Keine halben Sachen

Aktuell im Gespräch mit Dipl.-Psych. Hartmut Uhl, Mitglied der KVBB-Vertreterversammlung

Sie sind bislang der einzige psychologische Psychotherapeut in der Vertreterversammlung der KV Brandenburg. Wie dick sind die Bretter, die Sie als Einzelkämpfer für die Belange Ihrer Kollegen bohren müssen?
Vor fast 16 Jahren begann die Integration der Psychotherapeuten als Angehörige eines Heilberufs in die kassenärztliche Versorgung. Seitdem bin ich Mitglied der Vertreterversammlung. In diesem Zeitraum gab es Themen mit sehr unterschiedlichem Gewicht, die uns beschäftigten. Als wir vor zwölf Jahren einen Paradigmenwechsel einführten, indem wir das Kriterium der Fallzahl durch das Kriterium der Zeit in der Mengensteuerung der Psychotherapie ersetzten, taten wir dies in Brandenburg bundesweit in einer Vorreiterrolle. Die dann folgende bundesweite Regelung hatte sehr viel Ähnlichkeit mit unseren Regelungen.


Von Anfang an also in der Vorreiterolle …

Ein weiteres Novum war vor einigen Jahren die Aufnahme psychotherapeutischer Leistungen in den Katalog förderungswürdiger Leistungen der KVBB. Aktuell beschäftigt uns das Projekt der psychotherapeutischen Sprechstunde, das deutschlandweit einmalig ist. Hier können wir in Brandenburg dann auf erste Erfahrungen zurückgreifen, wenn die Sprechstunde bundeseinheitlich eingeführt wird. 

 

Thematische Dauerbrenner gibt es aber sicher auch?
Es gab und gibt eine Vielzahl mehr oder weniger bedeutsamer Themen, die sich auf die Psychotherapie beziehen, die alle irgendwann neu waren und heute selbstverständlich geworden sind. Ein leidiges Dauerthema ist die Honorargerechtigkeit. Die KV kann mit wenigen Freiheitsgraden nur das Geld verteilen, das von den Krankenkassen zur Verfügung gestellt wird. Bundespolitische Vorgaben können uns darüber hinaus das Leben schwer machen. Hier weiß ich oft erst hinterher, wie dick das zu bohrende Brett war.


Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit den ärztlichen Vertretern?

Als „Einzelkämpfer“ gegen die ärztlichen Kollegen hätte ich nichts dergleichen bewegen können. Wir haben uns in den zurückliegenden Jahren über alle Fachgruppen hinweg zunehmend besser wechselseitig für unsere jeweils spezifischen Belange sensibilisieren können und sind in enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand gemeinsam zu Lösungen gekommen, die uns insgesamt voranbringen. Die Atmosphäre unter den Vertretern bietet eine sehr gute Voraussetzung für gute sachliche Lösungen anstehender Probleme.


Sie arbeiten neben der Vertreterversammlung auch in verschiedenen Ausschüssen der KV Brandenburg mit. Warum ist berufspolitisches Engagement für Sie wichtig?
Ich mache ungern halbe Sachen. Die Selbstverwaltung lebt von Menschen, die sich für die Rahmenbedingungen beruflicher Tätigkeit interessieren, an deren Verbesserung arbeiten und sich für den Abbau von Hemmnissen einsetzen. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mich gewählt, damit ich ihre Interessen in der KVBB vertrete und die Entscheidungen und Beschlüsse der KV nach außen transparent machen kann. Durch die Arbeit in den verschiedenen Gremien und Ausschüssen gewinne ich einen Überblick über die Komplexität dieser Selbstverwaltung und kann meinem Auftrag so besser gerecht werden.


Und lohnt sich das Engagement?

Wenn die Resonanz dann auch noch positiv ist, sehe ich, dass die Arbeit genützt hat. Natürlich gibt es auch immer Rückschläge und Misserfolge, aber auch anderswo wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die Alternative zur Selbstverwaltung in der Körperschaft wäre die staatliche Fremdverwaltung unserer Belange. Ich meine, dass wir das gemeinsam durch unser berufspolitisches Engagement verhindern müssen.


Sind die Psychotherapeuten Ihrer Meinung ausreichend in den Gremien der KV Brandenburg repräsentiert?
Nein, es gibt in verschiedenen Bereichen noch psychotherapeutenfreie Zonen. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Integration unserer Berufsgruppe in das KV-System noch nicht abgeschlossen ist.


Warum sollten sich Ihre Kollegen aktiv an den anstehenden KV-Wahlen im Herbst beteiligen?

Jeder ist seines Glückes Schmied. Die Beteiligung an den KV-Wahlen eröffnet die Möglichkeit, die Richtung, die die Körperschaft nimmt, mitzubestimmen. Nichts ist in Stein gemeißelt. In die nächste Vertreterversammlung werden erstmals drei Psychotherapeuten gewählt. Die Vertretung der Interessen der Kolleginnen und Kollegen kann nur durch Menschen geleistet werden, die durch ein deutliches Wählervotum dafür legitimiert worden sind.

 

Herr Uhl, vielen Dank für das Gespräch.

 

Die Fragen stellte Ute Menzel.

21.04.2016