KV Brandenburg für ASV gut gerüstet

Der stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der KV Brandenburg, Dr. Peter Noack, im Gespräch über die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV)

Herr Dr. Noack, was ist das Besondere an der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung?
Bislang war die spezialfachärztliche Behandlung ausschließlich den Krankenhäusern vorbehalten. Mit der ASV wurde nun auch für die niedergelassenen Ärzte die Möglichkeit geschaffen, Patienten mit seltenen oder schweren Erkrankungen zu behandeln – in bundesweit einheitlich geregelten Strukturen.

 

Wie soll die ASV konkret ablaufen?
Für die Behandlung schwerer oder seltener Erkrankungen ist neben Spezialkenntnissen und Qualifikation auch die Kooperation zwischen Fachgruppen oder sogar über die Sektorengrenzen hinweg unerlässlich. Genau da setzt die ASV an: Ärzte verschiedener Fachdisziplinen, aus Klinik und Praxis, schließen sich in Teams zusammen und stimmen die Behandlung eng miteinander ab. Die Patienten kommen in der Regel auf Überweisung in die ASV.

 

Warum braucht es dafür einen eigenen neuen Versorgungsbereich?
Niedergelassene und Klinikärzte betreuen bei der ASV Patienten gemeinsam ambulant. Für beide gelten die gleichen Rahmenbedingungen – sei es mit Blick auf Facharztstandard, Qualitätsanforderungen oder Vergütung. Das ist neu. Dass dafür ein eigener Versorgungsbereich etabliert werden soll, hat der Gesetzgeber vorgegeben, als er vor zwei Jahren den Paragraf 116 b im SGB V neu gefasst hat.

 

Welche Krankheiten können in der ASV behandelt werden?
Bisher Tuberkulose, gastrointestinale Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle. Voraussichtlich ab Jahresende kommen gynäkologische Tumoren und das Marfan-Syndrom hinzu. Weitere Indikationen, beispielsweise Herzinsuffizienz und Rheuma, sollen folgen.

 

Wer kann daran teilnehmen?
Niedergelassene Fachärzte, Medizinische Versorgungszentren und Krankenhausärzte kommen infrage. Für die Teilnahme müssen – je nach Indikation – bestimmte fachliche, sachliche und organisatorische Anforderungen erfüllt sein. Interessierte Kollegen und Einrichtungen wenden sich dazu bitte an die Geschäftsstelle des Erweiterten Landesausschusses.

 

Sind bereits Brandenburger Vertragsärzte bei der ASV dabei?
Nein, derzeit noch nicht. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich dies bald ändern wird und bereiten uns darauf vor.

 

Reden wir übers Geld. Wie wird das neue Versorgungsangebot bezahlt?
Die ASV-Vergütung erfolgt extrabudgetär und ohne Mengenbegrenzung, weitestgehend auf EBM-Basis. Eine entsprechende Bereinigung der Gesamtvergütung ist vorgesehen. Prospektiv soll für die ASV eine separate Vergütungssystematik entwickelt werden.

 

Können Vertragsärzte die ASV-Behandlung über die KV Brandenburg abrechnen?
Ja! Wir bieten den Kollegen eine einfach handhabbare Abrechnung an. Die ASV-Abrechnung wird mit der normalen  Quartalsabrechnung eingereicht und abgetrennt. Wir werden umgehend auf Vollständigkeit und Richtigkeit prüfen, bei Bedarf erfolgen – in Absprache mit den Ärzten – Korrekturen vor Versand an die Krankenkassen.

 

Und wie bekommen die Ärzte ihr ASV-Honorar?
Frühzeitig und gesondert von der KVBB. Um dies zu gewährleisten, werden wir die Bezahlung durch die Krankenkassen sorgsam begleiten. Zudem werden wir die Klärung von Beanstandungen gegenüber den Krankenkassen übernehmen – sofern sich diese als unberechtigt darstellen.

 

Wie informiert die KVBB teilnehmende und interessiert Ärzte über die ASV?
Wir werden in gewohnter Aktualität in „KV-Intern“ und auf unserer Internetseite über ASV-Neuigkeiten informieren. Fragen rund um die ASV beantworten unsere Abrechnungsberater. Zudem planen wir bedarfsabhängig den Einsatz persönlicher Ansprechpartner, um für die ASV-Ärzte die gezielte und individuelle Unterstützung zu gewährleisten. Auch die Berufsverbände sollen über das neue Versorgungsangebot auf dem Laufenden gehalten werden. So findet am 5. November eine Auftakt- Veranstaltung zum Thema mit den Vorsitzenden der Brandenburger Berufsverbände statt.

 

 

 

23.10.2014