Die ambulant tätigen Ärzte sind das Fundament der medizinischen Versorgung

KVBB weist Aussagen von LKB und MSGIV zurück

Bei einem Pressetermin am Donnerstag kritisierte der Vorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg (LKB) die ambulante fachärztliche Versorgung vor allem in den ländlichen Regionen Brandenburgs. Gleichzeitig forderte ein Vertreter des Brandenburger Gesundheitsministeriums, dass auch Krankenhäuser ambulante Leistungen erbringen sollten, ohne dass diese auf die Bedarfsplanung angerechnet werden.

 

MUDr./ČS Peter Noack, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), kommentiert: „Diese irritierenden Aussagen machen mich wütend. Denn Landeskrankenhausgesellschaft und Gesundheitsministerium wissen ganz genau, dass die Medizin nicht erst hinter der Krankenhaustür anfängt: An einem gewöhnlichen Tag behandeln wir ambulant landesweit über 70.000 Patienten und rund 900 Akutfälle. Wir organisieren außerhalb der üblichen Sprechzeiten den Bereitschaftsdienst und haben mittlerweile an 19 Krankenhäusern erfolgreich ärztliche Bereitschaftspraxen etabliert. Diese entlasten vor Ort die Rettungsstellen. Wir sind somit die stärkste Säule und das Fundament der medizinischen Versorgung im Land Brandenburg!

 

Die mangelhafte Finanzierung der Krankenhäuser darf nicht auf Kosten der ebenfalls unterfinanzierten ambulanten Medizin erfolgen. Für den ambulanten und stationären Bereich sind die Probleme gleich: Ärztlicher und pflegerischer Personal- und Nachwuchsmangel, enorme Betriebskostensteigerungen und die daraus resultierenden Kostenprobleme erfordern eine gesicherte Finanzierung beider Bereiche. Eine moderne und energieintensive Gerätemedizin gehört heute zur Grundausstattung vieler Praxen und der Krankenhäuser.

 

Und wir benötigen eine dauerhafte Finanzierung von innovativen Konzepten, mit denen defizitäre Krankenhausstandorte nicht geschlossen werden müssen, sondern in bedarfsgerechten ambulant-stationären Strukturen als Gesundheitsstandorte erhalten werden. Mit dem erfolgreichen Innovationsfondsprojekt in Templin zeigen wir, wie es auch an anderen Krankenhausstandorten im ländlichen Bereich funktionieren kann.“

 

 

 

Aktionswoche „Dienst nach Vorschrift“

Die KVBB und die ärztlichen Berufsverbände im Land Brandenburg rufen vom 4. bis 7. Oktober zu einer Aktionswoche unter dem Motto „Dienst nach Vorschrift“ auf. Damit protestiert die Ärzteschaft gegen die Pläne von Politik und Krankenkassen, die ambulante Versorgung kaputtzusparen:

  • Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will eine gut funktionierende und etablierte Regelung zur Behandlung von Neupatienten aus dem Gesetz streichen. Damit werden zukünftig deutlich weniger Termine für Neupatienten in den Praxen angeboten werden können.
  • Bundes- und Landesregierung wollen den Brandenburger Krankenhäusern einen Inflations- und Energiekostenausgleich zahlen. Arztpraxen hingegen sollen leer ausgehen. Kostensteigerungen machen jedoch auch vor Arztpraxen nicht halt.
  • Die Krankenkassen werden den Orientierungspunktwert lediglich um zwei Prozent steigern. Damit können die Praxen die stark gestiegenen Personal und Betriebskosten in den Praxen sowie die hohe Inflation nicht gegenfinanzieren. So lässt sich eine Arztpraxis als Arbeitgeber und Unternehmen nicht wirtschaftlich betreiben.

Weitere Informationen unter www.kvbb.de/aktionswoche

23.09.2022