Die ambulante Versorgung darf nicht kaputtgespart werden!

Aktionswoche „Dienst nach Vorschrift“

Viele Arztpraxen im Land Brandenburg werden vom 4. bis 7. Oktober ihr Sprechstunden- und Beratungsangebot deutlich einschränken. Sie beteiligen sich an der Aktionswoche „Dienst nach Vorschrift“, zu der die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) gemeinsam mit ärztlichen Berufsverbänden aufruft. Die Behandlung von Akutpatienten wird während dieser Zeit regional kollegial gewährleistet. Im Rahmen eines Pressegesprächs informierte MUDr./ČS Peter Noack, Vorstandsvorsitzender der KVBB, heute über die Hintergründe. 

 

„Wir wehren uns vehement dagegen, dass Politik und Krankenkassen die ambulante Versorgung kaputtsparen. Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Als Gründe führte der KVBB-Vorsitzende vor allem vier Punkte an:

 

  1. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will die sehr gut etablierte Neupatientenregelung streichen. Dabei haben gerade im Land Brandenburg die Menschen sehr davon profitiert: Im vierten Quartal 2021 wurden 19 Prozent mehr Neupatienten behandelt als im Vergleichszeitraum 2019. Im Ländervergleich ist dieser Anstieg der Spitzenwert.
  2. Seit Jahren wird der ambulante Sektor gegenüber dem Krankenhausbereich benachteiligt. Von 2014 bis 2022 lag die Preissteigerung für die Vergütung im stationären Bereich insgesamt bei 27 Prozent. In der ambulanten Versorgung waren es nur 12,7 Prozent. Darüber hinaus sollen die Krankenhäuser vom Land Brandenburg einen Energiekostenausgleich erhalten. Die Arztpraxen hingegen sollen leer ausgehen. Dabei haben sie mit den gleichen Kostensteigerungen zu kämpfen.
  3. Die Krankenkassen werden den Orientierungspunktwert im kommenden Jahr lediglich um zwei Prozent steigern. Dies deckt nicht einmal die gestiegenen Personalkosten im ambulanten Bereich, die rund 56 Prozent der Gesamtkosten eines Praxisbetriebs ausmachen. Mit einer Honorarsteigerung von zwei Prozent lassen sich Praxen nicht wirtschaftlich betreiben, und es wird nahezu unmöglich, qualifiziertes Praxispersonal zu beschäftigen. Ohne Medizinische Fachangestellte ist ein Praxisbetrieb nicht möglich.
  4. Anders als Wirtschaftsunternehmen können Arztpraxen die explodierenden Kosten nicht einfach an ihre „Kunden“ weitergeben. Deshalb benötigen die Praxen faire Rahmenbedingungen, in denen sie wirtschaftlich arbeiten können. 

 

„Schon heute kündigen die Krankenkassen eine Nullrunde für die Verhandlungen im kommenden Jahr an. Das ist eine Frechheit. Die Politik und die Kostenträger müssen endlich erkennen, wie besorgniserregend die aktuellen Entwicklungen sind. Wir werden gezwungen, weniger Termine anzubieten und die Wartezeiten für die Patientinnen und Patienten werden deutlich länger. Darüber hinaus wird die ambulante Arbeit für den medizinischen Nachwuchs immer unattraktiver. Wenn sich der Trend fortsetzt, dann wird es bald kalt und leer in unseren Brandenburger Arztpraxen, dann wird der Status quo der Versorgung nicht mehr zu halten sein“, so MUDr./ČS Noack.

 

 

04.10.2022