Offener Brief an Ministerin Tack

Inhaltsleere Äußerungen schaden nur!

Sehr geehrte Frau Ministerin Tack,

mit größter Verwunderung und einem permanenten Kopfschütteln haben wir Ihre Äußerungen im Interview mit der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 30. Mai dieses Jahres zur Kenntnis nehmen müssen.

Nachdem Sie vor einigen Wochen meinten, die niedergelassene Ärzteschaft als „Auslaufmodell“ bezeichnen zu müssen, was an Ignoranz nur schwer zu überbieten schien, haben Sie in diesem Gespräch mit der MAZ gezeigt, dass dies offensichtlich doch möglich ist.
Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie als Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz allein für die Krankenhäuser zuständig sind, aber nicht für die ambulante medizinische Versorgung, dann zeugt dies von einer unglaublichen Inkompetenz. Und die Vorstellung, dass Ihr Ministerium zukünftig – ungeachtet dieser „Nicht-Zuständigkeit“ – aber über die Zulassung von Ärzten im Land Brandenburg mit entscheiden will und wohl auch soll, erscheint geradezu grotesk.

Ihre Aussage, dass es in Brandenburg nicht zu wenige Ärzte gibt, sondern diese nur falsch verteilt seien, ist ebenso inhaltsleer wie wider der Realität. Auf welcher Grundlage basiert Ihre Einschätzung? Wie wollen Sie den Menschen in den wenigen Ballungsgebieten Brandenburgs erklären, dass dort zu viele Ärzte sind, die deshalb in nächster Zukunft dort ihre Praxen schließen und in die ländlichen Regionen wandern?

Abgesehen davon, dass eine solche „Umsetzung“ überhaupt nicht möglich ist, verdeutlicht sie aber Ihre platte Polemik von der angeblich falschen Verteilung von Ärzten.


Sehr geehrte Frau Ministerin,

Sie haben sehr wohl eine Verantwortung für die medizinische Versorgung in Brandenburg – eine politische. Und die erschöpft sich eben nicht in der einseitigen Fixierung allein auf die Krankenhäuser im Land und die Moderation zwischen den Akteuren.

Die ärztlichen Körperschaften Landesärztekammer Brandenburg und Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg erwarten von Ihnen und Ihrem Ministerium keine verbalen Plattitüden, sondern wirkliche Unterstützung, damit auch in zehn Jahren die medizinische Versorgung der Menschen in Brandenburg noch auf einem hohen Niveau gewährleistet ist.

Beide Körperschaften erwarten ebenso, dass alle Akteure mit Kompetenz und nicht mit Biertisch-Plattheiten sich dieser Aufgabe stellen. Wir tun dies übrigens, und zwar seit Jahren; kontinuierlich, zielstrebig und auch mit Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Hans-Joachim Helming
Vorsitzender des Vorstandes
der KV Brandenburg
                  Dr. med. Udo Wolter
                 Präsident
                 der Landesärztekammer Brandenburg




 

31.05.2011