116 117 Ein Erfolgsmodell – auch für andere Länder!

Aktuell im Gespräch mit Dr. med. Hans-Joachim Helming, Vorstandsvorsitzender der KV Brandenburg

Vor genau einem Jahr, im April 2012 ging die 116 117 an den Start. Wie fällt Ihr ganz persönliches Fazit aus?


Überaus positiv! Das System läuft absolut stabil, der Wechsel der Anrufer von den alten, etablierten Rufnummern auf die 116 117 ist weitaus durchschlagender als erwartet.


Brandenburg hat als erstes Bundesland die Rufnummer eingeführt, und wir sind bislang auch die einzigen, die aus-schließlich diese Nummer geschaltet haben.


Soweit ich informiert bin, ist derzeit auch Sachsen-Anhalt kurz vor Abschluss dieser 100-prozentigen Umstellung. Bayern und einige andere KVen wollen zum Jahreswechsel alte Rufnummern abschalten. Das verdeutlicht, wie richtig wir mit unserer Prognose lagen, dass die Menschen sehr schnell den Vorteil dieser einfach zu merkenden Nummer erkennen und nutzen.

 

Sie waren vor Kurzem in Brüssel, gewissermaßen auf Werbetour …


Als „Werbetour“ war es ursprünglich angelegt – aber wir haben schnell gemerkt, dass wir schon im Vorfeld auf eine große Resonanz stießen. Deswegen haben wir dann gemeinsam mit der KBV einen Workshop in Brüssel veranstaltet, auf dem sich die Verantwortlichen für dieEinführung und Umsetzung der 116 117 in Schweden, Norwegen, Österreich, Estland, Belgien - und natürlich Deutschland - vor einer großen Zahl interessierter Gäste aus dem EU-Parlament und den Ländervertretungen über die praktischen Implementierungserfahrungen austauschten.


Wie fielen die Reaktionen aus?

 

Zuerst einmal war es nicht nur für uns, sondern für alle, eine unerwartet positive Erkenntnis, dass die 116 117 bereits in diesen Ländern läuft oder sich in der Einführung befindet!


Hätten Sie so ein rasches Umsetzen erwartet?


Vielleicht gehofft … Vor allem, da in allen diesen sechs EU-Mitgliedsländernsehr unterschiedliche medizinische Versorgungsstrukturen und Organisationsformen bestehen. Dass dennoch diese europäische Bereitschaftsdienstnummer für die Menschen verfügbar gemacht werden kann, haben auch diejenigen Länder, die als Gäste an dem Workshop teilnahmen, als wichtige Information und Erfahrung mitgenommen. Und so bin ich sehr optimistisch, dass dieser soziale Dienst auch in diesen Ländern eingeführt werden wird. Die Chancen sind jedenfalls groß.


Das heißt konkret?

 

Die Teilnehmer haben sich darauf verständigt, ein Netzwerk zu gründen und eng mit der Organisationsstruktur zusammenzuarbeiten, welche für Europa die verbindliche Verfügbarkeit der Notrufnummer 112 möglich gemacht hat. So sollen die europaweit vorhandenen Möglichkeiten gezielt und gemeinsam für die Anwendung der 116 117 entwickelt werden.


Wenn Sie jetzt einige Jahre zurückdenken, welche Schwierigkeiten es bereitete, für diese Idee überhaupt erst einmal Unterstützerländer zu finden …


Letztlich zeigt es, dass es sich lohnt, für eine gute, überzeugende Sache, konsequent, nachhaltig einzutreten. Ich bin überzeugt, dass namhafte EU-Parlamentarier und Kommissionsstrukturen erkannt haben, welches Potential beispielsweise für die Entwicklung des Tourismus in diesem Service steckt. Ja, die Verbreitung der 116 117 wird sehr viel schneller voranschreiten, als wir bislang vermutet hatten.

 


Herr Dr. Helming, vielen Dank für
dieses kurze Gespräch.

29.04.2013