Chipkarte löst keine Versorgungsprobleme

KVBB veranstaltet Fortbildung für Niedergelassene rund um die ambulante Behandlung von Flüchtlingen

In brandenburgischen Arztpraxen werden täglich mehr Menschen, die vor Krieg oder politischer Verfolgung aus ihren Heimatländern geflohen sind, medizinisch betreut. Das Bundesamt für Migration hat jüngst die Zahlen der in Deutschland zu erwartenden Flüchtlinge für dieses Jahr auf 800.000 nach oben korrigiert. In Brandenburg wird laut Innenministerium des Landes mit 24.650 Flüchtlingen gerechnet. Um die niedergelassenen Ärzte besser auf diese neuen Versorgungsherausforderungen vorzubereiten, bietet die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) ihren Mitgliedern ein umfassendes Fortbildungsangebot an.

 

„Schon allein die große Zahl der Asylbewerber, die Tag für Tag in die Praxen der Ärzte und Psychotherapeuten kommen, bedeutet eine große Herausforderung. Die Niedergelassenen sind es, die hier in Brandenburg einen Großteil der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge stemmen“, sagt Dr. Hans-Joachim Helming, Vorstandsvorsitzender der KVBB. Denn neben bürokratischen und sprachlichen Barrieren stellten sich bei der Behandlung von Flüchtlingen auch ganz praktische Probleme: „Oft brauchen sie medizinische Hilfe bei Krankheiten, die bei uns gar nicht oder gar nicht mehr auftreten oder sich gegebenenfalls deutlich vom Spektrum der Erkrankungen unserer ‚Alltags‘-Patienten unterscheiden.“ Dazu käme, dass viele Flüchtlinge nicht nur mit körperlichen, sondern auch mit psychischen Leiden in die Praxen kämen. „Umso mehr ist dann ein besonderes Einfühlungsvermögen gefragt.“

 

Um den märkischen Ärzten und Psychotherapeuten bei der Vorbereitung auf diese besondere Herausforderung zu unterstützen, bietet die KVBB am 26. September 2015 eine Fortbildungsveranstaltung an. „In dieser eintägigen Veranstaltung erhalten die Teilnehmer einen kompakten Überblick rund um die ambulante medizinische Behandlung von Flüchtlingen“, so Dr. Helming.

 

Diskutiert werden beispielsweise Fragen der interkulturellen Kommunikation und der kulturellen Sensibilität. Ein weiterer Themenkomplex beschäftigt sich mit Präventionsmaßnahmen, z. B Impfen, und ausgewählten Krankheiten, wie Tuberkulose, HIV oder chronische Hepatitis-B- und -C-Infektionen. Nicht zuletzt geht es auch um die rechtlichen Grundlagen sowie das Abrechnungsverfahren.

 

Unterstützung bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen bietet die KVBB nicht nur ihren Mitgliedern, sondern auch den Landkreisen und kreisfreien Städten an, denen der so genannte Sicherstellungsauftrag obliegt. Allein bislang ohne Erfolg. Das Angebot stieß auf Desinteresse und taube Ohren.

 

„Diese Lethargie der Politik ist absolut unverständlich und unverantwortlich. Es lasten schließlich vielfältige Probleme auf den Schreibtischen der Kommunen und Ministerien“, betont der KVBB-Vorstandsvorsitzende. „Ob das von unserer Gesundheitsministerin favorisierte Bremer Modell mit Gesundheitskarte tragfähig sein wird, bezweifele ich stark. Für die Kommunen sind mit Ausgabe der Chipkarte die Probleme vom Tisch. Wegschieben kann aber doch keine Lösung sein! Denn es wird nur dazu führen, dass die Versorgungsprobleme mit doppelter Wucht bei der Ärzteschaft aufschlagen. Wir brauchen daher eine schnelle und auf Brandenburg angepasste Lösung. Orientieren könnten wir uns an einer bestehenden Vereinbarung zwischen KVBB und dem Landkreis Potsdam-Mittelmark, die bereits seit 2006 erfolgreich trägt.“

 

Fakten zur ärztlichen Versorgung von Asylbewerbern im Land Brandenburg

16.08.2015