Den Brandenburger Weg weitergehen

Aktuell im Gespräch mit Dr. Torsten Braunsdorf, Präsident der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB)

Herr Dr. Braunsdorf, als Präsident leiten Sie bereits seit 2008 die Geschicke der KVBB-Vertreterversammlung. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

 

Uns ist in den vergangenen Jahren viel Positives gelungen. Zentral ist sicher, dass wir trotz sich stetig verschlechternder Rahmenbedingungen und der nach wie vor bundesweit geringsten Arztdichte weiterhin die Patientenversorgung qualitativ hochwertig sicherstellen. In den letzten Jahren konnten wir die Ärztezahl sogar leicht steigern, besonders für den hausärztlichen Bereich ist dies erfreulich. Vor diesem Hintergrund muss kein märkischer Patient Zukunftssorgen haben.

 

Was wurde für die Ärzteschaft erreicht?

 

Bei den Hausärzten ist es uns gelungen, dass die ärztliche Tätigkeit zu fast 100 Prozent vergütet wird. Leider besteht bei den Fachärzten noch erheblicher Nachholbedarf. Trotz intensiver Verhandlungen werden nur etwa 85 Prozent der Behandlungen von den Krankenkassen vergütet, und das bei einem Orientierungswert, der an sich schon keine kostendeckende Vergütung der einzelnen Leistung sicherstellt. Hier werden wir am Ball bleiben müssen.

 

Welche Erfolge zeichnen die KVBB über die Landesgrenzen hinaus aus?

 

Die KVBB hat in den zurückliegenden Jahren bundesweit anerkannte innovative Versorgungskonzepte auf die Beine gestellt. Hervorheben möchte ich das KV RegioMed-Modell mit seinen vielen bedarfsgerechten Bausteinen. Auch hieran gilt es, weiter intensiv zu arbeiten. Darüber hinaus werden unser Strukturfonds, die Förderung der Weiterbildung sowie unsere Aktionen und Projekte zur Nachwuchsgewinnung immer wieder als beispielgebend genannt. Stolz bin ich außerdem auf den gemeinsamen Verwaltungsneubau mit der Landesärztekammer, der durch eine Sonderumlage von der Ärzteschaft finanziert und termingetreu und budgetneutral realisiert wurde.

 

Die Vertreterversammlung ist das ehrenamtliche Selbstverwaltungsorgan der KV. Was kann sie überhaupt bewirken?

 

Die Vertreterversammlung ist das wichtigste und höchste Organ der ärztlichen Selbstverwaltung. Die Mitglieder repräsentieren die Gesamtheit der Vertragsärzte und Psychotherapeuten in Brandenburg. Neben der Wahltätigkeit ist es die zentrale Aufgabe der Vertreterversammlung, alle Entscheidungen zu treffen, die für die KVBB von grundsätzlicher Bedeutung sind, und den Vorstand zu überwachen.

 

Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit der Vertreterversammlung mit dem KVBB-Vorstand ein?

 

In unserer Vertreterversammlung gibt es bereits seit 2004 eine gut funktionierende Parität zwischen Fachärzten, Hausärzten und Psychotherapeuten. Dazu haben wir einen sehr guten Weg gefunden, um konstruktiv und effizient mit dem Vorstand zusammenzuarbeiten. Eine wichtige Rolle kommt dabei den Fachausschüssen zu. Aktuell gibt es davon jeweils einen für Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten. Geplant ist zudem ein Fachausschuss für angestellte Ärzte. In den Ausschüssen werden Themen umfassend versorgungsspezifisch diskutiert und erst danach in die Vertreterversammlung eingebracht.

 

Viele Mitglieder der Vertreterversammlung sind bereits seit mehreren Wahlperioden dabei. Ist es schwierig, neue Kollegen für die ehrenamtliche Arbeit zu begeistern und letztlich zu gewinnen?

 

Viele Kollegen in Brandenburg arbeiten schon heute am oder sogar über dem Limit. Dennoch kommen jede Legislaturperiode Kollegen neu in die Vertreterversammlung. Denn die Arbeit in der Selbstverwaltung ist spannend und wichtig. Grundvoraussetzung ist sicher, berufspolitisches Interesse, verbunden mit Änderungen in der eigenen Praxisorganisation sowie Akzeptanz und Rückhalt in der Familie. Denn Freizeitverlust ist vorprogrammiert.

 

Warum ist das ehrenamtliche Engagement aber so wichtig?

 

Wir dürfen keine weitere Schwächung der Selbstverwaltung zulassen. Der Blick nach Berlin zur KBV lässt doch die Kollegen an der Basis mit dem Kopf schütteln. Hier ist ein kompletter personeller und inhaltlicher Neuanfang dringend erforderlich. Umso wichtiger ist es, dass wir auf regionaler Ebene konzentriert und zielorientiert arbeiten. Denn Entscheidungen, die direkt unsere Praxisarbeit betreffen, sollten auch von den Ärzten und Psychotherapeuten vor Ort getroffen werden. Sie kennen die täglichen Herausforderungen am besten. Denn nur gemeinsam wird es uns gelingen, gegenwärtige Probleme zu lösen und den erfolgreichen Brandenburger Weg weiterzugehen.

 

Herr Dr. Braunsdorf, vielen Dank für das Gespräch.


Gefragt und notiert von Christian Wehry

 

 

24.02.2016