COVID-19: Neue Regelungen zur Arzneimittelversorgung in Kraft

Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit sind nicht ausgeschlossen

Mit der neuen Bundesregelung zur Arzneimittelversorgung werden rechtliche Vorgaben im SGB V, Arzneimittelpreisverordnung, Betäubungsmittelgesetz und in der Betäubungsmittel- Verschreibungsverordnung vorübergehend geändert oder außer Kraft gesetzt. Sie gilt bis spätestens 31. März 2021, wenn sie nicht aufgrund der aktuellen Lage früher aufgehoben wird.

Änderungen bei Substitution von Arzneimitteln in der Apotheke

Die Pflicht des Apothekers zur Abgabe von Rabattarzneimitteln entfällt, wenn er diese nicht vorrätig hat, ein anderes vorrätiges, wirkstoffgleiches Arzneimittel aber abgeben kann. Zusätzliche Kontakte zwischen Arzt, Patient und Apotheker sollen vermieden werden.

 

Nach Rücksprache mit dem Arzt darf der Apotheker künftig ein pharmakologisch-therapeutisch vergleichbares Arzneimittel abgeben, wenn weder das abzugebende noch ein entsprechendes wirkstoffgleiches Arzneimittel vorrätig oder lieferbar ist – trotz Autidem-Kreuz. Eine Unterschrift des Arztes ist nicht mehr notwendig, da der Apotheker die Rücksprache mit dem Arzt auf dem Rezept dokumentieren darf.

 

Ohne Rücksprache mit dem Arzt dürfen Apotheker in folgenden Punkten abweichen, ohne die Gesamtmenge des Wirkstoffes zu überschreiten:

  • Packungsgröße, auch mit einer Überschreitung der nach Packungsgrößenverordnung definierten Messzahl (N1, N2 oder N3)
  • Packungsanzahl
  • Entnahme von Teilmengen aus Fertigarzneimittelpackungen, soweit die abzugebende Packungsgröße nicht lieferbar ist.
  • Wirkstärke, sofern keine pharmazeutischen Bedenken bestehen.

Durch diese Regelung kann es zur Abgabe von teureren Arzneimitteln kommen, die bei einer eventuellen Wirtschaftlichkeitsprüfung zu berücksichtigen wären.

 

Änderungen beim Entlassmanagement für Krankenhäuser

Krankenhäuser dürfen ab sofort auch die größte Packungsgröße verordnen (bislang kleinste).


Sie dürfen Verband-, Heil- und Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege und Soziotherapie für 14 Tage verordnen (bislang 7 Tage) und Arbeitsunfähigkeit feststellen.

 

Änderungen der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV)

Substituierender Arzt darf künftig:

  • über die genannten Zeiträume hinaus von einem suchtmedizinisch nicht qualifizierten Arzt vertreten werden, der dann auch mehr als zehn Patienten mit Substitutionsmitteln behandeln kann,
  • Substitutionsmittel für sieben aufeinanderfolgende Tage verschreiben,
  • innerhalb einer Woche dem Patienten vier Verschreibungen aushändigen, jedoch nicht mehr als eine pro Tag,
  • Verschreibung auch ohne persönlichen Kontakt aushändigen,
  • auch zur Überlassung des Substitutionsmittels anderes als in der BtMVV vorgeschriebenes Personal nutzen,
  • auch volljährige Personen zum Überlassen einsetzen, die von der Apotheke als Botendienst beauftragt sind (Abweichungen zur BtMVV bedürfen einer zusätzlichen Vereinbarung!)

Veränderung bei Übertragung von BtM-Rezepten außerhalb des Vertretungsfalles

BtM-Rezeptvordrucke dürfen vorübergehend auch außerhalb der Vertretungsfälle – etwa in einer Praxisgemeinschaft – übertragen und von anderen Ärzten verwendet werden.

19.05.2020