EBM‐Änderungen: Die ärztliche Grundversorgung soll gestärkt werden

Aktuell im Gespräch mit Dr. Peter Noack,Stellvertretender Vorsitzender der KV Brandenburg

Zum 1. Oktober ist eine veränderte EBM‐Welt in Kraft. Darauf haben sich die KBV und der Spitzenverband der Kranken kassen nach langem Tauziehen geeinigt. Was kann denn der brandenburgische Haus‐ und Facharzt erwarten? Fangen wir mal bitte mit dem Hausarzt an.


Für mich als Chirurgen ist dies gar nicht so leicht zu beantworten, da die neuen EBM‐Änderungen in der KBV von Hausärzten konzipiert wurden. Gewollt ist wohl, dass die Einführung von Gesprächen zu Lasten der bisherigen Versichertenpauschale, Vorhaltepauschalen und die Aufsplittung der Versichertenpauschale in mehr Altersklassen zur Förderung eines „typischen“ Hausarztes führen soll. Berufspolitisch haben die „hausärztlichen EBM‐Macher“ entschieden, dass sie eine Aufsplittung in diesen „typischen“ und „atypischen“ Hausarzt wollen.


Jahrelang haben die Hausarzt‐Vertreter eine größere Pauschalierung der Leistungen gefordert. Jetzt kommt die Kehrtwende, Pauschalen werden aufgesplittet. Warum?


Die Hausarzt‐Vertreter werden mittlerweile erkannt haben, dass selbst eine auskömmliche Pauschale zur Honorierung ärztlichen Handelns eher leistungsfeindlich ist und bei einer eigenständigen Weiterentwicklung der hausärztlichen Vergütungen somit das Leistungsgeschehen nicht mehr darstellt. Wenn ich ärztliche Arbeit auch abrechnungstechnisch differenziert darstellen will, geht das nicht mit Pauschalierung.


Kommt durch diese neue Struktur auch mehr Geld ins System?


Nur für die neuen Leistungen der Geriatrie, hausärztlichen Palliativversorgung und sozialpädiatrischen Kindermedizin. Hier sind für Brandenburg ca. 3,9 Mio. Euro verhandelbar. Alles andere wird zu Lasten der Versichertenpauschale kostenneutral kalkuliert.

 

Der Hausärzteverband hat den Hausarzt‐EBM massiv kritisiert und damit auch bei den Ärzten an der Basis für Verunsicherung gesorgt. Gibt es schon Modellrechnungen über die möglichen oder gewollten Auswirkungen auf die Honorierung?


Es gibt ein Simulationstool der KBV, das unter bestimmten Annahmen eine statische Simulation hausärztlicher Abrechnungen zulässt. Das ist jedoch immer nur sehr vage. Bei aller Ungenauigkeit ziehen wir daraus die Erkenntnis, dass es zu der von den hausärztlichen Protagonisten gewollten Umverteilung bei den Hausärzten in geringem Maße kommen wird. Eine Härtefallregelung zur Abfederung dieser Umverteilung über den HVM erscheint uns jedoch nicht notwendig.


Wie realistisch sind unsere Berechnungen, da wir ja noch keine Gesamtvergütung in Brandenburg vereinbart haben?


Ein statisches Modell kann immer nur auf die Vergangenheit aufsetzen und die Vergangenheit ‐ hier das Quartal IV/12 ‐ unter neuen Abrechnungsbedingungen mit zusätzlichen Annahmen modellieren. Deshalb kann man immer nur Grundtendenzen feststellen. Oder anders ausgedrückt: Es gibt immer Einzelfälle, die sich nicht danach richten. Auch diese werden wir aber analysieren.


Im Vergleich zum Hausarzt‐EBM sind die Neuerungen im Facharztbereich marginal. Eine Fachärztliche Grundpauschale wird eingeführt …


… so marginal nun auch wieder nicht, da auch hier die Grundversorgung gestärkt werden soll. Damit wirkt sich diese Verbesserung nichtauf alle Facharztgruppen aus und hat ebenfalls schon zu Diskussionen geführt. Ich halte das aber für richtig, da in den letzten Jahren eher die „fachärztlichen Spezialisten“ systematisch über den EBM besser gestellt waren.


Abschließend ein Blick ins nächste Jahr. Wird es weitere EBM‐Änderungen geben oder erleben wir einmal ein Jahr ohne Neuerungen?


Weit gefehlt! Im nächsten Jahr wird der EBM betriebswirtschaftlich überprüft und neu kalkuliert. Übrigens auch unter der Prämisse der Kostenneutralität. Das beinhaltet jede Menge berufspolitischen “Sprengstoff“ und wird zu erheblichen Diskussionen in der Ärzteschaft führen.

 

Herr Dr. Noack, vielen Dank für das kurze Gespräch.
Gefragt und notiert von Ralf Herre

 

Weitere Informationen:

 Detailinformationen zu EBM‐Änderungen ab 1.10.2013

21.08.2013