Kompromissfähiger Zwischenstand erzielt

Aktuell im Gespräch mit MU/Dr. Peter Noack, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der KV Brandenburg, zum Stand der Honorarverhandlungen 2014

Herr Dr. Noack, Anfang Mai gab es den fünften Verhandlungstermin mit den Krankenkassen zur Gesamtvergütung 2014. Wie ist es gelaufen?

Nachdem beide Seiten am Anfang dieser wiederum sehr schwierigen Verhandlungsrunde ihre grundsätzlichen Standpunkte dargelegt hatten, wurde in einem Spitzengespräch ein möglicher, eventuell kompromissfähiger, Zwischenstand erarbeitet.

 

Können Sie schon Details dazu nennen?

Nein, derzeit noch nicht, da beide Seiten diesen Zwischenstand für sich bewerten müssen. Wie so oft bei einem Kompromiss: „Keine Seite ist damit echt zufrieden.“

 

Mit welchen Forderungen ist die KV in die Verhandlungen gegangen?

Wir wollten, die prozentualen Steigerungsraten, welche von Bundesebene empfohlen / vorgegeben werden, aber regional noch verhandelt werden müssen. Dazu noch eine – mindestens teilweise zu berücksichtigende – regionale Komponente für die erhöhte Morbidität in Brandenburg.

 

Was waren besondere Knackpunkte in den Verhandlungen?

Die Krankenkassen lehnen vor dem Hintergrund des laufenden BSG-Verfahrens für Sachsen-Anhalt derzeit jegliche Anerkennung einer besonderen Morbiditätsstruktur in Brandenburg ab und wollen deshalb auch eine geringere Morbiditätsrate vereinbaren.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Wir prüfen, die Krankenkassen prüfen und sollte der derzeitige Zwischenstand beiden Seiten als geeignet für eine vertragliche Grundlage erscheinen, könnten wir zu einem Honorarvertrag für das Jahr 2014 kommen.

Natürlich werden wir diesen, wenn ein gesicherter Verhandlungsstand existiert, sofort an unsere Kolleginnen und Kollegen kommunizieren.

 

Themenwechsel: Die Honorarverteilung für das vierte Quartal 2013 steht fest. Wie wirkt sich der neue Hausarzt-EBM in Brandenburg aus?

Die Chronikerpauschale nach der neuen Systematik wurde weniger abgerechnet. Um sechs Prozent ist der Leistungsbedarf hier gesunken. Dies muss sich aber nicht unbedingt auf den Gesamtfallwert auswirken. Denn in der Kombination von Chroniker- und Versichertenpauschale ging der Leistungsbedarf pro Fall nur um 1,5 Prozent zurück.

 

Es gibt doch aber nicht weniger Chroniker in Brandenburg. Wie kann die Abrechnungshäufigkeit der Pauschale trotzdem sinken?

Durch den neuen Beschluss des Bewertungsausschusses, wonach die Kollegen erst einmal anders abrechnen müssen. Diese neue Systematik müssen sie erst noch verinnerlichen. Deshalb kann es sein, das zunächst nicht vollständig abgerechnet wird.

 

Was hatte sich in der Systematik geändert?

Nun statt bisher einer gibt es jetzt zwei Chronikerpauschalen: die 03220 bei einem persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt, die 03221 bei mindestens zwei persönlichen Arzt-Patienten-Kontakten im Quartal. Voraussetzung ist ferner die Kontinuität der Betreuung in Vorquartalen sowie die Art der Erkrankung.

 

In anderen KVen werden negative Auswirkungen des neuen Hausarzt-EBM heiß diskutiert. Sie wollen anscheinend – was die Abrechnungsergebnisse angeht – nicht in dieses Horn stoßen …

Nein. Anhand unserer aktuellen Zahlen und mit Blick darauf, was insgesamt beim Honorar abgerechnet wird, können wir Entwarnung geben. Sollte es negative Auswirkungen geben, dann nur vereinzelt. Zu großen Honorarverlusten wird der neue Hausarzt-EBM bei uns nicht führen.

 

Herr Dr. Noack, vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Ute Menzel

19.05.2014