Kein Meldezwang für Fachärzte

Aktuell im Gespräch mit MUDr. Peter Noack, Vize‐Vorstandsvorsitzender der KV Brandenburg, zum Start der Terminservicestelle

Herr Dr. Noack, am 23. Januar 2016 sollen in allen KVen die Terminservicestellen starten. So will es der Gesetzgeber. Wie wird die Terminservicestelle in Brandenburg aufgestellt sein?
Wir beginnen mit einer schlanken Lösung. Die Terminservicestelle wird täglich zu bestimmten Zeiten erreichbar sein. Aus unserer Sicht wird das reichen, da es in Brandenburg kein generelles Problem mit Wartezeiten gibt, sondern Einzelfälle vermittelt werden müssen.

 

Wie finden Terminservicestelle und freie Termine in Facharztpraxen zueinander?
Die KBV arbeitet an einer Software, welche webbasiert durch die Arztpraxen und die Terminservicestelle genutzt werden kann. Außerdem bleibt immer noch die telefonische Absprache und Vermittlung.

 

Soll es eine Verpflichtung für Fachärzte geben, freie Termine bei der Terminservicestelle zu melden?
Nein. Der Vorstand wird der Vertreterversammlung eine Honorarregelung vorschlagen, die praktisch die Annahme einer von der Politik gewollten 4‐Wochen‐Überweisung bei den Fachärzten fördert. In der Mehrzahl der Fälle soll diese Überweisung durch direkte Vergabe von Terminen in den Facharztpraxen „abgearbeitet“ werden. Das entlastet eine Terminservicestelle und bedeutet damit für uns Ärzte weniger Verwaltungskosten.

 

Warum sollten Fachärzte überhaupt ein Interesse daran haben, dass die Terminvermittlung funktioniert? Es kann ihnen doch egal sein, wenn ein Patient im Krankenhaus behandelt wird …
Leider ist das so nicht! Der Gesetzgeber hat den Krankenhäusern nämlich eine volle Vergütung zum Orientierungspunktwert und ohne Mengenbegrenzung im Gesetz zugesichert. Noch mehr: Diese Vergütung muss aus dem Facharzttopf – höchstwahrscheinlich arztgruppenbezogen – bezahlt werden. Dann zahlen etwa die niedergelassenen Chirurgen die „EBMRechnungen“ der Krankenhaus‐ Chirurgen, die beispielsweise von Hausärzten per 4‐Wochen‐Überweisung veranlasst wurden, aus ihrem eigenen „Geldbeutel“. Das ist die Politik der Großen Koalition!


Stichwort dringliche Überweisung. Sehen Sie da auch die Hausärzte in der Pflicht?
Zur Klarstellung: Beim Thema Terminservicestelle muss eine gesetzliche 4‐Wochen‐Frist eingehalten werden. Das hat nichts mit einer medizinischen Dringlichkeit zu tun, die sich nach der jeweiligen Indikation oder Diagnose richtet. Die Hausärzte sind aber immer gefordert. Sie benötigen für ihre Patientenbehandlung die Zusammenarbeit mit den Fachärzten und müssen deshalb auch einschätzen, wie notwendig oder indiziert eine Überweisung überhaupt ist und wie schnell ein Problem geklärt werden sollte. Normal – 4 Wochen – oder noch dringlicher?


Herr Dr. Noack, vielen Dank für das Gespräch!
Die Fragen stellte Ute Menzel.

18.11.2015