Es ist ein großes Problem, dass wir noch keine Gesamtvergütung 2013 beschlossen haben!

Aktuell im Gespräch mit Dr. Peter Noack, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der KV Brandenburg, zu Änderungen in der Honorarverteilung III/2013

Die Vertreterversammlung hat am 21.06.2013 den Honorarverteilungsmaßstab ab dem III. Quartal 2013 beschlossen. Was war der Grund für die Veränderung des HVM?

 

Der Bewertungsausschuss hat für das Jahr 2013 Vorgaben getroffen, die in der Honorarverteilung umzusetzen sind. Darüber hinaus hatten wir bei der Honorarverteilung noch einige regionale Themen zu bearbeiten. Das ist durch die Vertreterversammlung jetzt geschehen. Allerdings besteht ein gravierendes Problem: Die Verhandlungen mit den Krankenkassen zur Gesamtvergütung 2013 sind noch nicht abgeschlossen.

 

Wann rechnen Sie damit?

 

Der nächste Termin im Landesschiedsamt steht am 16.08.2013 an.

 

Auf welche Änderungen müssen sich die Ärzte jetzt einstellen?

 

Das Grundgerüst des HVM ist unverändert geblieben. Neben einigen notwendigen redaktionellen Anpassungen gibt es drei größere Veränderungen, die die Arztgruppen der ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten, der Nephrologen sowie die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde betreffen.

 

Worum geht es im Detail?

 

Auf Bundesebene hat man sich geeinigt, dass die antrags- und genehmigungspflichtigen psychotherapeutischen Leistungen sowie die probatorischen Sitzungen (letztere nicht für alle Arztgruppen) aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) herausgenommen werden. Wir gehen davon aus, dass auch die Brandenburger Krankenkassen diese Leistungen zukünftig als Einzelleistung zum Preis der Euro-Gebührenordnung vergüten und somit die erforderliche Behandlung der Versicherten vollumfänglich ausfinanziert ist.

 

Sie haben Zweifel?

 

Die Herausnahme der Leistungen war in den regionalen Verhandlungen unstrittig. Jedoch existieren unterschiedliche Vorstellungen um welchen Betrag die MGV zu bereinigen ist.

Auf alle Fälle entfällt künftig auch für Brandenburg die bisherige Mengensteuerung über zeitbezogene Kapazitätsgrenzen. Eine Prüfung der Zeitprofile erfolgt im Übrigen weiterhin im Rahmen der Plausibilitätsprüfung.

 

Und wie sieht es bei der Vergütung der übrigen Leistungen der ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten aus?

 

Sie wird sich ab dem III. Quartal 2013 der Höhe nach an einem anteilig aus der zur Verfügung stehenden Gesamtvergütung gespeisten Honorarfonds bemessen.

 

Das heißt …

 

…  dass bei einer zu geringen Gesamtvergütung eine Quotierung zum Beispiel für die Leistungen der Abschnitte 35.1 (außer Probatorik) und 35.3 EBM sowie die Grundleistungen der Kapitel 22 bzw. 23 EBM möglich ist.

 

Stichwort Dialysesachkosten. Auch hier gibt es Veränderungen.

 

Neben einer Absenkung der Dialysesachkosten sieht der Bewertungsausschuss  für die nephrologischen Grundleistungen des Kapitels 13.3.6 EBM eine Herausnahme aus der MGV zum III. Quartal 2013 vor. Auch hier sollte zukünftig eine Ausfinanzierung zum Preis der Euro-Gebührenordnung erfolgen und die verbleibenden Leistungen der Nephrologen aus einem hierfür gebildeten Honorarfonds vergütet werden. Die individuelle Mengensteuerung über RLV/ QZV entfällt für die Nephrologie.

 

Änderungen gibt es, wie Sie eingangs sagten, auch für die HNO-Ärzte.

 

Auf Wunsch der HNO-Ärzte und nach Diskussion mit dem Berufsverband erfolgte die Einführung eines neuen QZV für die Behandlung von Tinnitus und die Hörgeräteversorgung. Ziel ist hierbei eine bessere Allokation der Finanzmittel für diese neuen Leistungen. Die Einführung dieses QZV hat allerdings eine Absenkung des RLV-Fallwertes und damit eine andere Verteilung der Gelder innerhalb der Arztgruppe zur Folge. Die anderen Arztgruppen sind hiervon jedoch nicht betroffen.

 

Herr Dr. Noack, die Gesamtvergütung für 2013 ist noch nicht beschlossen, wir liegen quasi vor dem Landesschiedsamt - wie beeinflusst dies die Honorarzahlungen?

 

Schon erheblich. Wir können derzeit in der Honorarverteilung nur die gesichert zur Verfügung stehenden Finanzmittel einsetzen. Wie in „KV-Intern“ bereits berichtet, hoffen wir, dass es im Schiedsamtsverfahren gelingt, eine Gesamtvergütung für 2013 zu verhandeln, die an der tatsächlichen Morbidität der Brandenburger Versicherten bemessen wird.

 

Das würde was verändern?

 

Dies würde einer deutlichen Steigerung zum Vorjahr gleichkommen. In diesem Falle wird die KVBB abhängig von der Höhe der Steigerung der Gesamtvergütung entscheiden, ob Nachvergütungen oder Fallwertanhebungen möglich sind.

 

Die Aussetzung der Fallzahlzuwachsbegrenzung, kurz FZB, wurde in den letzten Wochen wiederholt diskutiert. Wie ist der gegenwärtige Stand?

 

Nach Auswertung der bisherigen honorarseitigen Ergebnisse der FZB sowie der fallzahlseitigen Auswirkung der Grippewelle hat der Vorstand die Aussetzung der FZB für den hausärztlichen Versorgungsbereich für das Jahr 2013 beschlossen. Vielschichtiger ist die Thematik im fachärztlichen Versorgungsbereich zu beurteilen. Dies hängt nicht zuletzt an der Höhe der zur Verfügung stehenden Gesamtvergütung, so dass hier derzeit keine pauschale Aussetzung erfolgt und der Punkt gegebenenfalls nach Abschluss der Verhandlungen zur Gesamtvergütung 2013 nochmals näher beleuchtet wird.

 

Können Sie bereits jetzt Aussagen über die weitere Entwicklung des HVM in Brandenburg machen?

 

Für das IV. Quartal 2013 sind erneut Änderungen des HVM erforderlich, wobei die Grundsystematik bestehen bleibt.

 

Warum diese erneuten Änderungen?

 

Es ist nicht zu umgehen: Wir haben die Beschlüsse des Bewertungsausschusses sowie die Vorgaben der KBV umzusetzen. Dabei geht es in allererster Linie um eine Stärkung der haus- und fachärztlichen Grundversorgung.

 

Dr. Noack, vielen Dank für dieses Gespräch

 

Gefragt und notiert von Ralf Herre

 

 

 

11.07.2013