Nachholbedarf beim Honorar sichtbar machen!

Aktuell im Gespräch mit Dr. Dominik Graf von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI)

Das ZI, Herr Dr. von Stillfried, hat die Vertragsärzte aufgefordert, sich an einem sogenannten Praxis- Panel zu beteiligen. Was muss man sich darunter vorstellen?

Das ZI-Praxis-Panel (ZiPP) ist eine repräsentative Befragung niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten. Wir wollen regionale Unterschiede in den Betriebskosten der Praxen und deren Entwicklung beobachten. Dafür ist es wichtig, dass die Befragten über einen längeren Zeitraum jedes Jahr Auskunft geben. Die Teilnahme ist freiwillig und die Angaben bleiben vollständig anonym.

Wofür werden die Daten des ZiPP verwendet?

Die Daten dienen dazu, die Honorarverhandlungen für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten zu unterstützen. Das ZI ist ja eine Stiftung der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, und genau die benötigen belastbare Informationen für die Verhandlungen mit den Krankenkassen. Die Krankenkassen müssen laut Gesetz die Kostenentwicklung in den Praxen bei der Anpassung des Punktwerts und bei der Kalkulation von Gebührenordnungspositionen berücksichtigen. Die Ärzteseite kann dies in den Verhandlungen aber nur durchsetzen, wenn sie über eigene aussagefähige Daten verfügt.

Vorausgesetzt, es beteiligen sich genügend Ärzte an der Befragung.

Ja, nur dann können wir mit dem ZiPP nachweisen, wie sich die Investitions- und Betriebskosten in Arztpraxen von Jahr zu Jahr entwickeln und welche regionalen Besonderheiten bestehen. Außerdem müssen die Ergebnisse des ZiPP veröffentlicht und im Rahmen der Versorgungsforschung auch Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt werden, damit die Daten die Transparenz und Glaubwürdigkeit erreichen, die für einen Verhandlungserfolg notwendig ist.

2010 fand die erste Befragung statt, wann werden die Ergebnisse veröffentlicht?

Wir erstellen verschiedene Berichte. Ein Gesamtbericht zur ersten Erhebungswelle aus dem Jahr 2010 erscheint im Januar 2012. Die Träger des ZI und die ärztlichen Berufsverbände erhalten weitere Berichte. Nicht zu vergessen ist der ZiPP-Praxisbericht, den jede an der Befragung teilnehmende Praxis erhält. Anhand dieses Berichts erhält die Praxis eine Rückmeldung, welche Daten an uns gegangen sind und kann sich auf dieser Grundlage mit Referenzwerten aller teilnehmenden Praxen vergleichen.

Zu welchen inhaltlichen Schwerpunkten werden die Ärzte befragt?

Mit dem ZiPP werden genau die Daten zur Kostenstruktur und zur wirtschaftlichen Lage der Praxen erhoben, die für die Zwecke nach § 87 (Gebührenordnung) und § 87a (Honorarverhandlungen) des Sozialgesetzbuchs V benötigt werden. Wir fragen nach Angaben zur Betriebsstruktur, zur Höhe der Kosten nach den einzelnen Kostenarten und nach deren Veränderung.

Und nach der Arbeitszeit …

… um herauszufinden, ob die Annahmen, die der Kalkulation der Gebührenordnungspositionen zugrunde gelegt worden sind, in der Realität erfüllt werden. Und wir fragen nach den Einnahmen, bei denen wir nach GKV- und Privat-Umsatz unterscheiden.

Warum?

Das ist wichtig, damit wir zeigen können, ob die Praxen in der Lage sind, mit dem GKV-Umsatz auch den Überschuss erzielen zu können, den die Gebührenordnung unterstellt. Aufgrund des ZiPP sehen wir, dass dies derzeit kaum erfüllt wird. Es gibt also Nachholbedarf bei der Honorarentwicklung.

Die aktuelle Befragung setzt ja auf jene von 2010 auf. Ist es ein reiner Abgleich oder geht es inhaltlich darüber hinaus?

Wir fragen nach den gleichen Inhalten, denn wir wollen ja die Entwicklung im Längsschnitt abbilden. Die Krankenkassen sollen die Praxen ja um die Steigerung der Kosten entschädigen. Jeder Prozentpunkt ist dabei wichtig.

Wie wirkt sich das beispielsweise aus?

Würde die Gesamtvergütung aufgrund der Kostenentwicklung um einen Prozentpunkt angehoben, wären dies rund 320 Mio. Euro bundesweit. Gerade in den neuen Bundesländern sind teils deutliche Kostensteigerungen zu beobachten.

Sie haben den Fragenbogen leicht modifiziert.

Wir haben ihn vereinfacht und außerdem steht den Steuerberatern eine kostenlose Software zur Verfügung, damit der Steuerberater das Formular aufgrund der vorliegenden Steuererklärung in kürzester Zeit ausfüllen kann. So hoffen wir, dass von der Aufwandentschädigung von 200 Euro je Praxis etwas mehr übrig bleibt.

Wieviele Ärzte aus Brandenburg haben sich 2010 daran beteiligt?

Für das Jahr 2010 können wir 227 Praxen aus Brandenburg auswerten. Die Beteiligung in Brandenburg war im Vergleich zum Bundesdurchschnitt vorbildlich.

Und aktuell?

Im Jahr 2011 hatten wir bis Mitte Dezember 116 Rückläufe. Dabei haben wir neue Praxen hinzugewinnen können; das ist gut. Leider haben sich im Jahr 2011 aber nur etwa 35 Prozent der Praxen aus 2010 beteiligt. Wir hoffen, dass dies bis zum Einsendeschluss am 15.2. noch deutlich besser wird! Die Qualität unserer Aussagen hängt aber davon ab, dass wir von einem möglichst großen Anteil der Praxen jedes Jahr wieder Angaben erhalten.

Kann jetzt nur teilnehmen, wer auch 2010 teilgenommen hat? Und wenn nicht, an wen können sich Interessenten wenden?

Wir haben die Praxen, die 2010 teilgenommen aber sich noch nicht zurückgemeldet haben, noch einmal um ihre Mitwirkung gebeten. Außerdem schreiben wir weitere Praxen aufgrund einer Zufallsstichprobe aus dem Bundesarztregister an. Jede angeschriebene Praxis kann teilnehmen. Wer noch einen Fragebogen benötigt, kann diesen bei folgender Hotline unter 030 4005 - 2444 oder unter www.zi-pp.de anfordern.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gefragt und notiert von Ralf Herre

 

 

26.01.2012