Noch ein weiter Weg bis zur leistungsgerechten Honorierung

Aktuell im Gespräch mit Dr. Johannes Becker, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Brandenburg

Ende August fand der erste brandenburgische Hausärztetag statt. Welches Fazit ziehen Sie?


Die Premiere ist uns geglückt. Schön war es, dass Kollegen aus dem gesamten Bundesland mit unterschiedlichen hausärztlichen Erfahrungen gekommen waren. Es war ein offenes kollegiales Gespräch möglich, Fachwissen wurde in zwei Workshops aufgefrischt, und die Veranstaltung endete mit einem Grillfest.

 

KBV‐Vorstand Frau Feldmann referierte zum Hausarzt‐EBM, der ja nicht ganz unumstritten ist. Wie positionieren Sie sich?


Der EBM ist keine Revolution! Die KBV will den Weg der „großen“ Pauschalen verlassen. Bis zur leistungsgerechten Honorierung ist es noch ein weiter Weg. Einige Änderungen sehen wir durchaus kritisch, wie die Abstaffelung der kleinen Praxis und die KO‐Kriterien bei bestimmten Leistungen.


Nach monatelangen Verhandlungen steht nun endlich der Beschluss zur Morbiditätsorientierten Gesamtvergütung für 2013 in Brandenburg. Erstmals gibt es unterschiedliche Vergütungsentwicklungen für Haus‐ und Fachärzte. Wie beurteilen Sie das?


Der gesetzliche Rahmen ermöglicht eine getrennte Weiterentwicklung der beiden Versorgungsbereiche unter dem Dach einer gemeinsamen KV. Darauf legen wir Brandenburger Wert! Die monetären Zuwächse erscheinen uns in dem Verhältnis 14,6 Millionen Euro für Fachärzte zu 2,9 Millionen Euro für Hausärzte nicht optimal verhandelt, und das ist für uns enttäuschend! In Verhandlungskreisen war man wahrscheinlich der Meinung, dass wir Hausärzte bereits überalimentiert sind.


Der Hausärzteverband Brandenburg ist ja noch ein sehr junger Verband. Wo wollen Sie in den kommenden Jahren Akzente setzen?

 

Unser Potenzial nutzen, denn wir haben in unseren Reihen fachlich und berufspolitisch fähige Leute. Unseren Vorstand bereichern bisher wenig bekannte Mitglieder des Verbandes, die uns Ideen geben und Aufgaben übernehmen. Die Weiterentwicklung der Hausarztmedizin im Flächenland wollen wir kritisch begleiten, in den Gremien mitentscheiden. Auch den Hausarztberuf als Berufung sehen, wir arbeiten für Ihr Leben gern!

 

Zurzeit ist nur etwa jeder siebente Hausarzt in Brandenburg Mitglied im Verband. Was unternehmen Sie, um mehr Hausärzte für den Verband zu gewinnen?


Unser Rückhalt unter den Kolleginnen und Kollegen muss größer sein, als die nominelle Zahl der Mitglieder, sonst hätten wir nicht nach der Wahl zur Landesärztekammer als zweitstärkste Liste den Vizepräsidenten stellen können. Wir spüren bei Gesprächen mit den Kollegen, dass wir einen Vertrauensbonus haben. Übrigens entwickelt sich die Mitgliederzahl positiv, es braucht also noch Zeit, wir sind auf einem guten Weg.

 

Herr Dr. Becker, vielen Dank für das kurze Gespräch
Gefragt von Ralf Herre

 

 

25.09.2013