Was macht eigentlich der AOK-Hausarztvertrag?

Nachgehakt bei Lutz Freiberg, Leiter desUnternehmensbereiches Forschung und Entwicklung

Es ist ruhig geworden um den Hausarztvertrag der AOK Nordost in Brandenburg. „Lebt“ er noch?


Ja, und er wird auch gelebt. Derzeit nehmen 322 Hausärzte teil. Zuletzt wurde das ModulHautkrebs-Screening für das Jahr 2012 verlängert. Eingeschriebene AOKVersicherte ab dem vollendeten 18. Lebensjahr können das Hautkrebs-Screening in Anspruch nehmen. Allerdings entspricht die Vergütung jetzt dem EBM, also 21,20 Euro, und beträgt nicht mehr 25,62 Euro wie bisher.


Warum ist die Vergütung abgesenkt worden?


Das war eine Forderung der Kassenseite auf Angleichung an den EBM.


Worin sehen Sie die Ursachen, dass sich die brandenburgischen Hausärzte relativ schwertun mit der Umsetzung des Vertrages?


Es gibt einfach zu viele unterschiedliche Verträge für die einzelnen Krankenkassen. Da sind viele Ärzte nicht mehr bereit, sich immer wieder neuen Angeboten und dem damit verbundenen Organisations- und Informationsaufwand in der Praxis zu stellen.

 

Ein Kritikpunkt ist immer wieder bei dieser Art von Verträgen der enorme bürokratische Aufwand. Trifft das beim AOK-Hausarztvertrag ebenfalls zu?

 

In dem Falle ist das nur bedingt so. Der Vertrag enthält keine hohen bürokratischen Hürden – gesonderte Dokumentationsbögen oder Vordrucke wurden, abgesehen von den Einschreibeunterlagen, nicht vereinbart.


Wo müsste wie der Hebel angesetzt werden?


Inhaltlich könnte beispielsweise das Modul Medikations-Check untersetzt werden. Hier warten wir seit langer Zeit auf die notwendige Stellungnahme der AOK. Auch die Vereinbarung weiterer Module könnte den Vertrag für mehr Hausärzte interessant machen.

Auf der anderen Seite wird es aber auch darum gehen, Ansätze zur Überwindung der bürokratischen Hemmnisse und zur unmittelbareren Information zu den Inhalten der Verträge zu entwickeln.


Haben Sie konkrete Vorstellungen?

 

Die KVBB hat zu den inhaltlichen Aspekten bereits vor Vertragsunterzeichnung mehrere Vorschläge unterbreitet; zum Beispiel ein Diabetes- Screening, einen kardialen Check-up oder ein Modul für betreuungsintensive Patienten. Derzeit wird auch die Anlage 5 – hier geht es um Arzneimittel-Zielquoten zur Versorgungssteuerung - mit Wirkung ab dem IV. Quartal 2012 neu verhandelt. Die Vereinbarung erreichbarer Ziele und Zielwerte sowie einer angemessenen Vergütung könnte ebenfalls ein wirksamer Anreiz zur Vertragsteilnahme sein.
Hürden und Hemmnisse hindern oftmals die Ärzte an der Teilnahme anerkannt guter Sonderverträge der KVBB. Diese Hürden abzubauen, steht weit oben auf der Agenda. Allerdings kann ich Ihnen heute hierzu noch keine Lösung präsentieren.

19.07.2012