifikation zur Beschreibung der psychischen, sozialen und beruflichen Funktionen von psychisch erkrankten Menschen.

 

Als Voraussetzung für eine Verordnung gilt daneben eine ausreichende Behandlungsfähigkeit, bei der eine positive Wirkung der pflegerischen Maßnahmen und ein Erreichen der Therapieziele erwartet werden kann.

 

Weiterhin erfolgt eine Erweiterung der Regelindikationen für die Verordnung von pHKP:

Regelindikationen (alt)

Zusätzliche Regelindikationen (neu)

F00.1 Demenz bei Alzheimer-Krankheit, mit spätem Beginn (Typ 1)

F05.1 Delir bei Demenz

F01.0 Vaskuläre Demenz mit akutem Beginn

F42.1 Vorwiegende Zwangshandlungen

F01.1 Multiinfarkt-Demenz

F42.2 Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt

F01.2 Subkortikale vaskuläre Demenz

F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung

F02.0 Demenz bei Pick-Krankheit

F53.1 Schwere psychische Verhaltensstörung im Wochenbett

F02.1 Demenz bei Creuztfeldt-Jakob-Krankheit

F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

 

Bei den sogenannten Regelindikationen ist eine Verordnung bereits ab einem GAF-Wert von 50 und weniger möglich. Die damit verbundene Fähigkeitsstörung muss also in einem Maß vorliegen, bei dem das Leben im Alltag nicht mehr selbstständig bewältigt und koordiniert werden kann.

 

Verordnung durch zusätzliche Arztgruppen
Regelhaft wird psychiatrische Hauskrankenpflege entsprechend den Aufgaben von einem Facharzt mit neurologischer, psychiatrischer oder psychotherapeutischer Ausrichtung verordnet. Dazu zählen jetzt auch Fachärzte in psychiatrischen Institutsambulanzen (nach § 118 SGBV). Die Richtlinie gibt zusätzlich neu auch Hausärzten sowie anderen Fachärzten mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie die Möglichkeit, pHKP für einen begrenzten Zeitraum (sechs Wochen) zu verordnen, sofern eine vom Facharzt gesicherte Diagnose vorliegt, die nicht älter als vier Monate ist.

 

Mehr Zeit für Erprobung und weniger Termindruck
Zu Beginn der psychiatrischen Hauskrankenpflege kann eine erste praktische Einschätzung beweisen, dass die Verordnung dem Patienten nutzt. Ist nach zwei Wochen noch keine Klärung erfolgt, kann der Arzt zwei Wochen zusätzlich verordnen, um einen langsamen Beziehungsaufbau und Pflegeakzeptanz zu erreichen. In besonders begründeten Fällen kann die Pflege auch für länger als vier Monate verordnet werden, gibt der Arzt zu erwartende Verbesserungen der Fähigkeitsstörungen an und begründet er die Weiterführung. Eine dauerhafte Verordnung von pflegerischer Begleitung und Versorgung bei psychisch Kranken ist aber nicht vorgesehen.

 

Höhere Vergütung
Die Bewertung der Erst- und Folgeverordnung psychiatrischer häuslicher Krankenpflege wurde zum 1. April 2019 entsprechend angehoben. Die GOP 01422 für die Erstverordnung wurde von 134 auf 149 Punkte (16,13 Euro) und die GOP 01424 für die Folgeverordnung von 134 auf 154 Punkte (16,67 Euro) angehoben.

 

Nicht vergessen!
Bei der Verordnung von psychiatrischer häuslicher Krankenpflege auf Muster 12 ist die Angabe „pHKP“ oder die Leistungsziffer 27a anzugeben. Zusätzlich ist vom verordnenden Arzt ein Behandlungsplan zu erstellen, der der Verordnung beigefügt werden muss.

 

 

29.05.2019