„Akutpatienten müssen behandelt werden“

KVBB-Vorstand Dipl.-Med. Andreas Schwark im Gespräch

Dipl.-Med. Andreas SchwarkDas Termin- und Servicegesetz (TSVG) hat im vergangenen Jahr für viele Diskussionen in der Ärzteschaft gesorgt. „KV-Intern“ sprach mit Dipl.-Med. Andreas Schwark, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), über die ersten Erfahrungen mit der zu einer Patientenservicestelle ausgebauten 116117 und den Verpflichtungen der Ärzteschaft.

 

Herr Schwark, seit dem 1. Januar ist die KVBB verpflichtet, weitere wesentliche Bestandteile des TSVG umzusetzen. Welche Aufgabe hat sie übernommen?
Es mag weiterhin unbeliebt sein, aber Gesetz ist Gesetz und muss von uns umgesetzt werden. Seit Neujahr ist die 116117 eine Servicerufnummer, die rund um die Uhr auch bei uns geschaltet ist. Diese Nummer richtet sich ausschließlich an Patienten. Die 116117 ist weiterhin die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Außerdem erhalten Akutpatienten nun zu Sprechstundenzeiten Unterstützung, wenn der eigentlich behandelnde Arzt nicht erreichbar ist. Die Terminservicestelle (TSS) ist jetzt ebenfalls unter 116117 geschaltet. Trotz überschaubarer Kommunikation des Themas in der Presse rund um den Jahreswechsel klingeln seit der Umstellung in den 24/7-Betrieb die Telefone nahezu pausenlos. Viele Anrufer wünschen eine Terminvermittlung.


Für unsere Arztpraxen gibt es weiterhin die bekannten Servicenummern für den Bereitschaftsdienst, die Abrechnungsberatung, den IT-Support und alle weitere Fragen rund um die eigene Praxis.

 

Wie gewährleisten Sie, dass es ausreichend Termine gibt?
Die Vertreterversammlung hat im vergangenen September intensiv über das Sicherstellungsstatut diskutiert und wesentliche Präzisierungen beschlossen. Demnach sind alle KVBBMitglieder aufgefordert, zwei Termine pro Woche an die TSS zu melden. Außerdem sind sie verpflichtet, unsere Online-Arztsuche zu nutzen und die eigenen Praxisdaten darin regelmäßig zu pflegen und zu aktualisieren. Dafür hatten wir für das vierte Quartal 2019 auch einmalige Aufwandsentschädigungen für die Praxen bereitgestellt.

 

Wie sind Sie mit dem Rücklauf zufrieden?
Über die Hälfte der Praxen hat ihre Daten in unserer Online-Arztsuche überprüft und auf den aktuellen Stand gebracht. Dafür vielen Dank! Alle Kollegen, die dies noch nicht getan haben, bitte ich dringend, dies schnellstmöglich nachzuholen. Das ist wichtig, weil unsere Online-Arztsuche ein umfassendes Informationsportal sowohl für Ärzte und Psychotherapeuten als auch für Patienten werden soll. In den Diskussionen der Vertreterversammlung wurde es richtig erkannt: Die Online- Arztsuche ist die zentrale Basis zur Vermittlung von Akutpatienten.

 

Und die Terminmeldungen an die TSS ...
Die sind und bleiben ein Dauerbrenner, von denen wir nie genug bekommen können. Die Erfahrungen der ersten Wochen haben gezeigt, dass die meisten Anrufer nach einem Facharzttermin suchen. Deshalb appelliere ich an alle Kollegen, insbesondere auch die Facharztkollegen, uns weiterhin Termine zu melden. Dies können die Praxen selbst mit wenigen Klicks über den eTerminservice tun. Es gibt in dem Programm übrigens auch die Möglichkeit, Terminreihen, beispielsweise im Wochenrhythmus, einzutragen.

 

Wie klappt die Vermittlung und Versorgung von Akutpatienten?
Akutpatienten müssen behandelt werden – egal, ob sie direkt in die Praxis oder direkt über die 116117-Koordinierungsstelle kommen. Die meisten Kollegen tun dies auch. Dennoch haben uns einzelne Hinweise erreicht, dass Akutpatienten abgewiesen wurden, weil sie nicht von der Terminservicestelle vermittelt worden sind. Das ist inakzeptabel! Die Vertreterversammlung hat sich klar zu unserem Leitbild „Versorgung gemeinsam gestalten“ positioniert. Wir, die ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten, sind die Ansprechpartner für die ambulante Medizin im Land Brandenburg und sichern die Versorgung am Tag und in der Nacht.

 

Die Fragen stellte Christian Wehry

 

 

23.01.2020